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Bewußte Propaganda

US-Militär wußte von beauftragten Firmen

18.12.2005  






Zwar kann eine Meldung der Los Angeles Times vom Samstag, daß dem US-Militär sehr wohl bekannt war, daß mehrere Unternehmen mit der Verbreitung von Propaganda im Irak beauftragt worden sind, kaum verwundern, insbesondere innerhalb der USA wird diese Erkenntnis allerdings nicht nur als echte Neuigkeit begriffen, sondern von der überwiegenden Zahl der Medien lieber mit Nichtachtung behandelt.

Entgegen Behauptungen des US-Militärs sowohl im Irak als auch in Washington belegen Dokumente des beauftragten Unternehmens Lincoln Group als auch Zeugenaussagen, daß es sich von Beginn an um eine Propagandamaßnahme handelte, die ihre wahren Auftraggeber verschleiern sollte.

"In der Sprache der Geheimdienste war Lincoln Group ein 'cutout' eine dritte Partei die dem Militär überzeugende Abstreitbarkeit bot", sagte ein ehemaliger Angestellter des Unternehmens. "Produkte [dem Militär] zuzuschreiben hätte den ganzen Sinn zerstört. Daher enthielt kein Produkt der Lincoln Group je den Hinweis 'Made in the U.S.A.'"

Während erste Berichte über eine Beteiligung der Lincoln Group an der US-Propaganda im Irak fast ein halbes Jahr alt sind während die LA Times behauptet, dies sei erst im vergangenen Monat bekannt geworden behaupteten Beamte des Pentagons am 2. Dezember gegenüber dem Vorsitzenden des US-Senatskomitees für die Streitkräfte John W. Warner, daß es sich bei allen nicht deutlich mit ihrem Ursprung im US-Militär gekennzeichneten Meldungen nur um "Versehen" gehandelt habe. Die Lincoln Group sagte von sich allerdings, daß mehr als 1.000 Artikel in irakischen und anderen arabischen Zeitungen plaziert worden sind.

Tatsächlich belegen die der LA Times vorliegenden Dokumente und die Zeugenaussagen von Mitgliedern des Militärs und früheren und derzeitigen Angestellten des Unternehmens auch, daß man der Ansicht war, daß die verbreiteten Propagandameldungen weitaus glaubwürdiger erscheinen würden, wenn ihr Ursprung verschleiert würde eine der Grundvoraussetzungen von Propaganda.

Mitarbeiter des Unternehmens arbeiten eng mit Soldaten des Sonderkommandos für Informationsoperationen in Baghdad zusammen, um von Soldaten verfaßte "Drehbücher" zu arabischen Nachrichten und Werbeanzeigen zu machen. Ein hochrangiger Offizier des US-Heeres überwachte die Operation genau und Dokumente des Unternehmens zeigen, daß präzise Richtlinien bestanden, welche Meldungen in irakischen Zeitungen untergebracht werden sollten.

So übergab beispielsweise ein Offizier im November dem Unternehmen eine Liste mit "Veröffentlichungs-Prioritäten" an dem Tag. Darunter waren Meldungen wie "Iraker müssen sich gegen den Terrorismus zusammentun", "[Irakische Sicherheitskräfte] erhöhen Sicherheit für Eid al-Fitr" und "Irakische Sodlaten nehmen mehr feindliche Kämpfer gefangen" - bei genauerer Betrachtung Meldungen, die so auch Eingang in Meldungen deutscher Medien gefunden haben.

Ein ehemaliger Lincoln-Angestellter betonte, daß das US-Militär nur zu genau wußte, daß Zeitungen für die Veröffentlichung derartiger Artikel bezahlt wurden. "Also ist jegliche Behauptung von ihnen, sie hätten keine Kenntnis der Methoden gehabt, falsch", sagte er. Sowohl ehemalige als auch derzeitige Angestellte des Unternehmens sagten aus, daß ihnen von Offizieren des Militärs gesagt worden war, daß die Meldungen nicht als Produkte der US-Regierung identifiziert werden dürften. In einem Fall führte ein Fehler dazu, daß eine Meldung in einer Baghdader Zeitung in englischer Sprache veröffentlicht wurde. Daraufhin wurden Mitarbeiter der Lincoln Group von US-Militärs scharf kritisiert, weil dies darauf hindeutete, daß die Meldung von den Besatzern stammte. Die Angestellten versprachen, daß dies nicht wieder vorkommen würde.

Angesichts dieser Meldungen dürfte die Lincoln Group zwar für die Propagandazwecke des US-Militärs im Irak "verbrannt" sein, dies führt aber sicherlich nur dazu, daß andere Unternehmen derartige Aufträge erhalten und noch mehr auf deren Geheimhaltung geachtet wird.





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