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Begriffsanpassungen

(Nicht nur) die USA und die Medien

27.12.2005  






In einem am Dienstag von der Los Angeles Times veröffentlichten Artikel des britischen Journalisten Robert Fisk kritisierte dieser anläßlich der Abberufung eines Kollegen des Boston Globe anhand mehrerer Beispiele offenbar gezielte Begriffsaufweichungen in den Medien.

"Ich bezeichnete die israelische Likud-Partei als 'rechts'", sagte sein Kollege. "Aber kürzlich haben mir meine Redakteure gesagt, ich solle diese Formulierung nicht mehr benutzen. Zahlreiche Leser kritisierten dies." Auf die Nachfrage "Und jetzt?" sagte er: "Wir bezeichnen sie einfach nicht mehr als 'rechts'."

Dies ist aber keineswegs die einzige Formulierung, die offenkundig den Boden einer neutralen Berichterstattung weit hinter sich läßt. So werden die zementierten israelischen Landnahmen von besetztem auch dies ein weiterer Tabubegriff palästinensischem Land nicht einmal mehr als "Siedlungen", sondern mittlerweile gar als "jüdische Viertel" bezeichnet. Aus dem besetzten Palästina wurde "umstrittenes" palästinensisches Land, nachdem der damalige US-Außenminister Colin Powell US-Botschaften im Mittleren Osten anwies, diese Formulierung zu benutzen.

Und auch die "Mauer", die mittlerweile praktisch offiziell der israelischen Landnahme dient, wird gern als "Zaun" oder "Sicherheitssperre", dem von staatlichen israelischen Stellen bevorzugten Begriff, bezeichnet. "Auf einigen Teilen, so sagt man uns, ist es überhaupt keine Mauer also können wir es auch nicht als 'Mauer' bezeichnen, obwohl der größte Teil der Schlange aus Beton und Stahl, die sich östlich Jerusalems erstreckt, höher als die Berliner Mauer ist", so Fisk.

Fisk sieht hier auch eine klare Absicht, jeglichen palästinensischen Widerstand zu diskreditieren. "Wenn palästinensisches Land nicht besetzt, sondern nur Teil eines rechtlichen Streits ist, der vor Gericht oder bei Gesprächen über einem Glas Tee ist, dann handelt ein palästinensisches Kind, das einen Stein auf einen israelischen Soldaten wirft, offenkundig irrsinnig", schreibt er. "Wenn eine illegal auf arabischem Land gebaute jüdische Kolonie nur ein nettes freundliches 'Viertel' ist, dann muß jeder Palästinenser, der sie angreift, einen sinnlosen terroristischen Akt begehen", ebenso, wie es keinen Grund gäbe, gegen einen "Zaun" oder eine "Sicherheitssperre" zu protestieren.

Aber auch hinsichtlich des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges der USA gegen den Irak greifen offenbar die gleichen Mechanismen, wurden die irakischen Widerstandskämpfer doch von Beginn an ganz der Linie der US-Regierung und des US-Militärs folgend als "Rebellen", "Überbleibsel des früheren Regimes" oder auch gerade in letzter Zeit ein zunehmend beliebter Begriff als "Terroristen" bezeichnet. Ebenso vermeidet es das US-Fernsehen, die Folgen der Bombardements, des Napalms, der ungezielten Schüsse oder der Strahlung des "abgereicherten" Urans zu zeigen.

"In der guten alten Zeit glaubten wir oder nicht? - daß Journalisten 'sagen sollen, wie es ist'", so Fisk. "Also laßt uns eine Kolonie eine Kolonie nennen, laßt uns Besatzung als das bezeichnen, was sie ist, laßt uns eine Mauer eine Mauer nennen. Und vielleicht die Realität des Krieges zum Ausdruck bringen, indem wir zeigen, daß er nicht vorrangig Sieg oder Niederlage bedeutet, sondern das totale Versagen des menschliches Geistes."





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