www.freace.de
Impressum

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Raus aus Israel

"Die Kinder schlafen mit einem offenen Auge"

29.12.2005  






Am Montag berichtete die Jerusalem Post über die Folgen einer Gesetzesverschärfung hinsichtlich der Aufenthaltsrechte für zahlreiche Kinder in Israel, die nicht die israelische Staatsbürgerschaft besitzen.

Bisher sind 32 Prozent der Schüler an der Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv Kinder ausländischer Arbeiter, 19 Prozent von Einwanderern aus Ländern der ehemaligen Sowjet-Union und 7 Prozent arabische Israelis. Sollte ein am 26. Juni dieses Jahres beschlossenes und von dem damaligen israelischen Innenminister Ophir Paz-Pines eingebrachtes Gesetz tatsächlich Anwendung finden, so dürften nur 27 der insgesamt 225 Kinder ausländischer Arbeiter in Israel und damit auch an dieser Schule bleiben.

In dem Gesetz wurden die Bedingungen, unter denen es Kindern ausländischer Eltern gestattet wird, in Israel zu bleiben, weiter verschärft. Im einzelnen sind dies:
  • Das Kind wurde in Israel geboren, ist mindestens 10 Jahre alt und hat ununterbrochen in Israel gelebt.
  • Seine Eltern kamen rechtmäßig aufgrund von Visa und Aufenthaltsgenehmigungen nach Israel bevor das Kind geboren wurde.
  • Das Kind besucht eine israelische Schule oder hat an einer einen Abschluß erworben, spricht Hebräisch und seine Deportierung würde zu einem "kulturellen Exil" in einem Land führen, mit dem es keine kulturelle Verbindung hat.
In der vorangegangenen Fassung des Gesetzes hatte Paz-Pines' Amtsvorgänger, Avraham Poraz, Kindern noch eine Daueraufenthaltsgenehmigung zugebilligt, wenn sie mindestens 10 Jahre in Israel gelebt und eine israelische Oberschule besucht haben oder hatten. Kindern, die wenigstens 5 Jahre in Israel gelebt haben und die 11. oder 12. Klasse besuchten, konnte durch eine Sonderkomitee eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erteilt werden, wenn das Komitee zu dem Schluß kam, daß sie eine "starke Beziehung zu Israel" hatten.

Derzeit ist beim Obersten Gericht Israels noch eine am 24. August von der "Vereinigung für Bürgerrechte in Israel" eingereichte Petition gegen das Gesetz anhängig, diese wendet sich aber ausdrücklich nur gegen die beiden von Paz-Pines hinzugefügten Bedingungen, so daß alle Kinder, die jünger als 10 Jahre sind, das Land am 1. Januar verlassen müssen. Allein an der Bialik-Rogozin-Schule sind dies 120 der 225 Kinder.

In einem Gespräch machte die Rektorin der Schule Karen Tal, daß die Kinder aussähen wie ganz gewöhnliche israelsiche Kinder, sie aber nicht so leben.

"Diese Kinder schlafen mit einem offenen Auge", sagte sie. "Sie haben gehört, wie die Tür mitten in der Nacht geschlossen wurde, als Polizisten ihren Vater oder Onkel abholten. Sie haben nicht die Gnade des tiefen Schlafs."

"Meine Mutter wurde von der Einwanderungspolizei verhaftet", erinnert sich beispielsweise der 14 Jahre alte, aus Kolumbien stammende Richard Suarez. "Ich mußte unsere Pässe aufs Revier bringen und für sie übersetzen. Die Polizei bedrohte sie." Der 17-jährige, aus Ecuador stammende José Escobar berichtete, daß vier Polizisten und zwei Mitarbeiter des Innenministeriums nachts um 03:00 Uhr gegen die Tür des Hauses seiner Familie geklopft hatten, um einen "illegalen" Arbeiter zu verhaften, der dort übernachtete. "Unten waren zwei weitere Polizisten mit einem Dobermann", fügte er hinzu. Auch die 16-jährige Laura Diaz stammt aus Kolumbien. Eines Tages klopfte ein Polizist an ihre Tür, während ihre Mutter zur Arbeit war. "Ich wollte die Tür nicht öffnen", sagte sie. "Der Polizist hämmerte an die Tür und schrie. Ich fing an zu weinen. Er ging weg, kam aber in der Nacht zurück. Wir entschieden uns, umzuziehen. Sie glauben, wir seien keine Menschen, daß wir Tiere sind." Trotzdem möchte sie in Israel bleiben. "Die meisten Israelis benehmen sich nicht so", sagte sie. "Selbst viele Polizisten."

Die Rektorin sagte, sie schäme sich für ihre Regierung wegen deren Verhaltens gegenüber den Kindern.

"Ich habe kein Problem damit, daß Israel sich gegen Ausländer abschottet", so Tal. "Aber wir können nicht unsere Verantwortung für die Kinder, die schon hier sind, ignorieren. Israel hat die UN-Konvention zu den Rechten von Kindern unterzeichnet, in der jedem Kind das Recht auf Bildung, Entwicklung und Gesundheit garantiert wird."



Werbung:


Zurück zur Startseite





Impressum

contact: EMail

PAGERANK SEO