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Was wir sind

Rückblicke, Einblicke, Ausblicke

01.01.2006  






Im vergangenen Jahr unterstützte die deutsche Bundesregierung mit einer 30 Millionen teuren Kampagne Werbeindustrie und Medien und teilte bei der Gelegenheit den Bürgern mit, sie "sind Deutschland".

Tatsächlich sind wir aber noch viel mehr als nur "Deutschland".

Die zahlreichen Naturkatastrophen führten neben unzähligen Todesopfern auch zu ebenso unzähligen Spendenaufrufen, die auch immer wieder befolgt wurden, was aber letztlich dazu führte, daß eine gewisse "Spendenmüdigkeit" festgestellt wurde und schon Befürchtungen laut wurden, daß bei "der nächsten Katastrophe" kaum noch Spenden zu sammeln wären. Bemerkenswert ist aber auch, daß die Flutkatastrophe in New Orleans, mithin in einem der hochindustrialisiertesten Länder der Erde und jenem Land, das allein ein Militärbudget von 441,6 Milliarden US-Dollar besitzt, bei der wenige hundert Menschen getötet wurden, ebenfalls zu einer solchen Spendenbereitschaft führte, während der tägliche Hungertod von 24.000 Menschen weiterhin kaum wahrgenommen wird.

Wir sind schon fast autistische Meister des Verdrängens.

Auch in Deutschland wurden bei der letzten Bundestagswahl vermehrt Wahlcomputer eingesetzt, obwohl nicht nur die vergangenen Wahlen in den USA gezeigt haben, daß deren "Ergebnisse" zumindest fragwürdig sind, sondern durchaus auch rechtliche Bedenken gegen ihren Einsatz existieren. Trotzdem scheint es trotzdem Wille der Politiker und selbstverständlich der Hersteller der Maschinen diese vermehrt anstelle der bisherigen Wahl mit nachvollziehbaren Stimmzetteln einzusetzen.

Wir sind Florida.

Ebenfalls im vergangenen Jahr beschlossen alte und neue Bundesregierung in trauter Zweisamkeit die Lieferung zwei weiterer U-Boote an Israel, die Israel schon in der Vergangenheit mit atomar bestückten Raketen ausgerüstet hat. Insbesondere auch angesichts des offenbar bevorstehenden Angriffs Israels auf den Iran scheint es hier zweifellos angebracht, von einer untersagten Waffenlieferung in ein Krisengebiet zu sprechen.

Wir sind Kriegstreiber und Kriegsgewinnler.

Obwohl Deutschland ein weiteres "Exportweltmeister" wurde und trotz Rekordgewinnen der Unternehmen scheinen sich diese mit immer neuen Entlassungswellen gegenseitig überbieten zu wollen.

Immer mehr Menschen sagen daher: "Wir sind arbeitslos."

Daß das Ende dieser Entwicklung noch lange nicht erreicht sein dürfte, zeigen auch immer neue Maßnahmen gegen jene, die nicht nur am wenigsten besitzen, sondern sich auch am wenigsten gegen sie wehren können und keinerlei Lobby haben. Gleichgültig, ob man hier an die "Reform" betitelten "Hartz IV"-Sparmaßnahmen denkt oder an Bestrebungen, Innenstädte zumindest optisch von Armut zu "säubern", immer wieder zeigt sich hier eine eindeutige Bevorzugung von Wirtschaftsinteressen vor der Verwirklichung des im Grundgesetz immerhin festgeschriebenen Sozialstaats. Und auch Politiker sehen sich offenbar kaum noch gezwungen, zu verbergen, daß sie während ihrer Amtszeit auch persönliche Interessen verfolgen, wie auch der "Pipeline-Deal" Gerhard Schröders zu zeigen scheint.

Wir sind Milton Friedman.

Schon durch die uneingeschränkte Gewährung von Überflugrechten und Unterstützung der US-Basen in Deutschland hat sich Deutschland zumindest indirekt an dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak beteiligt und sich damit auch an den dort begangenen Verbrechen mitschuldig gemacht.

Wir sind Fallujah.

Damit aber nicht genug, haben die CIA-Flugzeuge, mit denen entführte Menschen in ausländische Foltergefängnisse verschleppt werden, immer wieder den deutschen Luftraum und auch Flughäfen in Deutschland benutzt. Da konnte es dann auch kaum noch überraschen, daß sich deutsche Ermittlungsbeamte an den "Befragungen" dieser Gefangenen beteiligen und auch Nutzung von "möglicherweise" durch Folter erlangten "Informationen" nach dem Willen des neuen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble durchaus zulässig sein soll.

Wir sind Guantánamo.

Im Rahmen der vermeintlichen oder auch vorgeblichen, je nach Sichtweise Bekämpfung einer ebenso vermeintlichen oder vorgeblichen Terrorgefahr werden seit Jahrzehnte als Eckpfeiler der deutschen Demokratie betrachtete Werte wie die Pressefreiheit oder auch die Post- (nichts anderes ist E-Mail schließlich) Fernmeldegeheimnisse beschnitten. Was hierbei wie die Vorratsdatenspeicherung, die per se jeden Menschen zum Verdächtigen erklärt, nicht auf nationaler Ebene durchsetzbar scheint, wird dann kurzerhand durch die Hintertür der Europäischen Union eingeführt.

Wir sind Stasi zumindest bald.

Zurzeit richten sich direkte staatliche Repressions- und Überwachungsmaßnahmen insbesondere gegen Menschen muslimischen Glaubens. Inwieweit dies erst der Beginn noch weitaus massiverer Maßnahmen gegen diese Menschen oder einer Ausweitung auf alle Menschen ist, ist bisher zumindest diskussionsfähig, wobei das eine das andere nicht ausschließt. Die Pauschalverdächtigungen einer nur die Glaubenszugehörigkeit definierten Gruppe wecken aber bereits Erinnerungen an dunkle Zeiten.

Wir sind McCarthy und werden zur Inquisition.

Und auch der Einsatz genveränderter Lebewesen, insbesondere der unkontrollierte Anbau genmanipulierter Pflanzen, schreitet wiederum nicht zuletzt mit Hilfe der Europäischen Union immer weiter voran, obwohl dies sehr wohl langfristige Auswirkungen auf die Anbauflächen - und damit auch auf die Umwelt hat und die Genveränderungen auch auf andere Pflanzenarten überspringen können. Die möglichen Langzeitfolgen hiervon sind zur Zeit noch völlig unabsehbar.

Wir werden Frankenstein sein.

Auch wenn wir also noch weitaus mehr als nur "Deutschland" sind, so scheint es doch wenig Gründe für Stolz zu geben.





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