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Gnadenlos

Schwarzenegger lehnt Anhörung für Gnadengesuch ab

07.01.2006  






Nur wenige Tage nach der Hinrichtung von Stanley "Tookie" Williams infolge eines von dem Schauspieler und Gouverneur des US-Bundesstaates California Arnold Schwarzenegger abgelehnten Gnadengesuchs zeigte der gebürtige Österreicher erneut, wie nah seine gefühllose Darstellung des "Terminators" offenbar der Person Schwarzenegger kam.

Williams, Mitbegründer der in den 70er Jahren in Los Angeles gefürchteten Straßenbande "Crips", war bereits 1981 wegen mehrerer Morde zum Tode verurteilt worden, bestritt diese aber bis zu seiner Hinrichtung am 13. Dezember des vergangenen Jahres im Gefängnis San Quentin. Darüberhinaus hatte er sich in den Jahrzehnten seiner Gefangenschaft in der "Todeszelle" nicht nur von seiner Vergangenheit distanziert und an die Banden appelliert hat, die Gewalt zu beenden, er verfaßte in der Gefangenschaft auch mehrere Kinderbücher. Beides führte dazu, daß er fünf Mal für den Friedensnobelpreis und vier Mal für den Literaturnobelpreis nominiert wurde. Williams hatte zum Zeitpunkt seiner Hinrichtung 24 seiner 51 Lebensjahre in Erwartung seiner Hinrichtung verbracht. All dies wie auch zahlreiche Aufrufe von Prominenten, beispielsweise dem Politiker Jesse Jackson, dem Geistlichen Desmond Tutu und den Schauspielern und Schauspielerinnen Laurence Fishburne, Danny Glover, Tim Robbins, Anjelica Huston und Susan Sarandon und zahllosen weiteren Menschen und Organisationen wie amnesty international, "Tookie" zu begnadigen, hinderte Schwarzenegger nicht daran, Williams durch eine Giftspritze hinrichten zu lassen.

Am Tag, als Williams getötet wurde, reichte der 75 Jahre alte, blinde, zuckerkranke und im Rollstuhl sitzende Clarence Ray Allen ebenfalls ein Gnadengesuch bei Schwarzenegger ein, da seine Hinrichtung für den 17. Januar, einen Tag nach seinem 76. Geburtstag, geplant ist.

Allen wurde 1982, ein Jahr nach Williams zum Tode verurteilt worden, weil er aus dem Gefängnis heraus die Ermordung von drei Menschen, Zeugen der Anklage in seinem vorangegangenen Mordverfahren, in Auftrag gegeben zu haben. Diese wurden durch den später ebenfalls zum Tode verurteilten Auftragsmörder Billy Ray Hamilton daraufhin getötet. Amnesty international zufolge bestehen an dem Strafverfahren, daß zu seiner Verurteilung führte, allerdings erhebliche Zweifel. Allen, Angehöriger des Stammes der Choctow, war in einem ländlichen, überwiegend "weißen" Landkreis vor Gericht gestellt worden und sein Anwalt gab zu, keine Vorbereitungen für die Phase der Strafbemessung getroffen zu haben und vorhandene, strafmildernde Beweise nicht ausreichend untersucht und vor Gericht vorgebracht zu haben. Noch entscheidender dürfte aber sein, daß mehrere der Belastungszeugen die ebenfalls an den Verbrechen beteiligt waren und die im Austausch für ihre Aussagen nicht angeklagt wurden, später zugegeben haben, vor Gericht gelogen zu haben.

Wie der San Francisco Chronicle am Donnerstag berichtete, hat Schwarzenegger die Durchführung einer Anhörung hinsichtlich des Gnadengesuchs für Allen abgelehnt, er werde aber schriftliche Argumente für und gegen das Gnadengesuch begutachten, so Schwarzeneggers Sprecherin Julie Soderlund. Diese Ablehnung wurde von Allens Anwälten scharf kritisiert.

"Nicht persönlich angehört zu werden trägt zu unserer Besorgnis um die Fairness des ganzen Verfahrens bei", so sein Anwalt Michael Satris. "Wenn es um ein Menschenleben geht, sollte es einige minimale Elemente der Rechtsstaatlichkeit geben."

Es ist nur zu offensichtlich, daß Schwarzenegger hier versucht, die erfolgreiche - "wahlwerbende" Gnadenlosigkeit des derzeitigen US-Präsidenten George W. Bush während dessen Zeit als Gouverneur des US-Bundesstaates Texas zu kopieren. Angesichts eines solchen Verhaltens kann es kaum verwundern, daß das Parlament der österreichischen Stadt Graz Ende Dezember des vergangenen Jahres beschloß, das bisher nach Schwarzenegger benannte Fußballstadion umzubenennen. Das Detail, daß Schwarzenegger nach Bekanntwerden dieser geplanten Umbenennung seinerseits durch Anwälte erklären ließ, sein Name müsse bis Ende des Jahres 2005 von dem Stadion entfernt werden, paßt denn auch weniger zu einem gefühllosen "Terminator" als zu einem bockigen Kind.



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