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Blockwarte im 21. Jahrhundert

Videoüberwachung für alle

19.01.2006  






Erst vor zwei Wochen stellte die Londoner Polizei ("Metropolitan Police") eine neue Werbekampagne vor, die alle Bürger dazu aufruft, jegliches "verdächtige Verhalten" an die Behörden zu melden.

Nur eine Woche später wurde dann bekannt, daß zumindest die Bewohner des Londoner Stadtteils Shoreditch in Zukunft auch die technischen Möglichkeiten haben werden, um diese "Aufgabe" umfassend zu erledigen. Im Rahmen eines Pilotprojekts werden die Bewohner zweier Wohnblöcke des sozialen Wohnungsbaus die Möglichkeit erhalten, über ihre Fernseher auf den "Gemeinde-Sicherheits-Kanal" zu schalten, um auf die Bilder von 11 Überwachungskameras in der Nähe der Häuser zuzugreifen. Jegliches "verdächtige Verhalten" kann dann durch einen Rückkanal an die Polizei gemeldet werden, die privaten Blockwarte brauchen also nicht einmal von der Couch bis zum Telephon zu gehen.

Darüberhinaus wird die Polizei die Möglichkeit haben, über den Kanal Informationen über Anwohner auszustrahlen, die verdächtigt werden, gegen die im Jahr 2003 erlassenen "Gesetze gegen gesellschaftsfeindliches Verhalten" zu verstoßen. Hierzu gehören Vandalismus, Angriffe und Bedrohungen ebenso wie Betteln, Ruhestörung, Beleidigungen, Prostitution und das Trinken von Alkohol und das Rauchen bei Minderjährigen.

Sollte das Pilotprojekt sich als "erfolgreich" erweisen der Schutz von Privatsphäre und Bürgerrechten gehört offensichtlich nicht zu den Zielen des Projektes dann würden im Anschluß 20.000 Haushalte die Möglichkeit erhalten, auf etwa 400 Überwachungskameras zuzugreifen. Zwei weitere Londoner Stadtteile haben sich bereits ebenfalls an dem Projekt interessiert gezeigt.

Am Dienstag kündigte nun das Büro des britischen Datenschutzbeauftragten an, den Plan "untersuchen" zu wollen. "Wir werden Kontakt aufnehmen, um herauszufinden, was los ist. Es führt zu Besorgnis und Fragen des Datenschutzes", so der stellvertretende Datenschutzbeauftragte Jonathan Banford. Allerdings ist überdeutlich, daß Banford sich mit dem Projekt bisher in keiner Weise beschäftigt hat, schätzt er dessen Umfang doch offenbar völlig falsch ein. Sollte den Anwohnern jeweils nur Zugriff auf Kameras vor ihren eigenen Haustüren gegeben werden, "wie eine Zugangskontrolle", so gäbe es seiner Ansicht nach wenig Grund zur Aufregung. "Wir wären beunruhigt, wenn es eine weitverbreitete Ausstrahlung von Bildern geben würde, die Menschen bei ihren täglichen Erledigungen identifizierbar machen würden." Dies ist allerdings offensichtlich genau das Ziel des Projekts.

Neben den genannten Gefahren für die Privatsphäre scheint es aber auch unwahrscheinlich, daß durch diese Überwachung tatsächlich die "Sicherheit" in dem Stadtteil verbessert werden könnte. Zumindest für Einbrecher würde sich hier die Gelegenheit bieten, gemütlich vor dem heimischen Fernseher sitzend zu beobachten, wie ihre zukünftigen Opfer ihre Wohnungen verlassen.



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