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Die falschen Opfer

US-Soldaten feuern auf Diplomaten

01.02.2006  






Für Iraker gehört es mittlerweile zum täglichen und tödlichen Alltag, daß US-Soldaten ohne Warnung das Feuer eröffnen, insbesondere auf Fahrzeuge, die sie für eine "mögliche Bedrohung" halten. Ein Bericht des kanadischen Senders CBC vom Mittwoch belegt einmal mehr, daß durchaus nicht nur Iraker durch die Rücksichtslosigkeit der Besatzer bedroht sind.

Am Dienstag wurde demnach innerhalb der "Grünen Zone" in Baghdad von US-Soldaten ein Fahrzeug beschossen, in dem sich neben Stewart Henderson, dem kanadischen Chargé d'Affaires, dem diplomatischen Geschäftsträger, noch drei weitere Diplomaten befanden. Anders als zahllose Iraker überstanden die Diplomaten den Angriff allerdings nicht nur lebend, sondern sogar unverletzt.

Eine der anderen Diplomaten in dem Fahrzeug, die namentlich ungenannt blieb, berichtete gegenüber CBC detailliert, wie sich der Angriff aus Sicht der Fahrzeuginsassen ereignete. Ursprünglich sollte demnach über den Vorfall kein weiteres Wort verloren werden, erst nachdem das US-Militär seinerseits eine andere Version der Ereignisse veröffentlicht hatte, entschieden sie sich anders. Das US-Militär behauptete – wie dies üblicherweise geschieht, wenn es sich wegen eines solchen Zwischenfalls rechtfertigen muß – das kanadische Fahrzeug sei von hinten auf den Konvoi zugefahren und habe seine Geschwindigkeit auch nicht nach Hand- und Armzeichen von US-Soldaten verringert. Daraufhin seien Warnschüsse abgegeben worden.

Dies wurde von der Diplomatin bestritten. Das kanadische Fahrzeug, das "ein Symbol einer kanadischen Fahne auf dem Armaturenbrett hatte", habe vielmehr gewartet, bis ein Konvoi von fünf Humvees vorbeigefahren war. Dann sei es dem Konvoi etwa fünf Minuten lang "in sicherem Abstand" und mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 25 Stundenkilometern gefolgt. Dies werde von kanadischen Beamten häufig so gehandhabt und sie sah daran nichts besonderes. Dann habe der Konvoi aber die Straße verlassen und das Fahrzeug der Diplomaten sei auf der Straße weitergefahren. In dem Moment eröffneten die Soldaten offenbar das Feuer. Das Fahrzeug kam daraufhin zum stehen und der Fahrer signalisierte den Soldaten, daß er nicht an dem, was die Fahrzeuginsassen anfangs für eine Bombenexplosion hielten, beteiligt war.

Nachdem die Fahrzeuginsassen schließlich ausgestiegen waren, stellten sie fest, daß das Auto von mindestens zwei Kugeln getroffen worden war. Eine war auf der Beifahrerseite in die Motorhaube eingeschlagen, während die zweite die Windschutzscheibe knapp oberhalb des Scheibenwischers durchschlagen hatte.

Einerseits scheinen die geringe Zahl der Einschüsse als auch die Tatsache, daß alle Fahrzeuginsassen unverletzt blieben, für die Behauptung zu sprechen, es habe sich um "Warnschüsse" gehandelt – wobei deren "Zielgenauigkeit" hierbei sicherlich fragwürdig ist. Andererseits ist aber die Tatsache, daß US-Soldaten selbst innerhalb der abgeriegelten und schwer bewachten "Grünen Zone" derart reagieren, äußerst aufschlußreich. Entweder, die US-Soldaten befürchten tatsächlich selbst innerhalb der "Grünen Zone" Angriffe mit Autobomben, oder dies war wirklich eine sehr „behutsame" Reaktion auf eine "mögliche Bedrohung" - was wiederum deutliche Schlußfolgerungen auf das Verhalten der Soldaten im Rest des Landes zuließe.





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