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Verständnisprobleme

Dänische Karikaturen, Muslime und Medien

02.02.2006  






Es scheint, mittlerweile sei die halbe Welt in Aufruhr, weil die dänische Zeitung Jyllands-Posten im September 2005 zwölf von verschiedenen Zeichnern angefertigte Karikaturen veröffentlichte, die den im Islam heiligen Propheten Mohammed zeigten.

Tatsächlich war dies noch größtenteils unbeachtet geblieben, erst der Nachdruck der Karikaturen in der norwegischen Zeitung Magazinet am 10. Januar dieses Jahres löste dann letztlich den Sturm der Entrüstung in der islamischen Welt aus. Zwar war schon zuvor eine Gruppe dänischer Muslime nach Ägypten gereist, um dort ihr Problem vorzutragen, nachdem sie in weder bei den dänischen Behörden noch den Medien ein offenes Ohr gefunden hatten, bis zur Veröffentlichung in der Magazinet war es aber noch verhältnismäßig ruhig.

Die Kritik der Muslime an der Veröffentlichung wurde von zahlreichen Seiten mit dem Vorwurf beantwortet, hier sollten die Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt werden. Eine Zeitungen, darunter die deutsche "Welt" und die französische France Soir druckten die Karikaturen daraufhin ebenfalls ab. Dies führte im Fall der France Soir wiederum dazu, daß deren Chefredakteur Jacques Lefranc von Raymond Lakah, dem Besitzer der Zeitung, entlassen wurde.

Die mittlerweile ausgesprochene öffentliche Entschuldigung des Chefradakteurs der Jyllands Posten, Carsten Juste, wird von Muslimen allgemein abgelehnt, da er sich nur für die Folgen der Veröffentlichung, nicht aber für die aus muslimischer Sicht unerträgliche Beleidigung entschuldigt hat.

Aus "westlicher" Sicht scheinen die Karikaturen tatsächlich verglichen mit vielen anderen relativ harmlos. Bei einem minimalen Wissen um den Islam muß aber klar sein, wie beleidigend die Zeichnungen für Muslime sind. So befindet sich darunter eine Zeichnung, die den Propheten Mohammed mit einer Bombe statt eines Turbans auf dem Kopf zeigt, deren Lunte bereits brennt und auf der außerdem ein Koranvers steht. Nicht nur, daß er damit als Terrorist dargestellt wird, schon allein das Anfertigen eines Bildes Gottes und auch Mohammeds selbst ist im Islam untersagt. Dies ist eine derart grundlegende Regel, daß der Verdacht, daß es sich hier in Wahrheit um eine gezielte Provokation der "konservativen" Jyllands Posten handelte, um genau die jetzt zu beobachtende Reaktion zu provozieren, durchaus nicht von der Hand zu weisen ist. Offiziell erfolgte der Aufruf an die Zeichner, Karikaturen des Propheten anzufertigen, im Rahmen "einer andauernden Debatte über die Meinungsfreiheit".

Gleichgültig, was der wahre Hintergrund für die Zeichnungen war, so ist die Reaktion der Medien doch äußerst bemerkenswert, sind sie sich doch darin einig, die Muslime wegen ihrer Reaktion zu verurteilen.

Als Mel Gibson vor zwei Jahren seinen Film "Die Passion Christi" vorstellte, führte dies zu zahlreichen mehr oder minder wütenden Reaktionen von Juden, die ihm Antisemitismus vorwarfen und auch einen Boykott forderten. Dies verhinderte zwar weder seine Veröffentlichung noch seinen kommerziellen Erfolg, führte aber auch nicht zu der Kritik an Juden, sie wollten hier die "Freiheit der Kunst" oder das Recht auf freie Meinungsäußerung beschneiden.

Es mag hilfreich sein, sich hier eine umgekehrte Situation vorzustellen. Es fällt nicht schwer, den Aufschrei in der "westlichen" Welt zu erahnen, würde eine große iranische Zeitung eine Karikatur abdrucken, die den vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehenkten Papst zeigt, nachdem er zuvor in eindeutiger Situation mit zwei Meßdienern gezeigt wurde.

Ohne Zweifel stellen die Forderungen der Muslime letztlich einen Eingriff in die Pressefreiheit dar. Diese wird aber an anderer Stelle noch weitaus entscheidender und weitreichender eingeschränkt, sei es durch das "Caroline-Urteil" des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte oder auch der Gerichtsstreit der damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, um Medienberichte zu verbieten, in denen behauptet wurde, er würde sich die Haare färben.

Auch ist es geltendem Recht zufolge durchaus ebenfalls den Medien nicht gestattet, andere Personen mit böswilligen Beschimpfungen zu überziehen. Darüberhinaus stellt Paragraph 166 des deutschen Strafgesetzbuchs ausdrücklich die "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen" unter Strafe. Der Protest der Muslime läßt sich also zumindest in Deutschland sehr wohl auch rechtlich begründen. Sicherlich könnte es ein Gedankenansatz sein, zu fordern, daß wirklich alle Informationen und Meinungen veröffentlicht werden dürfen. Von diesem Zustand ist aber nicht nur Deutschland weit entfernt.

Unabhängig von gesetzlichen Regelungen sollte es aber eigentlich nicht so schwer fallen, derart grundlegende Glaubensgrundsätze anderer Menschen zu achten. Daß dem Aufschrei der Muslime praktisch nur mit Unverständnis und erneuter Kritik begegnet wird, wirft die Frage auf, inwieweit die Betreffenden tatsächlich daran interessiert sind, Muslimen die Hand zu reichen.



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