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"Herr, erbarme Dich!"

Kirchen kritisieren US-Regierung

20.02.2006  






Die US-Regierung, allen voran US-Präsident George W. Bush haben immer wieder religiöse Motive herangezogen, um die von ihnen begangenen Verbrechen, insbesondere die Angriffskriege gegen Afghanistan und den Irak, zu begründen. Eine am Freitag bei der Versammlung des ökumenischen Weltkirchenrats veröffentlichte Erklärung dürfte diese Argumentationslinie in Zukunft zumindest deutlich erschweren.

Dem Weltkirchenrat gehören insgesamt über 350 protestantische, anglikanische und orthodoxe Kirchen an. Der Delegation aus den USA gehören die Episkopal-Kirche, die Presbyterianische Kirche, die Vereinigte Kirche der Methodisten und 31 weitere Kirchen der USA an.

"Wir sind Bürger einer Nation, die in den vergangenen Jahren viel getan hat, um die Menschheit zu gefährden und die Schöpfung zu mißbrauchen", so die Erklärung. "Nach den Terroranschlägen sandtet Ihr uns „lebende Briefe“, die uns zu einer tieferen Solidarität mit jenen, die weltweit täglich unter Gewalt leiden, einluden. Aber unser Land antwortete, indem es versucht, einen privilegierten und sicheren Platz in der Welt zurückzugewinnen, überzog die wirklich verletzbaren unserer weltweiten Nachbarn mit Terror. Unsere Anführer hörten nicht auf die Stimmen von Kirchenführern in unserer Nation und der Welt und begannen imperiale Projekte, deren Ziel es ist, um unser eigenen nationalen Interessen wegen zu dominieren und zu kontrollieren. Nationen wurden dämonisiert und Gott wurde in nationalen Plänen verwendet, die nichts anderes als abgöttisch sind. Wir beklagen mit besonderem Schmerz den Krieg im Irak, durch Täuschung und unter Verletzung weltweiter Regeln der Gerechtigkeit und der Menschenrechte begonnen. Wir beklagen alle, die in diesem Krieg getötet oder verletzt wurden; wir erkennen beschämt die Mißhandlungen, die in unserem Namen begangen wurden, an; wir bekennen, daß wir darin versagt haben, eine prophetische Stimme zu erheben, die laut und anhaltend genug gewesen wäre, um unsere Anführer von diesem Weg des Präventivkriegs abzubringen. Herr, erbarme Dich!"

"Die Flüsse, Meere, Seen, Regenwälder und Feuchtgebiete, die uns erhalten, selbst die Luft, die wir atmen, werden weiterhin geschändet und die globale Erwärmung wird weiterhin nicht beachtet, während wir es zulassen, daß Gottes Schöpfung auf ihre Zerstörung zusteuert. Und doch lehnt es unser eigenes Land ab, seine Beteiligung anzuerkennen und weist multilaterale Abkommen zurück, die dazu dienen sollen, verheerende Tendenzen umzukehren. Wir konsumieren ohne nachzufüllen,; wir ergreifen begrenzte Ressourcen, als wären sie privates Eigentum; unser unkontrollierter Appetit verschlingt immer mehr Schätze der Erde. Wir bekennen, daß wir darin versagt haben, eine prophetische Stimme zu erheben, die laut und anhaltend genug gewesen wäre, um unsere Nation zu globaler Verantwortung für die Schöpfung aufzurufen, daß wir selbst mitschuldig sind an einer Kultur des Konsums, die die Erde schwächt. Christus, erbarme Dich!"

"Der überwiegende Teil der Menschen auf der Erde lebt in erbärmlicher Armut. Der Hunger, die HIV/AIDS-Epidemie, die behandelbaren Krankheiten, die nicht behandelt werden, klagen uns an, enthüllen die düsteren Merkmale weltweiter wirtschaftlicher Ungerechtigkeit, die wir zu oft nicht anerkannt oder bekämpft haben. Unsere Nation genießt enormen Wohlstand und doch klammern wir uns an unseren Besitz statt ihn zu teilen. Wir haben darin versagt, die Verpflichtung des Lebens zu verkörpern, zu der uns unser Gott aufruft; der Wirbelsturm Katrina enthüllte der Welt jene, die in unserem eigenen Land durch die Auflösung des sozialen Vertrags zurückgelassen wurden. Als Nation haben wir uns geweigert, uns dem Rassismus entgegenzustellen, der in unseren Gemeinden existiert und der unsere Politik überall auf der Welt infiziert. Wir bekennen, daß wir darin versagt haben, eine prophetische Stimme zu erheben, die laut und anhaltend genug gewesen wäre, um unsere Nation dazu aufzurufen, gerechte wirtschaftliche Strukturen zu erstreben, so daß teilen mit allen Mangel für niemanden bedeutet. Im Angesicht der Armut der Erde verdammt uns unser Reichtum. Herr, erbarme Dich!"



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