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Hinrichtung

Britische Soldaten ermordeten Iraker

22.02.2006  






Verwundete und kampfunfähige Gegner genießen den Schutz der Genfer Konventionen. Daß dies umso mehr für verwundete Zivilisten gilt, ist offensichtlich. Trotzdem erschossen britische Soldaten am 24. März 2003 einem Bericht des britischen Independent zufolge offenbar einen Iraker, der sie mit Steinwürfen "angegriffen" hatte.

Zahir Zabti Zaher gehörte zu einer Gruppe von Irakern, die offenbar wütend waren, weil britische Soldaten ihnen nicht erlauben wollten, den Ort al-Zubayr zu betreten. Der Feldwebel Steven Roberts verließ Berichten zufolge seinen Panzer, um Zaher und andere Iraker zu beruhigen. Zaher warf aber einen Stein nach Roberts. Und dann einen weiteren. Irakischen Augenzeugenberichten zufolge befahl Roberts dann, das Feuer zu eröffnen. Gleichgültig, ob dies tatsächlich auf Roberts' Befehl hin geschah, begann ein Soldat auf einem der drei Challenger 2-Panzern des Kontrollpunkts das Feuer zu eröffnen.

Dabei wurde unabsichtlich auch Roberts getroffen. Während Roberts starb, wurde Zahers Körper zwar von zahlreichen Kugeln des 7,62-Millimeter-Maschinengewehrs durchsiebt und ein Arm praktisch vom Körper abgetrennt, er aber nicht getötet. Anfänglich konzentrierte sich die Untersuchung auf die Tatsache, daß Roberts zuvor befohlen worden war, die Keramikplatten seiner Schutzweste zurückzugeben, weil nicht eine ausreichende Anzahl für alle Soldaten vorhanden war.

Nachdem später Zahers Leiche auf Betreiben von Oberstleutnant Graham Taylor exhumiert und untersucht wurde, stellte sich heraus, daß Zaher nicht durch das Maschinengewehrfeuer, sondern durch zwei Pistolenschüssen in den Kopf getötet worden ist. "Die Beweise waren sehr eindeutig", so eine der Untersuchung nahestehende Quelle. "Er starb an zwei Pistolenschüssen in den Kopf. Es gab klare Hinweise, eine Hinrichtung, also Mord, zu vermuten. Man macht so etwas nicht mit einem Gefangenen."

Andere Quellen innerhalb der britischen Armee behaupteten später, Roberts habe seine Pistole auf Zaher abgefeuert, nachdem dieser "Rasputin-artige" Stärke gezeigt habe. Die Quelle sagte aber, dies würde nicht die Kopfschüsse erklären, da diese Zaher augenblicklich getötet haben, was bedeutete, daß er von dem Maschinengewehrfeuer nicht in Brusthöhe hätte getroffen werden können. Eine Untersuchung vor Ort hatte zwar zahlreiche Patronenhülsen der britischen Soldaten aber keinerlei Hinweise auf von den Irakern abgefeuerte Waffen gefunden.

Taylor hatte sch an Generalmajor Peter Wall, dem Oberkommandierenden der 1. Gepanzerten Division, gewandt und ihm mitgeteilt, daß die Entscheidung, den Fall des Todes Zahers nicht zu untersuchen, fehlerhaft war. Wall teilte ihm hingegen mit, es gäbe keinen Grund für eine Untersuchung. Im September 2003 fragte Wall in einem Schreiben den ranghöchsten Rechtsberater des britischen Heeres, ob ein Soldat der Kriminalabteilung des Militärs eine Untersuchung gegen seinen ausdrücklichen Willen anordnen könne. Quellen zufoleg wurde ihm daraufhin mitgeteilt, die Untersuchung nicht weiter zu blockieren.

Trotzdem existiert Korrespondenz, die belegt, daß es weitere fünf Monate lang Bemühungen hochrangiger Offiziere gab, "Untersuchungen zu verhindern".

Derzeit erwägt die britische Staatsanwaltschaft, zwei britische Soldaten wegen Mordes und einen weiteren wegen Totschlags anzuklagen.

Roberts und seine Einheit war zum Zeitpunkt des Vorfalls mit sehr wenig Schlaf seit vier Tagen im Einsatz gewesen. Auch wenn dies die Ermordung Zahers keinesfalls entschuldigen kann, so mag es doch eine Erklärung sein. Die fortgesetzten Versuche ranghoher Offiziere, die Ermordung Zahers - gemäß den Genfer Konventionen ein eindeutiges Kriegsverbrechen - zu vertuschen, wiegen hier letztlich weitaus schwerer. Mag die Ermordung Zahers noch mit einer Affekthandlung zu erklären sein, so ist der monatelange Versuch, dieses Verbrechen zu vertuschen, doch zweifellos als bewußte Handlung anzusehen.

Einmal mehr zeigt sich hier, daß die vorgeblichen Kontrollmechanismen innerhalb des Militärs - sei es nun das britische, das US-amerikanische oder ein anderes - keineswegs in der Lage sind, selbsttätig gegen begangene Verbrechen vorzugehen.





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