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"Gute Nachrichten"

US-Militär will Blogs beeinflussen

25.02.2006  






Bereits Mitte Januar berichtete der Journalist und Autor William M. Arkin in seinem Blog bei der Washington Post, daß das US-Militär ein Unternehmen damit beauftragt hat, "gute Nachrichten" in Weblogs zu plazieren.

Mehrere Blogger veröffentlichten in ihren Blogs E-Mails von Charlie Kondek, einem Mitarbeiter von "Manning, Selvage & Lee", einem Unternehmen, daß sich auf Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen insbesondere der Automobilbranche spezialisiert hat, in denen er ihnen "im Auftrag des US-Heeres" zu "ausgewählten Themen" "exklusive redaktionelle Beiträge" anbot. Eine entsprechende Anfrage wollte Kondek nicht kommentieren, sondern sie an seine Vorgesetzten weiterleiten, die allerdings erwartungsgemäß auch nach einem Monat keine Erklärung gegenüber Freace abgegeben haben.

Ein nicht namentlich genannter "US-Heeresoffizier für öffentliche Angelegenheiten" sagte Arkin gegenüber, es handle sich bei diesen "Beiträgen" keineswegs nur um Berichte über Stationierungen oder die Lebensbedingungen in Übersee. Vielmehr soll so ein Gegengewicht zu dem "Unwillen der etablierten Medien, über die 'guten Nachrichten' aus dem Irak und dem Krieg gegen den Terror zu berichten" geschaffen werden.

Tatsächlich kann auch diese Aussage selbst schon als Propaganda oder Anzeichen für eine stark gestörte Realitätswahrnehmung innerhalb des US-Militärs betrachtet werden. Nicht nur, daß es bei objektiver Betrachtung kaum gelingen kann, abgesehen von unwichtigen Einzelheiten "gute Nachrichten" aus dem Irak seit dem US-geführten Angriffskrieg zu vermelden, viel entscheidender ist sicherlich, daß der überwiegende Teil der "etablierten Medien" in der Berichterstattung über wirklich grundlegende "schlechte Nachrichten" wie die praktisch landesweite Verseuchung des Iraks durch DU-Munition mehr als nur zurückhaltend ist.

Mindestens einer der angeschriebenen Blogger, Donald Sensing, hat sich bereiterklärt, entsprechende Artikel zu veröffentlichen. "Zählen sie auf mich", antwortete er nach eigener Aussage auf Kondeks Anfrage.

Die Übernahme der "guten Nachrichten" des US-Militärs dürfte für zahlreiche der angeschriebenen Blogger einen nicht zu unterschätzenden Reiz ausmachen, da sie so ohne weiteren Arbeitsaufwand neue Beiträge für ihre Blogs bekommen. Da offenbar nur Blogger angeschrieben wurden, die offenkundig den völkerrechtswidrigen Angriff auf den Irak befürworten und zumeist häufig auch eine ausgeprägt antiislamische Haltung einnehmen, fällt es schwer, derartige "gute Nachrichten" von eigenen Beiträgen der Blogger zu trennen. Die Tatsache, daß sich die Themen der Einträge der Blogs häufig ähneln, kann hier kaum als mehr als ein Indiz gewertet werden, da sie augenscheinlich in Kontakt miteinander stehen. Trotzdem ist zu vermuten, daß Sensing keineswegs der einzige Blog-Betreiber ist, der der Verlockung nicht widerstehen konnte.

Die Beauftragung eines Unternehmens mit der Anwerbung von Bloggern zur Verbreitung von "guten Nachrichten", statt dies zumindest durch als solche erkennbare Werbung, die auf entsprechende Veröffentlichungen des US-Militärs weiterleitet, zu erreichen, zeigt nur zu deutlich, daß es hier nicht um die Verbreitung von Informationen, sondern vielmehr um die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung - Propaganda - geht.



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