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Gefangene Vampire

Tatsachenverdrehungen eines US-Chefanklägers

01.03.2006  






Wie Reuters am Dienstag berichtete, hat der Chefankläger der US-Militärtribunale im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba, Luftwaffenoberst Moe Davis, die Gefangenen nicht nur mit Vampiren verglichen, sondern ihnen praktisch auch die Schuld für ihre jahrelange rechtlose Gefangenschaft in dem Folterlager gegeben.

"Wenn man Dracula ins Sonnenlicht zerrte, dann schmölze er. Nun, das ist, als wenn man versucht, einen Gefangenen in den Gerichtssaal zu zerren", so Davis. "Die Tatsachen sind wie Sonnenlicht für Dracula. Das letzte, was sie wollen, ist, im Gerichtssaal den Fakten gegenüberzustehen."

Zwar weigern sich tatsächlich Gefangene, an den Tribunalen teilzunehmen, dies beruht aber auf den Rahmenbedingungen, die sie eher zu Schauprozessen denn zu vollwertigen Gerichtsverfahren machen. So betonte der aus dem Yemen stammende Ali Hamza Ahmad Sulayman al-Bahlul einer AP-Meldung vom Mittwoch zufolge, daß er das "Verfahren" gegen ihn weiterhin boykottieren werde, da man ihm nicht erlaubt, einen Anwalt seiner Wahl zu berufen oder sich selbst zu verteidigen. Stattdessen war ihm der US-Major Tom Fleener als Verteidiger zugewiesen worden. Außerdem wird die Anklage in den Verfahren "Beweise" einbringen können, die die Angeklagten nicht zu Gesicht bekommen werden und die auch durch Folter erlangt sein können.

Der frühere, zum Islam konvertierte US-Militärgeistliche Hauptmann James Yee, der selbst wegen vorgeblicher Spionagetätigkeit 76 Tage lang inhaftiert worden war, sagte in einem Interview gegenüber DemocracyNow, die emotionalste Sache für ihn während seiner Zeit in Guantánamo sei die Tatsache gewesen, daß die Bedingungen für die Gefangenen sich die ganze Zeit über verschlechterten. Mehrere Gefangene wurden in einem besonderen Gefängnistrakt gefangengehalten, in dem sie rund um die Uhr überwacht wurden, weil die Haftbedingungen und die Folter sie psychisch vollständig aus der Bahn geworfen hatten.

Wenn Davis diesen Gefangenen, die teilweise bereits seit über 4 Jahren eben diese Haftbedingungen ertragen müssen, vorwirft, sie würden ein Verfahren fürchten, nur weil sie einen rechtsstaatlichen Prozeß fordern und er hierfür weder kritisiert geschweige denn seines Postens enthoben wird, so belegt dies nicht nur Davis' ganz persönliche Menschenverachtung, sondern auch die des US-Militärs und der US-Regierung.





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