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Freiheit der Kunst

Theaterstück in New York vor Premiere abgesetzt

04.03.2006  






Wie der britische Guardian am Mittwoch berichtete, wurde ein Theaterstück über das Leben von Rachel Corrie noch vor der Premiere abgesetzt.

Dies kam zu einem Zeitpunkt, da die Flüge für die Schauspieler des Stücks schon gebucht, Pressemitteilungen entworfen und genehmigt und Eintrittskarten im Internet beworben wurden. Nachdem "My Name Is Rachel Corrie" zwei äußerst erfolgreiche Spielzeiten in London erlebt und zahlreiche Preise gewonnen hatte, sollte es in New York uraufgeführt werden. Das Stück unter Regie von von Katharine Viner und dem bekannten Schauspieler Alan Rickman ("Galaxy Quest", "Dogma") basiert auf Tagebucheinträgen und E-Mails der im Alter von 23 Jahren im Gaza-Streifen von einer israelischen Planierraupe getöteten Corrie. Nach Aussage Viners sahen die Regisseure dies als eine "amerikanische Geschichte" an, da Corrie in den Mittleren Osten gegangen war, um "die Menschen zu treffen, die auf der Empfängerseite unserer [amerikanischen] Steuergelder stehen" und von einer in den USA hergestellten Planierraupe der Marke Caterpillar getötet wurde.

In der vergangenen Woche nun entschloß sich der "New York Theatre Workshop", die Produktion "auf unbestimmte Zeit zu verschieben". "Während unserer Vorproduktions-Planung und unseren Gesprächen und dem Zuhören in unseren Gemeinschaften in New York, hatten wir nach dem was wir hörten zufolge, nach der Erkrankung Ariel Sharons und der Wahl von Hamas in den letzten palästinensischen Wahlen, eine äußerst angespannte Situation", so James Nicola, künstlerischer Leiter des Theaters.

Gegenüber der New York Times machte Nicola klar, was er bei einer Veröffentlichung des Schauspiels am meisten fürchtete. "Ich glaube nicht, daß wir uns Sorgen um das Publikum machten", sagte Nicola. "Ich glaube, wir machten uns mehr Sorgen, daß jene, die niemals ihre Schriften gelesen, niemals das Stück gesehen hatten, dies als eine Gelegenheit nutzen würden, um ihre Argumente in Stellung zu bringen."

Nicola sagte hier nicht weniger, als daß er sich einer freiwilligen Zensur unterzieht, weil er befürchtet, daß das Stück von Menschen, die es nicht kennen, kritisiert oder in einem negativen Licht dargestellt werden könnte. Während ein solches Verhalten - nicht nur - in der US-Politik sicherlich nichts neues ist, wirft es doch ein Schlaglicht auf die umsichgreifende Zensur innerhalb der vorgeblich unbeschränkt freien USA. Daß sich dies gerade auch im Hinblick auf ein Theaterstück manifestiert, das nicht USA- sondern "nur" Israel-kritisch ist, liefert zweifellos einen weiteren Beleg dafür, daß auch in den USA keineswegs alle Standpunkte und Informationen gleichermaßen erwünscht sind.



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