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Völlige Willkür

Grundlos im US-Foltergefängnis

07.03.2006  






Ein am Montag veröffentlichter AP-Bericht zeigt, wie willkürlich völlig unschuldige Menschen von den USA in das Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba gebracht wurden und dort seitdem - also seit mehreren Jahren - festgehalten und gefoltert werden. Der Bericht nennt dabei einige Einzelheiten aus Anhörungen dieser Gefangenen.

Der Bauer Hafizullah Shah aus dem afghanischen Dorf Galdon wurde gefangengenommen, weil er auf einem Basar eine olivegrüne Jacke trug und Soldaten ihn in der Nähe einer Waffen versteckenden Gruppe sahen. "Ich ging einfach die Straße entlang und wurde gefangengenommen", so Shah. "Das nächste, das ich herausfand, ist, daß ich hier sitze."

Abdur Sayed Rahman, ein armer Hühnerzüchter aus Pakistan, wurde von den USA beschuldigt, ein Militärrichter oder gar der stellvertretende Außenminister Afghanistans unter den Taliban gewesen zu sein. Während seiner Anhörung stellte sich heraus, daß der Name des gesuchten Vize-Außenministers Abdur Zahid Rahman war - sehr ähnlich dem des Gefangenen, aber eben nicht gleich und schon gar nicht die selbe Person. Nachdem Rahman im Herbst 2001 gefangengenommen worden war "sagte mir ein Amerikaner, ich sei irrtümlich mitgenommen worden und daß ich in einigen Tagen freigelassen werden würde", sagte er. "Ich sah diesen Amerikaner nie wieder und ich bin immer noch hier."

Zakirjan Asam kam im Frühling 2001 nach eigener Aussage als Flüchtling aus Tajikistan nach Afghanistan und wurde den US-Besatzern übergeben, weil er nicht in der Lage war, ein Bestechungsgeld zu bezahlen.

Salih Uyar wurde einerseits vorgeworfen, in den zwei Monaten vor Beginn des US-geführten Angriffskrieges gegen Afghanistan bei einem "bekannten Al-Qaida-Mitglied" gewohnt zu haben. Außerdem sei er zum Zeitpunkt seiner Gefangennahme im Besitz einer Casio-Uhr gewesen, wie sie vorgeblich bei Bombenangriffen verwendet werde. "Wenn es ein Verbrechen ist, diese Uhr zu tragen, Ihr eigenes Militärpersonal trägt ebenfalls diese Uhr", so Uyar vor dem Militärtribunal. "Bedeutet das, daß sie auch Terroristen sind?"

Auch Abd al-Aziz Kareem Salim al-Noofayee wurde offensichtlich der Besitz einer solchen Casio-Uhr im Wert von rund 15 Euro zum Verhängnis. Dem im März 2002 in Faisalabad in Pakistan gefangengenommenen wird vorgeworfen, 1997 ein "Terroristenausbildungslager" besucht zu haben und "im Besitz einer Casio F-91W-Uhr gefangengenommen worden zu sein, von der bekannt ist, daß sie von Al-Qaida-Mitgliedern benutzt wird."

Auch der aus dem Yemen stammende Hani Abd al-Muslih al-Shulan trug bei seiner Gefangennahme eine solche Casio-Uhr.

Ein Anfang Februar von Mark Denbeaux, dem Rechtsbeistand zweier Guantánamo-Insassen, veröffentlichter Bericht, in dem vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichte Informationen analysiert werden, untermauert die schon von dem AP-Bericht hervorgerufene Vermutung, daß ein Großteil der Gefangenen völlig unschuldig ist.

55 Prozent der Gefangenen in Guantánamo Bay haben demnach keinerlei feindlichen Handlungen gegen die Vereinigten Staaten oder Mitglieder der "Koalition" ausgeführt. Nur 8 Prozent werden beschuldigt, Kämpfer für "Al-Qaida" gewesen zu sein. 18 Prozent der Gefangenen hatten keine Verbindung zu "Al-Qaida" oder den Taliban.

86 Prozent der Gefangenen wurden von Pakistan oder der "Nordallianz" gefangengenommen und den USA übergeben. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, da die USA gigantische Kopfgelder für die Gefangennahme von "Feinden" versprachen.

Flublatt der USA
Quelle: www.psywarrior.com


Auf der Vorderseite eines damals von den USA verteilten Flugblatts stand: "Erhalte Reichtum und Macht jenseits Deiner Träume. Hilf den Anti-Taliban-Streitkräften, Afghanistan von Mördern und Terroristen zu säubern." Auf der Rückseite stand: "Du kannst Millionen von Dollars dafür bekommen, den Anti-Taliban-Streitkräften zu helfen, Al-Qaida und Taliban Mörder zu fangen. Das ist genug Geld, um für den Rest Deines Lebens Deine Familie, Dein Dorf, Deinen Stamm zu versorgen. Bezahle für Vieh und Ärzte und Schulbücher und Unterkunft für alle Deine Leute."

Angesichts solcher Versprechungen kann es kaum verwundern, daß zahlreiche Menschen unter fadenscheinigen Vorwürfen als vermeintliche "feindliche Kämpfer" an die USA übergeben wurden. Wie auch der Fall Rahmans zeigt, ist dem US-Militär dabei offenbar häufig sehr wohl bewußt, daß sie es mit Unschuldigen zu tun haben, die aber trotzdem nicht freigelassen werden.

Der Bericht nennt hier das Beispiel eines Gefangenen, dem nur zwei Punkte vorgeworfen werden. Einerseits, daß "zu den Taliban gehört" - er war von den Taliban zum Militärdienst eingezogen worden - andererseits, daß er "an Kampfhandlungen gegen die USA oder Koalitionspartner beteiligt war". Der Gefangene "gibt zu", daß er als Koch für die Streitkräfte der Taliban in Narim gearbeitet hat. Während des Angriffs der "Nordallianz" floh er von Narim nach Kabul und ergab sich der "Nordallianz". Die freigegebenen Informationen lassen den Schluß zu, daß er noch heute in Guantánamo gefangengehalten wird.

All dies belegt überdeutlich, mit welcher Ignoranz gegenüber jeglichen Grundsätzen eines Rechtsstaats sich die USA gegenüber den Gefangenen verhalten. Aufgrund der Tatsache, daß sich Guantánamo Bay noch relativ gesehen im öffentlichen Rampenlicht befindet, ist dies sicherlich auch ein Hinweis auf die Insassen der zahllosen geheimen, über die ganze Welt verstreuten Foltergefängnisse der USA.



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