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Herumdoktern

Auch Europa will Kohlendioxid vergraben

14.03.2006  






Am morgigen Mittwoch wird im dänischen Esbjerg eine Versuchsanlage den Betrieb aufnehmen, die Kohlenstoffdioxid aus Kraftwerksabgasen zur späteren "Endlagerung" herausfiltern soll.

Das Kohlendioxid soll dabei durch Chemikalien aus dem Abgasstrom "herausgewaschen" werden. Durch Energiezufuhr wird die "Waschsubstanz" anschließend wieder freigesetzt und das CO2 abgeschieden. Dieses soll dann letztendlich, wie radioaktive Abfälle, unter Tage eingelagert werden. Die Bezeichnung CASTOR für dieses Projekt könnte also im Hinblick auf die gleichnamigen Transportbehälter für hochgradig radioaktive Abfälle kaum treffender gewählt sein.

An dem europaweiten Projekt sind neben zahlreichen Forschungsinstituten auch - kaum verwunderlich - mehrere große Öl- und Energiekonzerne, darunter auch die deutsche RWE, beteiligt. Allein die Europäische Union steuerte insgesamt 8,5 Millionen Euro für die Forschung bei. Bereits Anfang 2004 hatte das US-Energieministerium ein Projekt mit der gleichen Zielsetzung angekündigt.

Derzeit liegen die Kosten in dem Prozeß bei 60 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Wissenschaftler "hoffen", diese Kosten auf 20 Euro pro Tonne senken zu können. Angepeiltes Ziel des Projekts ist es, den Gesamtausstoß der Europäischen Union an Kohlendioxid um 10 Prozent zu senken. Allein der jährliche Ausstoß der Bundesrepublik Deutschland liegt allerdings bei über 800 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Bei Kosten von 40 Euro pro Tonne Kohlendioxid beliefen sich die Gesamtausgaben allein in Deutschland demnach auf über 3,2 Milliarden Euro - inwieweit hierin tatsächlich alle Kosten wie beispielsweise die Lagerstätten eingerechnet sind, ist unklar. Erschwerend kommt hinzu, daß durch die Ausfilterung der Wirkungsgrad der Kraftwerke um bis zu 15 Prozent sinkt, also entsprechend mehr Öl, Kohle oder Gas verfeuert werden muß, was letztlich zu einem noch schnelleren Aufbrauchen der Reserven führt.

Dabei ist diese Ausfilterung des Kohlendioxids bestenfalls als Herumdoktern an den Symptomen zu bezeichnen. Kurzfristig mag dies zu einem verringerten Ausstoß des Treibhausgases führen, mittelfristig wäre dies aber eher kontraproduktiv, da entsprechend weniger Energie in die Forschung und den Aufbau alternativer Energiequellen gesteckt würde. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, was jährliche Forschungsgelder von 3,2 Milliarden Euro auf diesem Gebiet bewegen könnten.

Auch wenn Wissenschaftler sich überzeugt zeigen, daß die Lagerung des Kohlendioxids unter der Erde sicher ist, so scheinen hier doch Zweifel angebracht. Verflüssigt weist Kohlendioxid einen doppelt so hohen Druck auf wie Methan, dessen leere Lagerstätten als mögliche "Endlager" für das Kohlendioxid ins Auge gefaßt werden. Die Tatsache, daß das Methan über lange Zeiträume nicht entwichen ist, kann also keineswegs als Garant für die sichere Lagerung des Kohlendioxids angesehen werden. Bei einem Entweichen des gelagerten Kohlendioxids an die Erdoberfläche hätte das für die dort lebenden Menschen katastrophale Folgen. Das farb- und geruchlose Gas ist schwerer als Luft und kann daher am Boden regelrechte "Seen" bilden, ohne direkt wahrnehmbar zu sein. Schon eine Konzentration von 8 Prozent in der Atemluft führt zu Bewußtlosigkeit und innerhalb von 30 bis 60 Minuten zum Tod.

Einmal mehr wird hier statt der Suche nach langfristigen Lösungen kurzfristiger Aktionismus an den Tag gelegt, um so die bisherigen Wege nicht verlassen und die Interessen von Großunternehmen nicht schädigen zu müssen.



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