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Tod im "Boot Camp"

14-Jähriger zu Tode geprügelt

17.03.2006  






Ein Bericht der britischen Times vom Donnerstag gibt erneut einen Einblick in den brutalen Alltag in US-"Boot Camps" - im Militärstil geführte Umerziehungslager für straffällig gewordene Jugendliche.

Der 14 Jahre alte Martin Anderson kam am 5. Januar in das Bay County "Boot Camp" in der Nähe von Panama City im US-Bundesstaat Florida, nachdem er gegen seine Bewährung für das entwenden des Autos seiner Großmutter verstoßen hatte. Schon an diesem ersten Tag brach er zusammen und starb, während er gezwungen wurde, Runden zu laufen. Der Leichenbeschauer von Bay County, Dr. Charles Siebert, attestierte später eine natürliche Todesursache, die er darauf zurückführte, daß der Junge "Überträger" der genetischen Erkrankung der Sichelzellenanämie - aber eben nicht selbst daran erkrankt - war.

Kürzlich gelangte nun aber eine Aufzeichnung einer Überwachungskamera innerhalb des "Boot Camps" an die Öffentlichkeit. Darin ist zu sehen, wie 7 der "Ausbilder" auf den schlaffen Körper des Jungen einschlagen. Daneben stand eine Krankenschwester und schaute mit den Händen in den Hüften tatenlos zu.

Infolge dieser Aufnahmen entschloß sich Gina Jones, die Mutter des Jungen, den Leichnam exhumieren und erneut untersuchen zu lassen. "Meiner Meinung nach starb er aufgrund dessen, was man in dem Video sieht", sagte Dr. Michael Baden, der früher als Pathologe in New York gearbeitet hat und damit beauftragt wurde, bei der zweiten Autopsie zu "assistieren", also offenbar für eine korrekte Durchführung zu sorgen.

"Jetzt, da die Wahrheit heraus ist, will ich Gerechtigkeit. Ich will, daß die Wachen und die Krankenschwester verhaftet werden. Es ist an der Zeit", so Michaels Mutter. Tatsächlich sind mindestens 63 weitere Fälle aktenkundig, in denen die gleichen Wachen, die für den Tod ihres Sohnes verantwortlich sind, Insassen des Lagers körperlich mißhandelt haben.

Anfang der 80er Jahre entstanden in den USA die ersten "Boot Camps", um dort straffällige Jugendliche "umzuerziehen". Neben der richterlichen Einweisung in ein solches Lager gibt es auch mehrere "Boot Camps", die sich direkt an Eltern wenden und diese durch Werbung von ihren "Vorzügen" zu überzeugen.

Nachdem "Boot Camps" in insgesamt 27 US-Bundesstaaten entstanden und bis zu 7.000 Insassen gleichzeitig gefangenhielten, wurde etwa ein Drittel von ihnen zwischen 1995 und 2000 geschlossen, nachdem die Kritik an den brutalen Methoden der Aufseher und der Wirkungslosigkeit des üblicherweise zwischen 90 und 180 Tagen dauernden Aufenthalts immer lauter wurden. Derzeit existieren in den USA noch rund 50 dieser Lager, in denen etwa 4.500 Jugendliche festgehalten werden. Im Jahr 2003 veröffentlichte das US-Justizministerium, der zu dem Schluß kam, daß die „Boot Camps“ keinerlei Auswirkung auf die Rückfallquote hatten. Zwei Jahre später beendete dann die US-Bundesbehörde für Gefängnisse das seit 14 Jahren bestehende Programm für diese Umerziehungslager. Mehrere US-Bundesstaaten, darunter eben auch Florida, führen halten aber an ihren eigenen Programmen fest.

Selbst wenn es nicht zu gewaltsamen Übergriffen wie im Fall von Martin Anderson kommt - und die Tatsache, daß er keineswegs das erste Todesopfer ist, belegt sicherlich, daß sich die Wachen häufig nicht auf verbale Brutalität beschränken - so stellen sie doch aufgrund der Grundannahme, die Jugendlichen müßten "gebrochen" werden, zweifellos eine Verletzung ihrer Menschenrechte dar. In einem Alter, in dem sie überwiegend noch leicht zu beeinflussen sind, wird ihnen dort letztendlich beigebracht, daß Gewalt nicht nur ein Teil des Lebens ist, sondern außerdem, daß auch Überlegene von ihrer Position rücksichtslos Gebrauch machen dürfen.



Ergänzung 18.03.2006: Geneauere Definition der Erkrankung Martin Andersons.



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