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"Völlige Mißachtung menschlichen Lebens"

Ehemalige US-Soldaten sprechen über Irakkrieg

30.03.2006  






Am Mittwoch berichtete der britische Guardian über einen am Mittwochabend von der BBC ausgestrahlten und auch über das Internet zugänglichen Bericht über ehemalige US-Soldaten, die nun gegen den Irakkrieg protestieren und dabei ein weiteres Mal zahlreiche Kriegsverbrechen des US-Militärs im Irak zugaben.

Die Soldaten gehörten zu einer Gruppe von etwa 200 Veteranen, Angehörigen von Soldaten und Überlebenden des Wirbelsturms "Katrina", die innerhalb von fünf Tagen die rund 200 Kilometer von Mobile im US-Bundesstaat Alabama nach New Orleans in einem Protestmarsch anläßlich des dritten Jahrestages des Beginns des Irakkriegs zurücklegten.

Michael Blake ist einer dieser Veteranen. Der 22 Jahre alte, aus New York stammende Blake berichtete, wie die Soldaten schon im Vorwege aufgehetzt wurden. "Die Botschaft war immer: 'Islam ist böse' und 'Sie hassen uns'. Die meisten der Jungs bei mir glaubten es." Der Wendepunkt kam für ihn, als seine Einheit acht Stunden lang eine Gruppe von Frauen und Kindern bewachte, deren Männer verhört wurden. "Die Männer wurden weggebracht und die Frauen schrien und weinten und ich erinnere mich, daß ich dachte: das ist exakt, was Saddam gemacht hatte - und jetzt tun wir es", so Blake.

"Wenn IEDs ["Improvised Explosive Devices", "Unkonventionelle Sprengvorrichtungen", die für die Besatzer so verheerenden Bomben des irakischen Widerstands] am Straßenrand hochgehen, waren die Anordnungen - oder es war die Praxis - die Umgegend zusammenzuschießen, alles, was sich bewegte. Und solche Sachen passierten häufig", erzählte Blake von den Kriegsverbrechen. "Die amerikanischen Medien berichten nicht darüber und es ist ihnen egal. Das amerikanische Volk sieht nicht den wahren Krieg - was dort wirklich geschieht."

"Ich kratzte Leichen mit einer Schaufel vom Asphalt und stopfte sie in Müllsäcke und ließ sie dort am Straßenrand liegen", erinnerte sich Joe Hatcher an seine Zeit im Irak.

Jody Casey hat zwar das Militär verlassen und spricht jetzt bei solchen Friedensveranstaltungen, steht aber trotzdem nach eigener Aussage weiterhin hinter dem US-Militär. Er sagt, er sage seine Meinung, um die vielen von ihm begangenen Fehler zu korrigieren. Er hat ein Jahr lang als Scharfschütze im Irak gedient. Der Wendepunkt für ihn kam, als er nach seiner Rückkehr aus dem Irak Videos ansah, die er und Soldaten seiner Einheit bei Angriffen aufgenommen hatten und immer wieder zeigten, wie "irakische Soldaten" Zivilisten zusammenschlugen. Als er sie Zuhause ansah kam er zu dem Schluß, daß es "nicht richtig" war.

Gefragt, was ihn am meisten erschütterte, sagte er: "Die völlige Mißachtung menschlichen Lebens."

Auf die Frage, welche Art der "Mißhandlungen" er selbst gesehen habe, antwortete er: "Naja, nun, ich habe gesehen, wie unschuldige Menschen getötet wurden. IEDs gehen hoch und man knallt einfach jeden Bauern in der Nähe ab. Klar, die Leute haben versucht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, aber auf der anderen Seite wird man von vier oder fünf IEDs getroffen und man ist das auch ziemlich leid."

Er bestätigte auch Blakes Aussage. Die ganze Befehlskette hinab habe es kaum Respekt gegenüber den Iraker gegeben, die üblicherweise als „Hajjis“ bezeichnet wurden, dem Gegenstück zu der Beleidigung "Gook" für Vietnamesen während des Vietnamkriegs. "Sie prügeln es praktisch in deinen Kopf: 'Das ist hajji! Das ist hajji!' Man blendet das menschliche Wesen völlig aus und macht sie zu einem Videospiel." Wurden die Iraker so entmenschlicht? "Naja, klar - wenn man anfängt, sie als Menschen zu sehen und so, wie soll man sie dann töten?"

Er berichtete auch, daß dort schon länger eingesetzte Soldaten den Neuankömmlingen seiner Einheit rieten, Spaten bei Patrouillen mitzunehmen. Sollten sie einen Iraker erschießen, so könnten sie den Spaten neben die Leiche legen und behaupten, er habe gerade versucht, eine Bombe zu vergraben. Innerhalb der Soldaten bestand Casey zufolge kein Zweifel daran, daß "man praktisch jeden töten konnte, den man wollte - es war so einfach. Man mußte nicht einmal losgehen und ein Loch graben oder irgendwas. Man mußte nur ein Bild schaffen. Man fährt morgens um drei die Straße entlang. Da ist ein Typ am Straßenrand, man erschießt ihn ... man wirft eine Schaufel hinterher."



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