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Aufruf an Europa

Kommunikation statt Konfrontation

11.04.2006  


Gush Shalom
Übersetzung Ellen Rohlfs




Wir, israelische Patrioten, die wir uns Sorgen über die Zukunft unseres Staates machen, rufen Sie, die Führer der Europäischen Union hiermit auf:

Beenden Sie die Blockade der palästinensischen Regierung!
Bringen Sie nicht ein ganzes Volk in Hungersnot,
um seine gewählte Regierung zu stürzen!


Vor nur drei Monaten überwachten europäische Beobachter die palästinensischen Wahlen. Sie bestätigten, daß Palästina die erste Demokratie in der arabischen Welt ist (Nachdem sie die zweiten demokratischen Wahlen abgehalten hatten. Die erste Wahl wurde von der Fatah gewonnen).

Dieses Mal wurde ein Parlament mit einer Hamas-Mehrheit gewählt: Nun erteilen Sie den Palästinensern eine Lektion in Demokratie: Sie sagen ihnen, wenn sie die eben von ihnen gewählte Regierung nicht stürzen, dann gibt es für ihre Kinder keine Milch, für die Kranken keine Medizin, für die Arbeitslosen keine Arbeit, für Ärzte und Lehrer kein Gehalt.

Sie erfüllen so die zynische Verordnung des Beraters unseres Ministerpräsidenten: "Sie sollen abnehmen, aber nicht Hungers sterben."

Dies ist nicht nur eine barbarische Politik, es ist auch ein schrecklicher Fehler: kein Volk in der Welt würde sich einem solch brutalen und demütigendem Druck von außen unterwerfen.
Die unvermeidliche Folge wird eine weitere Radikalisierung der palästinensischen Meinung sein und ein noch größerer Haß gegen Israel und die ganze arabische und muslimische Welt.

Das wird die Aussichten auf Frieden noch weiter in die Ferne schieben, ein Frieden, den wir alle brauchen wie die Luft zum Atmen. Es wird zu einem weiteren Blutbad führen, das das Leben von Tausenden, Israelis, Palästinensern, Europäern und Amerikanern kosten wird.

Reden Sie mit der palästinensischen Regierung!
Beginnen Sie einen Dialog mit der Hamas!


Gewiß müssen sie das Existenzrecht Israels anerkennen genau wie Israel das Existenzrecht eines Staates Palästina anerkennen muß. Aber solch ein Anerkenntnis wird mit den Verhandlungen kommen und nicht umgekehrt.

Gewiß müssen sie mit der Gewalt aufhören genau wie es Israel tun muß. Aber selbst in diesem Stadium kann ein verlängerter Waffenstillstand erreicht werden.

Gewiß müssen sie die Zwei-Staaten-Lösung akzeptieren genauso auch Israel. Ihre Führer haben schon angedeutet, daß sie dafür bereit sind und dies muß durch Verhandlungen auf die Probe gestellt werden.

Wir rufen Sie auf, Führer von Europa:

Es ist im Interesse Europas, wie es im Interesse Israels und Palästinas ist, um Frieden zu erreichen. Geben Sie nicht dem Druck von Interessen Außenstehender nach, deren Politik hat schon mehrfach zu Katastrophen im Mittleren Osten geführt.

Um unser aller Willen: folgen Sie einer unabhängigen Linie, die von Weisheit und Moral geleitet wird.


Dieser Aufruf wird am Mittwoch in der israelischen Zeitung Haaretz erscheinen. Die israelische Friedensorganisation Gush Shalom wurde im Jahr 1993 unter anderem von Uri Avnery gegründet und setzt sich seither für eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina ein.





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