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Entschuldigung "angeboten"

Besatzer zerstören die Geschichte

14.04.2006  






Einem Bericht der britischen BBC vom Freitag zufolge hat ein US-Oberst "angeboten", sich für die von den Besatzern im historischen Babylon verursachten Schäden zu entschuldigen.

Oberst der Marineinfanterie James Coleman war Stabschef in Babylon, während es vom 1. Expeditionskorps der US-Marineinfanterie als Basis genutzt wurde. Die "Hängenden Gärten der Semiramis" in Babylon waren eines der sieben Weltwunder des Altertums. Babylon selbst zählt zu den wichtigsten Städten des Altertums. Bereits im dritten Jahrtausend vor Christi wurde sie das erste Mal erwähnt.

Gegenüber der BBC sagte Coleman nun, er sei bereit, sich gegenüber den Irakern für die von seinen Soldaten verursachten Zerstörungen zu entschuldigen, sollten diese eine solche Entschuldigung wollen. Seiner Darstellung zufolge sei durch die Anwesenheit der Soldaten trotz der durch sie verursachten Zerstörungen schlimmeres verhindert worden. Wären sie nicht gewesen, so wäre Babylon den Plünderern in die Hände gefallen, sagte er.

Tatsächlich ist Babylon dadurch offenbar nur anderen Plünderern in die Hände gefallen, die sich aber nicht auf das Plündern beschränkten, sondern auch schwerste Schäden verursachten. So sagte der "irakische Politiker" Khudur al-Azawi bereits im Dezember 2004: "Sie benutzten sogar die Steine aus den Ruinen von Babylon um das Tor zu ihrem Armeelager zu bauen."

Eine von Archäologen vor Ort durchgeführte Studie fand Risse und Löcher, wo Leute versucht haben, verzierte Mauersteine aus den berühmten Drachen des Ishtar-Tores herauszubrechen. "2.600 Jahre altes Pflaster von Militärfahrzeugen zermalmt, archäologische Fragmente über die Fundstelle verstreut und Gräben, die in antike Lagerstätten getrieben wurden", so das Ergebnis der Studie.

"Schandtat ist kein ausreichendes Wort, das ist einfach furchtbar", sagte Lord Redesdale, ein Archäologe und Leiter der parteiübergreifenden parlamentarischen Archäologiegruppe. "Dies sind Orte von Weltrang. Die amerikanischen Streitkräfte beschädigen nicht nur die Archäologie des Iraks, sie beschädigen vielmehr das kulturelle Erbe der ganzen Welt."

Der damalige "irakische Übergangskulturminister" Mufid al-Jazairi hatte sich bereits Mitte 2004 erfolglos mehrfach über die Zerstörungen beklagt. "Wir wissen nicht, wieviel Schaden durch die Anwesenheit des Militärs entstanden ist, da es unseren Experten nicht gestattet wird, das Gebiet zu betreten. Aber wir haben Informationen erhalten, daß zahlreiche archäologische Stätten beschädigt oder zerstört worden sind", sagte er und nannte als Beispiele die Tempel von Ninma und Nabu und den berühmten Palast von Nebukadnezar.

Und Oberst Coleman bietet eine Entschuldigung an.



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