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Beweislage

Kritik an Zeichentrickserie "Popetown"

14.04.2006  






Eine mathematische Beweisführung wird traditionell mit den Worten "quod erat demonstrandum" - "was zu beweisen war" - oder deren Abkürzung q.e.d. abgeschlossen.

Derzeit wird die Kritik an der für den 3. Mai geplanten Ausstrahlung des ersten Teils der von der britischen BBC produzierten Serie "Popetown" in Deutschland immer lauter. Darin wird ein fiktiver Papst, aber auch die katholische Kirche allgemein wie auch der christliche Glaube scharf karikiert. Daher kann es kaum verwundern, daß sowohl die katholische Kirche als auch die aus dem vorwiegend katholischen deutschen Bundesland Bayern Partei CSU diese ebenso scharf kritisieren. Das Erzbistum München und Freising hat sogar bereits erste rechtliche Schritte eingeleitet, um eine Ausstrahlung der Serie zu verhindern.

Elmar Giglinger, Programmdirektor des Senders MTV, sagte gegenüber dem Focus hingegen, die Ausstrahlung werde wie angekündigt erfolgen. "Letztendlich sind wir in Deutschland in der glücklichen Situation, in einem Land zu leben und zu arbeiten, in dem Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit es uns erlauben, auch kontroverse Formate im Programm zu haben", so Giglinger. Daß mit MTV ausgerechnet jener Sender nun für die Meinungsfreiheit eintritt, der in den vergangenen Jahren zunehmend den Eindruck erweckt, als handele es sich um eine von Zeit zu Zeit durch Videoclips oder andere Sendungen unterbrochene Dauerwerbesendung für Klingeltöne, kann dabei nur auf den ersten Blick verwundern. Tatsächlich dürfte dies der Versuch sein, sich das verlorengegangene "Rebellen-Image" zurückzuerobern.

Bemerkenswert ist aber die allgemeine Reaktion von Medien und Politik auf diese Serie. Mit nur wenigen Ausnahmen wird die geplante Ausstrahlung von "Popetown" dabei mehr oder minder offen angegriffen oder höchstens neutral berichtet, aber praktisch nie verteidigt. Selbst die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten hat MTV Berichten zufolge aufgefordert, die Ausstrahlung noch einmal zu "überdenken", da die Sorge, daß die Serie auf Kinder und Jugendliche entwicklungsbeeinträchtigend wirken und religiöse Gefühle verletzen könnte, berechtigt sei. Diese Reaktionen stehen in krassem Gegensatz zu den Reaktionen zur Veröffentlichung der "Mohammed-Karikaturen" in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten. Damals lautete der Tenor, solche Karikaturen seien von der "Meinungsfreiheit" gedeckt und Verbotsforderungen widersprächen der freiheitlichen Grundordnung der "westlichen" Länder.

Schon vor zwei Monaten wurde hier die Frage aufgeworfen, inwieweit diese proklamierte Meinungsfreiheit in jedem Fall - und nicht nur "gegen" Muslime - anwendbar ist.

Diese Frage läßt sich nun anhand des "Falles Popetown" mit drei Buchstaben beantworten: q.e.d.





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