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Nur ein bißchen blind?

Laser-Waffen im Irak

18.05.2006  






Fragt man US-Militärs, so besteht kaum eine Gefahr, daß die neuerdings an Soldaten zur „Verteidigung“ herausgegebenen Laser die Augen von ihnen Getroffener verletzen. Sie weigern sich sogar, diese als Waffen zu bezeichnen.

Wie die Los Angeles Times am Donnerstag berichtete, hat das US-Militär damit begonnen, im Irak Laser an seine Soldaten herauszugeben, die Fahrer, die es "versäumen", an Kontrollpunkten zu halten, "kurzzeitig blenden" sollen. Im Rahmen des Pilotprojekts sollen tausende der rund 30 Zentimeter langen Waffen zur Benutzung mit Gewehren des Typs M-4 an Soldaten herausgegeben werden. Nach Angaben des US-Militärs soll es mittels dieser Waffen vermieden werden, daß weiterhin zahllose Iraker von US-Soldaten erschossen werden, weil sie sich nach Ansicht der Soldaten "bedrohlich" nähern.

"Ich glaube, dies wird bei der Vermeidung dieser Konfrontationen einen großen Unterschied machen", sagte der Generalleutnant des US-Heeres Peter Chiarelli. "Ich garantiere Ihnen niemand - niemand - kann es ignorieren."

David Shannon, Leiter der Produktentwicklung des die Laser liefernden Herstellers B.E. Meyers, sagte, das grüne Licht der Laser sei bis zu einer Entfernung von 300 Metern "eine starke Abschreckung". Bei einer Entfernung von 100 Metern weite sich der Laserstrahl auf eine Fläche mit einem Durchmesser von etwa 40 Zentimetern auf. Bei einer kürzlichen Demonstration in der US-Basis "Victory" nahe der irakischen Hauptstadt Baghdad feuerte ein Soldat den Laser in einem Gang ab. Selbst indirekte Treffer durch Reflexionen auf dem Marmorboden führten dazu, daß Beobachter mehrere Minuten lang "Sterne sahen".

Shannon gab bei einem Telephoninterview zu, daß der Einsatz stärkerer Laser auch im Krieg "grausam und ungewöhnlich" wäre, betonte aber, daß bei entsprechender Ausbildung der Soldaten und einem Einsatz auf Ziele in einer Entfernung von mindestens 69 Metern "bedeutend sicherer" sei. "Wir wissen jetzt, daß Menschen durch Kugeln sterben und verstümmelt werden", sagte er. "Das ganze Programm ist dazu geschaffen, daß weniger Menschen sterben und verletzt werden."

Matthew Murphy, ein Verkäufer des Unternehmens, sagte: "Es ist fast, als würde man in die Sonne sehen. Sie werden wissen, daß auf sie gezielt wird und es ist wahrscheinlicher, daß sie anhalten werden."

Tatsächlich bestehen allerdings deutliche Zweifel daran, daß diese Waffen nur in einer Entfernung von mehr als 70 Metern eingesetzt werden - unabhängig von der Fragwürdigkeit der Behauptung, sie wären ab dieser Entfernung unschädlich. Insbesondere bei Kontrollpunkten oder auch Konvois in einer Großstadt wie Baghdad ist eine „Warnung“ auf eine Entfernung von 300 Metern in den meisten Fällen illusorisch. Viel häufiger werden irakische Fahrer be- und erschossen, weil sie im falschen Augenblick in eine Straße einbiegen, auf der sich ein US-Konvoi bewegt oder wo sich am Vortag noch kein Kontrollpunkt befand. Auch die Behauptung, eine hinreichende Ausbildung könne Verletzungen vermeiden scheint angesichts des bisherigen rücksichtslosen Feuers der Soldaten kaum glaubwürdig. Vielmehr ist zu vermuten, daß diese vorgeblich "nicht-tödlichen" Waffen vermehrt - und eben auch auf kurze Entfernung - eingesetzt werden.

Auf den ersten Blick mag Chiarellis Aussage "Ich habe keinen Zweifel, daß Kugeln weniger sicher sind“ richtig erscheinen. Eben dies dürfte aber zu einer noch weiter herabgesetzten Hemmschwelle der US-Soldaten - soweit dies noch möglich scheint - führen. Die Tatsache, daß sowohl das US-Militär als auch der Hersteller der Laser behaupten, die Waffen wären bei einer gewissen Handhabung für ihre Opfer "sicher" kann keineswegs als ernstzunehmender Beleg gewertet werden. Entsprechende Behauptungen wurden auch für das Entlaubungsmittel "Agent Orange" aufgestellt, daß noch heute in Vietnam zu zahllosen Mißbildungen bei Neugeborenen und weiteren Erkrankungen der Menschen führt.

Tatsächlich bezeichnet der Hersteller den Laser als den "stärksten seiner Art". Da selbst handelsübliche Laserpointer eine Warnung enthalten, diese nicht direkt auf Augen zu richten, weil dies bleibende Schäden verursachen könnte, läßt sich erahnen, wie groß die Gefahr dieser Waffen in Wahrheit ist.



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