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"Warum wir kämpfen"

Gespräch mit einem irakischen Widerstandskämpfer

19.05.2006  






In einem am Freitag in der AsiaTimes veröffentlichten Artikel berichtete ein irakischer Widerstandskämpfer "warum wir kämpfen".

"Als die Besatzungskräfte in Baghdad eindrangen, töteten sie meinen Bruder vor meinen Augen. Er war verwundet und blutete, aber die Besatzungskräfte erlaubten mir nicht, ihn zu retten. Als ich versuchte ihn zu retten, begannen sie auf mich zu schießen und nach einigen Minuten starb mein Bruder. Danach schwor ich, sie bis zu meinem Tod zu bekämpfen", erzählte der 35 Jahre alte Widerstandskämpfer, der sich Abu Ayoub nannte.

Anfangs wurde er nur von einigen Freunden bei seinem Kampf unterstützt. "Zu Beginn kämpfte ich in einer kleinen Gruppe, weil wir nicht vielen Leuten ausreichend trauten, um sie sich uns anschließen zu lassen. Aber jetzt, nach drei Jahren des Kämpfens, wurden wir Teil der Islamischen Armee. Jetzt ist alles organisiert wir machen gute Pläne, bevor wir angreifen."

Er machte in dem Gespräch klar, daß die Islamische Armee niemals mit den USA oder der "irakischen Regierung" verhandeln würden. Seiner Ansicht nach würden Verhandlungen nur von Kämpfern der Baath-Partei geführt. "Der Baath-Widerstand kämpft für Saddam, nicht für den Islam oder den Irak. Wir sind dagegen. Sie repräsentieren nicht den irakischen Widerstand." Er zeigte sich überzeugt, daß die Besatzung weder durch einen politischen Prozeß noch durch andere friedliche Mittel beendet werden könne. "Die Besatzungskräfte werden entdecken, daß sich nach diesen Verhandlungen nichts ändern wird. Der Widerstand wird immer weiter wachsen, bis zum Ende der Besatzung. Sie kamen mit Gewalt und sie werden niemals gehen, außer mit Gewalt."

Der Widerstandskämpfer machte zwar aus offensichtlichen Gründen wenig Angaben zur Organisation des Widerstands, sagte aber, daß es seit seines Eintritts in die Islamische Armee weitaus einfacher sei, Nachschub wie beispielsweise Waffen zu erhalten. Es gäbe "besondere Leute", deren Aufgabe die Versorgung mit Waffen sei. Seine Aufgabe sei es, mit diesen Waffen den Feind zu bekämpfen. "Die Islamische Armee ist sehr groß und wir kämpfen überall im Irak. Wir haben überall im Irak Gruppen, aber ich habe keine Verbindungen zu anderen Gruppen. Nur unsere Anführer haben untereinander Verbindungen, das ist zu unserer Sicherheit."

Auf die Frage, warum er die Besatzer bekämpfe, antwortete er: "Ich möchte, daß Sie diese Frage den US-Streitkräften, nicht mir stellen. Sie kamen von der anderen Seite der Welt und überquerten den Ozean, um mein Land zu besetzen. Bush und Blair logen die ganze Welt an, als sie über Massenvernichtungswaffen sprachen. Die ganze Welt wußte nur zu genau, daß ihre Regierungen sie anlogen, aber kein Land sagte 'nein'. Fast die ganze Welt unterstützte sie dabei, mein Land zu besetzen."

Auf die Behauptung des US-Präsidenten George W. Bush und des britischen Premierministers Tony Blair, der Angriffskrieg sei zur Verbreitung von Demokratie und zur Befreiung des irakischen Volkes geführt worden die Alternativbegründung, nachdem die "Suche" nach Massenvernichtungswaffen erwartungsgemäß erfolglos geblieben war sagte er: "Sie haben keine Glaubwürdigkeit. Sie kamen aus vielen Gründen in den Irak: um den Islam zu zerstören, Öl zu stehlen, die Ostfront Israels zu retten, den Mittleren Osten zu kontrollieren und Basen in der Nähe des Irans und Rußlands zu errichten. Ich frage sie 'Wo ist die Demokratie?' Drei Jahre der Besatzung und die Bedingungen im Irak haben sich von schlecht zu noch schlechter entwickelt."

Abu Ayoub ließ aber auch keinen Zweifel daran, daß er und zweifellos nicht nur er die "irakische Polizei" und die "irakische Armee" als Kollaborateure ansieht. "Sie sind keine wirkliche Armee wie die irakische Armee vor der Besatzung. Die Besatzungskräfte haben diese neue Armee aufgebaut, damit sie sie vor dem Widerstand schützt. Ich denke, jeder ehrliche Iraker sollte dieser unechten Armee nicht beitreten." Die derzeitige Armee sei gegen das Volk gerichtet. "Man sieht, was sie in Fallujah getan haben. Sie waren wie eine Hand der Besatzung. Sie töteten dort viele unschuldige Menschen und sie taten das in vielen anderen Städten im Irak, wie Ramadi, Tal Afar, Hit, Rawa und Haditha. Gehen Sie dorthin und sehen Sie, wieviele Kinder, alte Männer und Frauen durch die Hand der irakischen Armee getötet wurden."

Trotzdem spricht er sich dafür aus, Angriffe derzeit auf Besatzungskräfte zu beschränken. "Zuerst müssen wird den Irak von den Besatzungskräften befreien und dann können wir jeden einzelnen richten, der Verbrechen begangen hat", sagte er.

Er ist sich sicher, daß ein Abzug der Besatzer nicht zu einem Bürgerkrieg führen würde. "Wir werden den Irak kontrollieren und die Milizen und die irakischen Politiker, die auf amerikanischen Panzern kamen, vertreiben. Dann werden wir viele ehrliche irakische Politiker finden, um den Irak zu führen. Aber derzeit befinden sich die irakischen Menschen zwischen zwei Hämmern, den Besatzern und den Milizen oder sogar der irakischen Regierung, weil sie sie unterstützt." Tatsächlich scheint die Saat eines Bürgerkriegs aber auch in ihm bereits zu wachsen, zeigte er sich doch überzeugt, daß die Milizen überwiegend durch den Iran unterstützt werden, obwohl es zahlreiche deutliche Hinweise gibt, daß diese in Wahrheit von den Besatzern gedeckt, wenn nicht gar gesteuert werden.





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