www.freace.de
Impressum und Datenschutz

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Verhältnismäßigkeit

Schadensersatzzahlungen in den USA

03.06.2006  






Wie AP am Samstag berichtete, hat ein irakischer Anwalt, der mehrere Angehörige bei dem US-Massaker in der Stadt Haditha im vergangenen November verloren hatte, in eine Videobotschaft die "Entschädigungszahlungen" des US-Militärs als völlig unzureichend beklagt.

"Als ich die Entschädigungszahlung erhielt, stellte ich fest, daß es 2.500 US-Dollar für jedes Opfer waren", sagte Khaled Salem Rsayef. "Ich sagte ihnen, daß es eine kleine Summe sei und daß sie nicht dem Ausmaß der Katastrophe entspräche." Er wies darauf hin, daß Libyen wegen seiner vorgeblichen Verantwortung für den Anschlag auf ein Flugzeug über dem britischen Lockerbie den Hinterbliebenen auf Druck der USA Entschädigungen in Millionenhöhe zahlte. "Ist amerikanisches Blut wertvoller als irakisches Blut?", fragte er.

Schon die mittlerweile vermutlich bei 250.000 liegende Zahl der irakischen Opfer des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges der USA auf den Irak würde diese Frage Rsayefs sicherlich beantworten.

Noch weitaus deutlicher wird dies aber durch eine Reuters-Meldung vom Donnerstag. Demnach hat ein ehemaliger US-Soldat den Regisseur Michael Moore auf eine Entschädigung von 75 Millionen US-Dollar verklagt, weil er sich in dessen Film "Fahrenheit 9/11" falsch dargestellt fühlt.

Feldwebel Peter Damon verlor seinen rechten Arm nahe der Schulter und seinen linken bis zum Ellenbogen, als ein Reifen eines Hubschraubers des Typs CH-60 "Black Hawk" bei Wartungsarbeiten explodierte, so die Darstellung Damons und des US-Militärs. Damon war für eine Sendung über die ärztliche Versorgung von Veteranen des Senders NBC in seinem Krankenbett gefilmt worden. Dabei sagte er, es fühle sich an, als würden seine Hände "in einem Schraubstock zerquetscht".

"Aber sie [Schmerzmittel] helfen sehr", so Damon damals weiter. "Und sie lindern es."

In "Fahrenheit 9/11" folgte dieser Szene eine Aussage des Demokratischen Abgeordneten Jim McDermott, der über die Bush-Regierung sagte: "Wissen Sie, sie sagen, sie würden keinen Veteranen vernachlässigen, aber sie vernachlässigen alle möglichen Veteranen."

"Das Werk schafft einen erfundenen und falschen Eindruck eines verwundeten Soldaten, der vernachlässigt wurde", so die Klageschrift. Tatsächlich sei Damon "finanziell und emotional durch die aktive Hilfe des Präsidenten, der Vereinigten Staaten und seiner Familie, Freunden, Bekannten und der Gemeinde unterstützt" worden.

"Es war fast, als würde mich der Feind für Propaganda benutzen. Welcher Soldat möchte in so etwas verwickelt sein?", so Damon gegenüber CBS. "Ich habe meine Arme nicht dort drüben verloren, um zurückzukommen und als Munition gegen meinen Oberkommandierenden benutzt zu werden."

Außerdem habe Moore ihn nicht um Zustimmung zur Verwendung der Aufnahme ersucht, so Damon weiter.

Er fordert den Schadensersatz wegen "Rufschädigung, seelisches Leid, Blamierung und persönlicher Erniedrigung". Seine Ehefrau fordert wegen "psychischer Qual und Seelenschmerz" weitere 10 Millionen US-Dollar von Moore und mehreren Unternehmen, darunter auch Miramax Films.

Während das US-Militär also insgesamt Entschädigungen von 50.000 US-Dollar wegen des Massakers in Haditha ausbezahlte - Zahlungen für vier getötete junge Männer wurden verweigert - fordern Damon und seine Ehefrau zusammen 85 Millionen US-Dollar wegen "seelischer Schäden". Zwar ist bei der "Entschädigung" durch das US-Militär das weitaus niedrigere Lohnniveau im Irak zu berücksichtigen, so daß die Gesamtsumme dort eher einer Million US-Dollar entspricht, dort wurden aber 24 Menschen völlig grundlos getötet. Ebenso ist sicherlich zu berücksichtigen, daß es sich bei Damons Klage in erster Linie um eine Forderung handelt und die Entscheidung des Gerichts abzuwarten ist, Verfahren in der Vergangenheit haben aber immer wieder gezeigt, daß US-Richter derartigen Forderungen gern stattgeben.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail