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Allwissende Datenkrake

Planungen der NSA

10.06.2006  






Im vergangenen Monat wurde bekannt, daß die NSA ("National Security Agency", Geheimdienst der US-Regierung) Abhörvorrichtungen bei zahlreichen Telekommunikationsunternehmen eingebaut hat und diese zum Abhören zehntausender US-Bürger nutzte, ohne hierfür die gesetzlich vorgeschriebenen Gerichtsbeschlüsse zu besitzen.

Am Freitag veröffentlichte der New Scientist einen Artikel, der belegt, daß dies, verglichen mit derzeitigen Planungen der NSA, geradezu vernachlässigbar ist.

Demnach finanziert die NSA über die zu ihr gehörende ARDA (Advanced Research Development Activity) ein Forschungsprojekt, dessen Ziel die Zusammenführung von Informationen aus öffentlich über das Internet verfügbaren Quellen ist. Im konkreten Fall wurde dabei - erfolgreich - versucht, mit Hilfe von Freundes-Netzwerk-Sites wie MySpace und FriendOfAFriend Verbindungen zwischen Autoren wissenschaftlicher Artikel und möglichen Rezensenten aufzuspüren, um eine unabhängige Bewertung sicherzustellen.

Hierfür wurde von den Wissenschaftlern ein Programm entwickelt, das selbsttätig in der Lage ist, derartige Verbindungen zu finden. "Es machte es ganz sicher wesentlich einfacher, Beziehungen zwischen Personen zu finden", sagte Anupam Joshi von der Universität Maryland, einer der beteiligten Wissenschaftler. "Sie entdeckte weichere [nicht offensichtliche] Konflikte, die wir früher nicht gesehen hätten."

Vorrangiges Ziel bei der Anwendung dieses Programms durch die NSA ist offenbar festzustellen, wie eng Verbindungen einzelner Menschen zu "terroristischen" - oder was dies nach staatlicher Ansicht ist - Personen oder Organisationen sind. Ein Freund, dessen Bruder mit einem aus dem Iran stammenden gläubigen Muslim befreundet ist, dürfte hier bereits ausreichen, um eine erste Alarmglocke schrillen zu lassen.

Letztlich wird dies aber zweifellos nur der erste Schritt sein. Darauffolgend werden auch für Computer weniger leicht auszuwertende Daten wie persönliche Blog-Einträge das Interesse der Geheimdienstler finden. Spätestens an dieser Stelle wäre ein vermeintlich harmloser Blogeintrag von "FunnyGirl67", sie sei "heute etwas shoppen gewesen" und habe "anschließend ihre Mutter besucht" äußerst verräterisch. Durch die Verbindung zu den Telekommunikationsunternehmen wäre mit Leichtigkeit die wahre Identität von "FunnyGirl67" nachvollziehbar. So wäre auch bekannt, daß sie seit acht Jahren verheiratet ist. Eine Anfrage bei der Datenbank ihres Kreditkartenunternehmens würde enthüllen, daß sie in der Dessous-Abteilung eines Kaufhauses "shoppen" war und ein Abgleich mit den gespeicherten Bewegungsdaten ihres Mobiltelephons bei ihrem Mobilfunkanbieter würde beweisen, daß sie weder zuhause noch auch nur in der Nähe des Hauses ihrer Mutter war und sich dort zweieinhalb Stunden aufhielt. Mit entsprechendem Aufwand wäre all dies noch automatisch zu bewerkstelligen. Die Schlußfolgerung hieraus wäre ebenso einfach wie gefährlich für "FunnyGirl67" - zumindest, wenn sie aus irgendeinem Grund für den Geheimdienst "interessant" sein sollte.

Wie umfassend die schon jetzt durch die NSA gesammelten Daten sein müssen, zeigt die Erwähnung in dem Artikel, daß "einige der Quellen" pro Monat um 4 Millionen Gigabyte - 4 Petabyte oder 16.000 durchschnittliche Festplatten à 250 GB - anwachsen. die Gesamtmenge der von der NSA gesammelten Daten muß also bereits jetzt kaum noch vorstellbare Dimensionen angenommen haben.

Da Dienste wie MySpace auch sehr gern von europäischen Bürgern genutzt werden und die US-Geheimdienste alles daransetzen, auch Zugriff auf europäische Daten zu bekommen, ist dies ein keineswegs nur US-Bürger betreffendes Problem.



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