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Fliegende Augen

US-Polizei will Drohnen einsetzen

18.06.2006  






Wie AFP am Samstag berichtete, planen Polizeibehörden in den USA offenbar, kleine unbemannte Flugzeuge zur Überwachung der Bevölkerung einzusetzen.

Der SkySeer des US-Herstellers Octatron ist eine nur 1,42 Kilogramm schwere, einem Modellflugzeug ähnelnde und mit einer Videokamera ausgerüstete Drohne. Der Maschine kann ein Kurs mit mehreren Wegpunkten einprogrammiert werden, der dann selbständig mit Hilfe eines eingebauten GPS-Positionierungssystems befolgt wird. Dabei werden die von der Kamera aufgezeichneten Bilder per Funk an das Kontrollgerät am Boden übertragen. Bei der Normalgeschwindigkeit von 37 Kilometern pro Stunde kann der SkySeer nach Herstellerangaben bis zu eine Stunde in der Luft bleiben. Die Reichweite der Funkverbindung beträgt 3,2 Kilometer. Octatron betont auf seiner Website auch den "leisen aber kraftvollen Elektromotor" und die Möglichkeit, die Maschine Tag und Nacht, "mit einer optionalen Wärmebildkamera" einzusetzen. Später soll das Gerät auch mit einer Zoomkamera ausgestattet werden. Bisher wird ein Heranzoomen durch das Absinken des Flugzeugs erreicht.

Dem AFP-Bericht zufolge wog ein nun von der Behörde des Sheriffs von Los Angeles getesteter Prototyp 2,3 Kilogramm. Ein Restlichtverstärker als auch eine Infrarotkamera sind hier bereits eingebaut, außerdem ist dieser Typ in der Lage, bei einer Geschwindigkeit von 48 Kilometern pro Stunde 70 Minuten in der Luft zu bleiben. Der Preis für eine solche Drohne soll zwischen 25.000 und 30.000 US-Dollar liegen.

"Diese Technologie könnte eingesetzt werden, um vermißte Kinder zu finden, nach vermißten Wanderern zu suchen oder einen Brandort zu überwachen", sagte Sid Heal, Leiter des Technologie-Erforschungsprojekts der Behörde des Sheriffs im Bezirk Los Angeles. Aufgrund der bei größeren Bränden durch das Feuer verursachten Winde scheinen allerdings bereits an dieser Behauptung Zweifel angebracht. Außerdem könnten so "Einbruchs-Verdächtige auf Dächern" - es ist nicht klar, ob dies in Los Angeles tatsächlich der bevorzugte Weg für Einbrecher ist, oder ob es sich nur um eine Verwechslung mit dem Weihnachtsmann handelt - und zur Verfolgung fliehender Verdächtiger eingesetzt werden.

"Das Flugzeug ist praktisch lautlos und unsichtbar", so Heal. "Es wird uns eine vertikale Perspektive geben, die wir nie hatten." Spätestens hier zeigt sich, daß es keineswegs um die "Suche nach vermißten Kindern geht", kann hierfür doch mindestens ebenso gut einer der 18 Hubschrauber der Sheriff-Behörde eingesetzt werden. Noch augenfälliger wird dies angesichts der Tatsache, daß offenbar bereits über eine weitere Tarnung der Drohnen nachgedacht wurde - auch wenn dies vorgeblich geschah, weil Vögel das Flugzeug manchmal "bemerken".

"In der Tat haben wir darüber gesprochen, es wie einen Vogel aussehen zu lassen, um es umweltfreundlicher zu machen", sagte Heal. Tatsächlich dürfte eine Drohne, die einem Vogel ähnelt, für Angehörige der entsprechenden Vogelart weitaus "irritierender" sein als ein Modellflugzeug. Andererseits würde dies eine Erkennung der Überwachung vom Boden aus noch weitaus unwahrscheinlicher machen.

Sam De La Torre, einem Entwickler bei Octatron, zufolge besteht Interesse weiterer Polizeibehörden an der von ihm über zwei Jahre lang mitentwickelten Drohne. "Die Los Angeles Polizeibehörde hat sich ebenfalls angemeldet", sagte er.

Bedenken, daß der Einsatz dieser Drohnen den Überwachungsstaat noch weiter verstärken könnte, wischte Heal mit der "Begründung" weg, daß eine Privatsphäre ohnehin nicht mehr bestehe. "Man sollte sich keine Sorgen machen, von der Regierung ausspioniert zu werden", sagte er. "Heutzutage kann man nirgends hingehen, ohne daß einem eine Kamera zusieht, sei es in einem Lebensmittelgeschäft oder während man die Straße entlanggeht."

Weder die Kameras in Geschäften noch jene, die Passanten auf Straßen beobachten, sind allerdings in der Lage, in den heimischen Garten zu blicken und so Bilder eines vermeintlich unbeobachteten mittäglichen Sonnenbades anzufertigen. Angesichts der Tatsache, daß die Kontrolleinheit nicht nur in der Lage ist, 20 Stunden Videomaterial zu speichern, sondern dies auch auf DVDs, Flash-Speicher und USB-Sticks zu übertragen scheinen "private Videoabende" der Polizisten in Zukunft gesichert.



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