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Versprechen

USA drohen Nordkorea

21.06.2006  






Nachdem Nordkorea angekündigt hat, eine ballistische Langstreckenrakete testen zu wollen, sprechen die USA einmal mehr kaum verhohlene Drohungen aus.

Es wird vermutet, daß die Rakete des Typs Taep'o-dong-2 eine Reichweite von bis zu 15.000 Kilometern hat, die es ihr ermöglichen würde, die Westküste der Vereinigten Staaten zu erreichen. Außerdem soll die Waffe in der Lage sein, Gefechtsköpfe mit einem Gewicht von bis zu 1.000 Kilogramm - abhängig von der Entfernung - zu transportieren, so daß sie auch zum Einsatz von Atomsprengköpfen eingesetzt werden könnte, wenn auch faktisch vermutlich aufgrund der Entfernung nicht gegen die USA.

Wie AFP am Mittwoch berichtete, hat US-Präsident George W. Bush Nordkorea davor "gewarnt", das gegebene "Versprechen", keine atomwaffenfähigen Raketen zu testen, zu brechen.

"Die Nordkoreaner haben mit uns in der Vergangenheit Vereinbarungen getroffen und wir erwarten von ihnen, daß sie diese Vereinbarungen, beispielsweise hinsichtlich Versuchs-Starts einhalten", so Bush bei einer Pressekonferenz in Wien. Dem widerspricht Nordkorea allerdings. Das 1999 selbstauferlegte Moratorium für Versuche mit Langstreckenraketen träfe demnach nicht länger zu, da sich Nordkorea nicht wie darin gefordert in direkten Gesprächen mit den USA befindet.

AP berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen innerhalb des US-Verteidigungsministeriums, daß sogar der Abschuß der nordkoreanischen Rakete erwogen werde - was letztlich als kriegerischer Akt der USA gegen Nordkorea zu bezeichnen wäre. Auch der US-Botschafter in Japan, Thomas Scheiffer deutete einen möglichen Abschuß an. Die USA zögen "alle Möglichkeiten" in Betracht, so Scheiffer.

Während es abgesehen von der freiwilligen Verpflichtung Nordkoreas keinerlei internationale Beschränkungen für Versuche mit solchen Waffen gibt, ist es doch bemerkenswert, daß ausgerechnet die USA auf das Einhalten dieses Moratoriums pochen und bereits beginnen, vor den "Folgen" eines solchen - vorgeblichen - Bruchs zu "warnen".

So unterzeichneten die USA im Jahr 1972 zusammen mit der Sowjet-Union den "Anti-Ballistic Missile (ABM) Treaty", der es beiden Ländern nur noch gestattete, zwei Bereiche ihrer Länder - die jeweilige Hauptstadt und eine Militärbasis mit Interkontinentalraketen - gegen Angriffe mit ballistischen Raketen zu sichern. Im Jahr 2001 kündigten die USA diesen Vertrag einseitig und arbeiten seitdem offen an der Errichtung ihres "Raketen-Verteidigungsschilds". Zuvor war der Vertrag durch entsprechende Forschung seitens der USA bereits gebrochen worden. Dieser Vertrag sollte eben gerade verhindern, daß ein Land das andere mit Atomwaffen angreifen könnte, ohne den "Gegenschlag" fürchten zu müssen.

Bemerkenswert ist aber auch, daß ein erst im vergangenen Monat geplanter Test einer ballistischen Langstreckenrakete in Indien keineswegs auch nur zu einem ähnlichen internationalen Aufschrei geführt hat. Zwar sagte Indien diesen Test letztlich ab, dies sei aber rein freiwillig und nicht auf Druck von außen geschehen, behauptete zumindest der indische Verteidigungsminister Pranab Mukherjee.

Es ist nur zu offensichtlich, daß die US-Regierung hier ein weiteres Mal die Gelegenheit ergreift, vollkommen willkürliche Maßstäbe bei der Behandlung anderer Staaten anzuwenden. Die an Nordkorea gerichtete Drohung wiegt umso schwerer, als sich derzeit drei US-Flugzeugträgerverbände zwecks einer "Übung" in der Region befinden.





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