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"Das 24. Kabinettsmitglied"

Rupert Murdoch und (nicht nur) die britische Politik

05.07.2006  






Am Samstag veröffentlichte der britische Guardian einen Artikel des Autors des Buches "The Spin Doctor's Diary. Inside Number 10 with New Labour", Lance Price, der keinen Zweifel an dem Einfluß des "Medienmoguls" Rupert Murdoch auf die britische - aber sicherlich nicht nur diese - Politik läßt.

Price, der von 1998 bis 2001 Medienberater des britischen Premierministers Tony Blair war, berichtet in dem Artikel - wie auch dem Buch - darüber, wie groß der Einfluß Murdochs auf die britische Politik in Wahrheit war und auch weiterhin ist.

So weist er darauf hin, daß Blair im ersten Jahr seiner Regierungszeit "um die halbe Welt flog, um Herrn Murdoch zu treffen".

"Ich habe Herrn Murdoch nie getroffen, aber zeitweise während meiner Zeit in der Downing Street schien es, als sei er das 24. Kabinettsmitglied", so Price.

Keine große Entscheidung im Amtssitz der britischen Regierung, der Downing Street Nummer 10, habe getroffen werden können, bevor nicht drei Männer - der britische Finanzminister Gordon Brown, der stellvertretende britische Premierminister John Prescott und eben Rupert Murdoch - hierzu befragt worden seien, während "bei den wirklich wichtigen Themen alle anderen problemlos ignoriert werden konnten."

Price sei darin erinnert worden, wie heikel das Thema Rupert Murdoch in der britischen Regierung ist, als er das Manuskript für sein Buch zur Kontrolle einreichte. Price war damals keineswegs darüber überrascht, daß die britische Regierung zahlreiche Änderungswünsche hatte. Die Überraschung war für ihn vielmehr, daß ein Drittel ihrer Einwände sich um ein Thema drehten: Rupert Murdoch.

"In meinen ersten Wochen als Alastair Campbells Vertreter sagte mir jemand, der es wissen mußte, daß wir Herrn Murdoch versichert hatten, daß wir unsere Politik zu Europa nicht ändern würden, ohne vorher mit ihm zu sprechen", erinnert sich Price. Dies war die einzige Änderung, die Price akzeptierte, da es sich hier nur um "Hörensagen" handelte, so daß er den entsprechenden Satz - wenn auch "zögerlich" - dahingehend umschrieb.

"Alle Gespräche - und wir wollen hoffen, daß das Wort 'Verhandlungen' nicht angebrachter ist - mit Rupert Murdoch und mit Irwin Stelzer, seinem Vertreter auf der Erde, wurden auf höchster Ebene geführt", so Price. Dies habe zu einer anhaltenden Unterstützung für die zu Murdochs Medienkonglomerat gehörenden Titel geführt. Im Gegenzug habe "New Labour", die britische Arbeitspartei, sehr "freundliche" Berichte in Murdochs Zeitungen erhalten.

Auch wenn Price - weil er "es nicht weiß" - nicht behaupten will, daß Murdoch jemals aktiv Einspruch gegen eine Entscheidung der britischen Regierung erhoben hat, so ist doch offensichtlich, daß Entscheidungen an seinen Willen "angepaßt" wurden, um eben diese positive Berichterstattung nicht zu verlieren. Letztlich stellt sich hier die Frage, wer tatsächlich Großbritannien regiert hat - und regiert: die von den Bürgern gewählte Regierung oder Rupert Murdoch, dessen Unterstützung eben dieser unverzichtbar schien.



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