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Besitzverhältnisse

Zerstörungen in ar-Ramadi

06.07.2006  






Zwei Berichte der vergangenen Tage beleuchten ein weiteres Mal das Verhalten der US-Besatzer gegenüber der irakischen Zivilbevölkerung.

So berichtete die Herald Sun am Mittwoch von der Durchsuchung des allgemeinen Krankenhaus der irakischen Stadt ar-Ramadi durch hunderte US-Soldaten. Vorgeblich geschah dies, weil "Mitglieder von al-Qaida" das Krankenhaus als Unterschlupf nutzten und vom Dach des Krankenhaus regelmäßig auf US-Soldaten feuerten. Außerdem seien verletzte "Mitglieder von Al-Qaida" in dem Krankenhaus behandelt worden, so das US-Militär. Schon dieser Vorwurf läßt vermuten, daß dem US-Militär der hippokratischer Eid, der Ärzte verpflichtet, Kranke "ohne Ansehen der Person" zu behandeln, vollständig unbekannt ist. Ein Mitarbeiter des Krankenhauses bestritt auch, die behauptete Anwesenheit von Kämpfern. "Auf meinem Stockwerk des Krankenhauses habe ich nichts gesehen. Über die anderen Stockwerke weiß ich nichts", sagte er auf die Frage, ob je Kämpfer in das Krankenhaus gekommen seien.

Obgleich das siebenstöckige Gebäude, das größte Krankenhaus im Westirak, von einer so großen Zahl Soldaten durchsucht wurde, stießen diese dabei auf keinerlei Widerstand und fanden auch keine "Al-Qaida-Mitglieder". Einzig in einem Raum seien in einer abgehängten Decke "etwa" ein Dutzend Bombenzünder gefunden worden. Ob diese sich auch schon vor der Durchsuchung in der Decke befanden, ist dabei eine andere Frage.

Bei der Durchsuchung gingen die Soldaten ungeachtet der Tatsache, daß es sich hier um ein Krankenhaus handelte mit jener Rücksichtslosigkeit vor, die schon unzählige Iraker zuvor über sich ergehen lassen mußten. Nicht nur, daß bei der Durchsuchung Dutzende Türen aufgebrochen wurden, die verschlossen waren, die Inhalte von Medizinschränken wurden von den Soldaten außerdem bei ihrer Suche nach "Waffen" auf den Boden geworfen. Dies in einem Krankenhaus, daß seine Medikamente nach Aussage eines Arztes mittlerweile nur noch aus Syrien und Jordanien erhält. "Wir bekommen nichts mehr aus Baghdad aufgrund der Situation dort", sagte er.

Obwohl insbesondere auch die Gegend um ar-Ramadi aufgrund der schweren Kämpfe zwischen Widerstand und Besatzern und deren häufigen Opfern unter der Zivilbevölkerung zweifellos ein funktionsfähiges Krankenhaus benötigen würde, sollen Wiederaufbaumaßnahmen auf eine Zeit, "wenn sich die Lage beruhigt hat" verschoben werden.

In einem Bericht der New York Times vom Dienstag wurde ein weiterer Plan für ar-Ramadi eher beiläufig erwähnt. Demnach soll das Stadtzentrum, das durch die anhaltenden Kämpfe überwiegend zerstört ist, mit Planierraupen eingeebnet werden. Einzig das Gebäude der "irakischen" Regierung des Gouvernements al-Anbar soll dabei stehen gelassen werden. Um das Gebäude herum soll nach dem Vorbild Baghdads eine "Grüne Zone" errichtet werden - ein schwer bewachter und befestigter Bereich. Dies soll die praktisch täglichen Angriffe auf das Gebäude beenden. Zweifellos wird es aber auch dazu führen, daß die "irakischen" Politiker noch besser von den Besatzern kontrolliert werden können.

Die Tatsache, daß bei diesen Plänen die Besitzverhältnisse an den Häusern und Grundstücken offensichtlich keinerlei Rolle spielen, zeigt erneut überdeutlich, wie das Eigentum von Irakern durch die Besatzer bewertet wird.





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