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Worte statt Taten

Terroristen überall?

08.07.2006  






Zwei Meldungen vom Freitag und Samstag sind ganz offensichtlich vorrangig dazu geeignet, die Angst der Bevölkerung vor Terroristen lebendig zu halten.

Am Freitag - kaum zufällig genau am ersten Jahrestag der Anschläge in London - berichtete zuerst die New York Daily News, daß mehrere "Terroristen" geplant hätten, Bombenanschläge auf entweder oder sowohl als auch den Holland Tunnel unter dem Hudson River und mehrere U-Bahn-Tunnel zu verüben. Im Falle des Holland Tunnels sei der Plan gewesen, hierdurch einen Wassereinbruch des Flusses auszulösen und so sowohl den Tunnel als auch einen Teil Manhattans zu überfluten.

Drei Männer wurden bisher festgenommen, zwei vermutlich in Kanada und einer bereits am 27. April im Libanon, wo er sich noch immer befindet. Fünf weitere "Verdächtige" würden derzeit noch gesucht. Der im Libanon festgehaltene Assem Hammoud hat nach Auskunft des Leiters des FBI-Büros in New York, Mike Mershon, "gestanden", er habe "Osama bin Laden Treue geschworen und bezeichnet sich selbst als Mitglied von Al-Qaida". Nach über zwei Monaten der "Verhöre" im Libanon scheint es eher verwunderlich, daß der 31-Jährige nicht auch noch den Mord an John F. Kennedy gestanden hat.

Abgesehen von seinen "Aussagen" beziehen sich die US-Behörden allein auf in Internet-Chaträumen durch das FBI beobachtete "Gespräche" der vorgeblichen "Terroristen", in denen nach Darstellung des FBI die Anschläge "geplant" wurden.

Ein über die Pläne informierter Terrorismus-Experte sagte unter der Bedingung, anonym zu bleiben, da es ihm nicht gestattet sei, zu dem Thema mit den Medien zu sprechen: "Sie waren niemals in New York, sie waren niemals in den Staaten, sie sind nie an Materialien gelangt. In der Hinsicht ist es also weniger ernst als einige andere."

"Es gab viele Gespräche, es wurden Planungen gemacht, aber es gab keinen Hinweis, das es irgendeine Bewegung auf diese Einrichtungen zu gab", sagte der Polizeipräsident von New York, Raymond W. Kelly.

Indirekt wurde dies auch von Mershon bestätigt. "Die Planung oder die Verschwörung für diesen Angriff hatte sich bis zu dem Punkt entwickelt, wo es den Anschein hatte, als würden die Personen bald den nächsten Schritt machen", so Mershon. "Sie waren kurz davor, in eine Phase zu gehen, wo sie versuchen würden, Ziele zu beobachten, einen Angriffsplan zu entwickeln und die nötigen Mittel zu erlangen, um die Angriffe durchzuführen und zu dem Zeitpunkt ist es meiner Ansicht nach absolut angebracht, sie festzusetzen."

Abgesehen von - vorgeblichen - Worten in einem Chatraum und dem "Vorwurf", sie hätten auf der Website des US-"Heimatschutzministeriums" Einblick in Karten der Tunnel genommen, wird den "Terroristen" also bisher nichts vorgeworfen.

Kaum besser sieht es im Falle des laut Darstellung der deutschen Bundesanwaltschaft am Donnerstag im Hamburg festgenommenen Redouane H. aus. Diesem werden "zahlreiche Kontakte" zum "Netzwerk Al-Qaida" unter anderem in Syrien, Algerien und dem Irak vorgeworfen. Auch soll er Kontakt zu Said Bahaji gehabt haben, der seinerseits verdächtigt wird, Mitglied der "Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta", der wiederum von den USA als Haupttäter der Anschläge vom 11. September 2001 bezeichnet wird, gewesen zu sein. Nach Aussage der Bundesanwaltschaft befindet sich Bahaji seit dem 3. September 2001 - also bereits 8 Tage vor den Anschlägen - auf der Flucht. Polizeilichen "Erkenntnissen" zufolge habe H. als "Nachrichtenübermittler" zwischen Bahaji und dessen Ehefrau fungiert.

Außerdem habe H. Ende November des vergangenen Jahres in Algerien ein "Ausbildungslager" einer dortigen "terroristischen Vereinigung" besucht und einen "Sprengstofflehrgang" absolviert. Einmal mehr ist hier sicherlich bemerkenswert, daß den Ermittlern offenbar regelmäßig Teilnehmerlisten von "Terroristen-Ausbildungslagern" zugehen, diese sich aber nicht bemüßigt fühlen, gegen die Lager selbst und deren Betreiber vorzugehen.

Läßt man diese zumindest fragwürdige Behauptung also außer acht, so werden auch H. nur Worte - beziehungsweise deren Transport - vorgeworfen. Daß es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach einzig um Liebesbezeugungen eines Mannes, der verdächtigt wird, eine Verbindung zu einem anderen Mann, der von einem ausländischen Staat ohne jegliches Gerichtsverfahren beschuldigt wird, Anschläge verübt zu haben, gegenüber seiner Ehefrau handelte, wird hierbei geflissentlich übersehen.

Obgleich also in beiden Fällen offenbar keinerlei Gefahr von den Männern ausging, wird den Menschen durch die entsprechenden Berichte erneut das Gefühl eingeprägt, sie seien von Terroristen umgeben - und dementsprechend jegliche zusätzliche Überwachungsmaßnahmen und Einschränkungen von Bürgerrechten nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar zwingend notwendig.



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