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Berichte aus dem Irak?

"Ich war ein Sprachrohr des US-Militärs"

10.07.2006  






Am Freitag veröffentlichte Harper's Magazine einen Artikel, der bemerkenswert deutlich macht, wie fragwürdig die Berichterstattung der Medien - gerade auch einschließlich der Nachrichtenagenturen wie AP und Reuters - aus dem Irak tatsächlich ist.

Darin berichtete eine namentlich ungenannt bleiben wollende "frühere leitende TV-Producerin für Reuters" von ihren Erfahrungen während eines 45 Tage dauernden Aufenthalts in einem US-Militärlager in der irakischen Stadt Tikrit, wo sie Mitte Dezember 2003 ankam. Vor dieser Aufgabe habe sie bereits an der Seite des französischen Militärs, von NATO-Soldaten auf dem Balkan und UN-Friedenstruppen gearbeitet, nie zuvor aber sei sie in ihrer Arbeit derart massiv behindert worden, wie in dieser Zeit im Irak.

In Tikrit produzierte sie Berichte, die von Reuters und AP veröffentlicht und dementsprechend von einer großen Zahl von Medien übernommen wurden. Schon damals - die US-Regierung gab sich noch siegessicher und erst kurz zuvor war die "Gefangennahme Saddam Husseins" vermeldet worden - wurde seitens des US-Militärs aber offenbar alles darangesetzt, die Berichterstattung der "eingebetteten Journalisten" in den Medien zu kontrollieren. Wenn es zu vorgeblichen Terroranschlägen auf Zivilisten gekommen war - es gibt mittlerweile zahlreiche Hinweise, daß diese keineswegs nur von "Terroristen" verübt werden - wurde sie schnellstmöglich an den Ort des Geschehens gebracht, so daß sie Bilder des Massakers und der trauernden Iraker machen konnte. Auch wenn es um den Tod von US-Soldaten ging, wurde ihr Zugang zu den Reden Vorgesetzten gewährt, die diese ehrten oder ihnen posthum Orden verliehen.

Wenn es allerdings um Berichte ging, in denen die Besatzer in einem weniger guten Licht dargestellt worden wären, so wurden diese gänzlich anders behandelt. Zwar erhielt sie alle paar Tage einen Hinweis des Baghdader Reuters-Büros auf Grundlage von örtlichen Meldungen über von US-Soldaten verletzte oder getötete irakische Zivilisten, dahingehende Recherchen wurden allerdings erfolgreich verhindert. "Reuters hatte ein gepanzertes Fahrzeug", sagte sie. Wenn sie das US-Lager verlassen wollte, um eigene Recherchen anzustellen, so mußte sie hierfür eine Genehmigung einholen. Derartige Anträge wurden ihrer Aussage zufolge so lange "geprüft", bis "es dunkel wurde - und am Ende konnten wir nie dorthin gelangen", sagte sie.

Selbst, als das Gelände eines abends Ziel eines schweren Angriffs wurde, war es nicht möglich, Informationen von US-Soldaten zu bekommen. "Wir konnten nichts herausfinden", sagte sie. Letztlich mußte Reuters über die Kämpfe von Baghdad aus berichten, obwohl eine Mitarbeiterin vor Ort war.

Sie berichtete auch, daß sie häufig bei Razzien des US-Militärs mitgenommen wurde. Nachdem die US-Soldaten ein Gebäude gestürmt hatten, hörte sie häufig aus benachbarten Räumen die Schreie von Irakern. "Nicht immer, aber es gab Zeiten, da ich die Schreie von Gefangenen während der Verhöre hörte", sagte sie. "Ich bin nicht sicher, was passierte, aber sie schrien laut - sie wurden nicht nur etwas geschlagen." Auch diese Beobachtungen fanden keinen Eingang in ihre Berichte.

"Es gab keine Ausgewogenheit", sagte sie. "Was wir taten, war kein echter Journalismus". "Ich war ein Sprachrohr des amerikanischen Militärs."



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