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Noch ein "Regime-Change"

USA wollen Mittleren Osten neu ordnen (lassen)

23.07.2006  






Während das israelische Militär im Libanon - und auch im Gaza-Streifen - immer neue Kriegsverbrechen begeht, Zivilisten tötet und zivile Infrastruktur zerstört, geben die USA immer unverhohlener zu, daß das israelische Vorgehen letztlich Teil einer US-Strategie zur Umformung der ganzen Region ist.

Am Sonntag berichtete AP von zahlreichen neuen Angriffen auf Zivilisten und zivile Ziele im Libanon. Demnach wurde beispielsweise nach Aussage des Bürgermeisters des Ortes al-Manara, Ali Rahal, eine dort ansässige Textilfabrik bombardiert, wobei ein Mensch getötet und zwei verletzt wurden. Im Süden des Libanons wurde ein Kleinbus mit Flüchtlingen aus dem Dorf Tairi von einer israelischen Rakete getroffen. Hier wurden 3 Menschen getötet und die restlichen Insassen verletzt. Am Samstag hatte das israelische Militär die Bewohner von Tairi aufgefordert, das Dorf zu verlassen. Dies ist letztlich eine exakte Wiederholung eines ebensolchen Vorfalls eine Woche zuvor.

Augenzeugenberichten zufolge wurde der Ort Nabi Sheet, nahe der Stadt Baalbek, von israelischen Kampfflugzeugen und Kampfhubschraubern bombardiert, wobei 5 Menschen verletzt wurden. In Baalbek selbst wurde ein landwirtschaftliches Unternehmen durch Bombardement vollständig zerstört, wie auch eine Fabrik für Fertighäuser an der Straße zwischen Beirut und Damaskus. Wie CBC am Sonntag meldete, zerstörten israelische Kampfflugzeuge in der Hafenstadt Sidon - wo sich derzeit mehrere zehntausend Flüchtlinge aufhalten - mit mehreren Raketen die aus einer Moschee, einer Bücherei und eine Religionsschule bestehende religiöse Einrichtung Sayyed al-Zahraa. Scheich Afif Naboulsi, der Leiter der Einrichtung, soll der Hizb Allah "nahestehen". Bereits am Samstag war der der Hizb Allah eher kritisch gegenüberstehende libanesische Fernsehsender Lebanese Broadcasting Corporation (LBC) Ziel mehrerer Angriffe geworden. Bei der Zerstörung einer Sendestation in Fatqa wurde Sueliman Chidiac, Leiter der Station, getötet. In großen Teilen des Libanons ist ein Empfang der LBC aufgrund der Angriffe nicht mehr möglich. Israel behauptet zwar, Ziel sei in Wahrheit insbesondere der Hizb Allah-Sender Al-Manar gewesen, dessen Ausstrahlung wurde allerdings nicht eine Minute unterbrochen. Erst vor wenigen Tagen hatte LBC ein Video ausgestrahlt, das vermutlich den Absturz eines israelischen Kampfflugzeugs über Beirut zeigte.

Ein 8 Jahre alter Junge wurde bei einem Angriff auf ein Dorf in der Nähe der Stadt Tyre getötet und 8 Menschen wurden nach Auskunft eines Krankenhaussprechers verletzt, als ihr Fahrzeug direkt vor dem Krankenhaus von einer israelischen Rakete getroffen wurde. Auch eine erste Journalistin, die für das libanesische Magazin Al-Jaras arbeitende, 23 Jahre alte Photographin Layal Nejim, wurde im Libanon getötet, als eine Rakete nahe ihres Taxis einschlug und explodierte. Mittlerweile liegt die Zahl der im Libanon getöteten Menschen bei mindestens 380, während in Israel bisher 17 Zivilisten durch die Raketenangriffe der Hizb Allah getötet wurden. Die Website "Information Clearing House" hat eine ganze Reihe von teilweise äußerst drastischen und grausamen Photos der Folgen der israelischen Angriffe zusammengestellt.

Wie Aljazeera am Sonntag berichtete, hat der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, nach einer Besichtigung der von Israel in Beirut verursachten Zerstörungen gesagt, Israel breche "das Menschenrecht".

"Es ist schrecklich. Ich wußte nicht, daß es Block um Block von Häusern ist ... Das macht es zu einer Verletzung des Menschenrechts", so Egeland.

Bereits am Freitag hatte der San Francisco Chronicle berichtet, daß das israelische Militär Planungen für einen Angriff auf den Libanon infolge einer "Provokation" durch die Hizb Allah bereits vor einem Jahr abgeschlossen hatten. Danach wurde also nur noch auf eine solche "Provokation" gewartet.

Während selbst der engste Verbündete der USA, Großbritannien, einem Bericht des britischen Observer vom Samstag zufolge nun beginnt, das israelische Vorgehen zu kritisieren, tritt die Unterstützung der USA immer offener zutage. Der britische Außenminister Kim Howells sagte demnach: "Die Zerstörung der Infrastruktur, der Tod so vieler Kinder und so vieler Menschen. Das waren keine chirurgischen Angriffe. Wenn sie Hizb Allah jagen, dann sollen sie Hizb Allah angreifen. Man greift nicht den ganzen libanesischen Staat an."

AFP berichtete andererseits, daß die USA eine Lieferung GPS-gesteuerter "Präzisionsbomben" und bunkerbrechender Bomben beschleunigen. Unter Berufung auf ein anonym bleiben wollendes Mitglied der US-Regierung berichtete AFP, daß die Lieferung der Bomben "entweder bereits erfolgt ist oder gerade ausgeliefert wird". Zwar handelt es sich hier um einen bereits im vergangenen Jahr abgeschlossenen Liefervertrag, dies ändert allerdings zweifellos nichts daran, daß die USA hier wissentlich ein kriegführendes Land mit schweren Waffen beliefern.

Noch deutlicher wurde der Standpunkt der US-Regierung allerdings, als US-Außenministerin Condoleezza Rice die derzeitigen Kriege Israels gegen Palästina und den Libanon als "Geburtswehen eines neuen Mittleren Ostens" bezeichnete. Es ist zwar noch nicht klar, ob sie hiermit "nur" den von den USA so gern propagierten "Regime-Change" - den oftmals gewalttätigen und erzwungenen Regierungswechsel hin zu einer US-freundlichen Regierung - meinte oder gar den von zahllosen Israelis nie aufgegebenen Traum von "Erez Israel" (etwa "Groß-Israel"), ihr grundlegender Standpunkt hätte aber nicht offensichtlicher sein können.




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