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"Am Rande der Anarchie"

NATO-General über Afghanistan

25.07.2006  






Wie der britische Guardian bereits am Samstag berichtete, hat der Oberkommandierende der NATO-Truppen in Afghanistan, der britische Generalleutnant David Richards, ein äußerst dunkles Bild des seit nunmehr fast fünf Jahren besetzten Landes gezeichnet.

Richard bezeichnete die Situation in Afghanistan als "am Rande der Anarchie" und verwies dabei auf sich bekämpfende ausländische Behörden und "unethische private Sicherheitsunternehmen", die die örtlichen Probleme durch Korruption noch verstärkten und "nur zu bereit sind, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen".

Er sagtebei einer Konferenz des "Royal United Services Institute" in London weiter, daß es den Besatzungstruppen an Material fehle und ihnen "die Zeit ausgeht", die Erwartungen der afghanischen Bevölkerung zu erfüllen. Wie später auch im Irak hatten die NATO-Befehlshaber Richards zufolge geglaubt, daß sie nach dem Sturz der Taliban auf eine "freundliche" Umgebung treffen würden. "Das ist eindeutig nicht der Fall", sagte er am Donnerstag, wobei er sich auf Streitigkeiten zwischen Stämmen und Spannungen zwischen religiösen und weltlichen Gruppierungen, die von "Anarcho-Milizenführern" manipuliert würden, bezog.

Richards vergaß auch nicht die mangelnde Ausrüstung der Besatzer, insbesondere hinsichtlich von Flugzeugen, aber auch von medizinischen Rettungssystemen und Ausrüstung zur Lebenserhaltung zu kritisieren. Nach seiner öffentlichen Kritik gaben Beamte zu, daß Frankreich und die Türkei den von ihnen entsendeten Truppen keinerlei Hubschrauber zur Unterstützung gewährt haben.

Er bezeichnete die Reparatur der Infrastruktur als eine Priorität, um so die "Herzen und Gemüter" der afghanischen Bevölkerung zu gewinnen, während die Bekämpfung des seit dem Sturz der Taliban wieder weitverbreiteten Drogenanbaus erst später angegangen werden könne. Der britische General und Oberkommandierende des britischen Heeres Mike Jackson hatte kürzlich die "Zerstörung des Schlafmohns, bevor die Bedingungen passen" als "kontraproduktiv" bezeichnet. Es wird erwartet, daß es in diesem Jahr erneut zu einer Rekordernte der Opiumbauern kommen wird.

Der britische Außenminister Kim Howells bezeichnete gegenüber dem Guardian die größten Opiumbauern und die Händler als vorrangiges Ziel. Auf die Befürchtungen britischer Offiziere hingewiesen, daß ein entschiedenes Vorgehen gegen den Anbau von Opium und dessen Handel den Widerstand stärken könnte, sagte er: "Das ist ein großes Problem für uns."

Tatsächlich handelt es sich auch hier allerdings um ein hausgemachtes Problem. In den letzten Jahren ihrer Herrschaft waren die Taliban mit brutalsten Methoden gegen den Drogenanbau in Afghanistan vorgegangen und hatten ihn so praktisch zum Erliegen gebracht. Erst der Einmarsch der US-geführten Truppen ermöglichte wieder den großflächigen Anbau von Schlafmohn. Die Vermutung, daß dies angesichts der jahrzehntelangen Verwicklungen insbesondere der CIA in den internationalen Drogenhandel kaum ein Zufall ist, ist sicherlich naheliegend.



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