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Mörder

Israel bombardiert erneut Qana

30.07.2006  






Schon einmal trug ein hier veröffentlichter Artikel den Titel "Mörder". Darin ging es um das kriegsverbrecherische Vorgehen des US-Militärs bei der Erstürmung der irakischen Stadt Fallujah. In der Nacht zum Sonntag nun bombardierte das israelische Militär zahlreiche Häuser in dem libanesischen Dorf Qana. Die Zahl der dabei getöteten Zivilsten ihre Zahl wird mittlerweile von AP mit "mindestens 50, davon mehr als die Hälfte Kinder" angegeben, lassen keinen Zweifel mehr, daß Israel endgültig in "Fallujah" angekommen ist.

Schon die Tatsache, daß der Angriff unter anderem auf ein vierstöckiges Wohnhaus in der Nacht erfolgte viele der Opfer trugen Schlafanzüge, wie Aufnahmen arabischer Fernsehsender belegten muß zumindest die Frage aufwerfen, ob die israelische Luftwaffe nicht möglicherweise genau das Ziel des Angriffs erreicht hat.

Angesichts der großen Zahl von Opfern ist die Reaktion der israelischen Seite mehr als zurückhaltend. Der Sprecher des israelischen Militärs, Hauptmann Jacob Dalal, sagte gegenüber CNN offen, die Hizb Allah trüge die Verantwortung für den Angriff und damit auch die Opfer. "Wir haben seit Tagen Raketenwerfer aus dem Dorf angegriffen", sagte er. Man habe "nicht gewußt, daß Zivilisten im Weg waren". Außerdem sei die Bevölkerung schon vor Tagen "gewarnt" worden, daß sie aus dem Dorf fliehen solle.

"Die Hizb Allah hat dies absichtlich als Abschußort für ihre Angriffe auf uns gewählt und ihre Zivilisten gefährdet, weil sie wissen, daß so etwas daraus folgen würde", so Dalal weiter. Er beschuldigte die Hizb Allah also sogar offen, auf einen derart folgenschweren Angriff Israels auf libanesische Zivilisten gehofft zu haben.

Der libanesische Verteidigungsminister Elias Murr zweifelte die israelischen Behauptungen an. Gegenüber dem Fernsehsender Al-Jazeera sagte er: "Was sollte Israel denn sonst sagen? Würde es sagen, daß es 40 Kinder und Frauen ermordet hat?"

Auch der israelische Premierminister Ehud Olmert zeigte sich von der Zahl der Opfer augenscheinlich wenig beeindruckt. Am Sonntag Stunden nach dem Angriff - sagte er vor seinem wöchentlichen Kabinettstreffen: "Ich glaube, es muß klar sein, daß Israel es nicht eilig hat, einen Waffenstillstand zu haben, bevor wir nicht eine Situation erreichen, in der wir sagen können, daß wir die zentralen Ziele, die wir uns gesetzt haben, erreicht haben." Er sagte also nichts anderes, als daß Israel erst dann einen "Waffenstillstand" akzeptieren wird, nachdem es sich selbst als "siegreich" erachtet haben wird.

Auch der Ort dieses Angriffs ist bemerkenswert, wurden hier 1996 bei einem israelischen Angriff auf einen UN-Stützpunkt doch schon einmal über 100 Zivilisten getötet.

Wie Reuters berichtete, scheint derweil sogar die britische Front zu bröckeln. Demnach bezeichnete die britische Außenministerin Margaret Beckett den Angriff auf Qana als "absolut fürchterlich" und "ziemlich abstoßend". Allerdings wollte sie den Angriff nicht als "unverhältnismäßig" - was völkerrechtlich die Einstufung als Kriegsverbrechen bedeuten würde bezeichnen, da "Wir es uns nicht leisten können, daß Israel aufhört, zuzuhören." Tatsächlich stellt sich hier die Frage, in welchem Punkt Israel den Anschein erweckt hat, auf die wachsende internationale Empörung wegen seiner zahllosen Kriegsverbrechen zu "hören".

US-Außenministerin Condoleezza Rice, deren Besuch im Libanon effektiv vom libanesischen Premierminister Fouad al-Siniora angesichts des Angriffs auf Qana abgesagt worden war, hingegen wollte den Angriff einmal mehr nicht verurteilen. "Wir erkennen alle an, daß diese Art der Kriegsführung äußerst schwierig ist", sagte sie. "Es hat unglücklicherweise manchmal schreckliche Konsequenzen."

Al-Siniora hatte einen "unverzüglichen und bedingungslosen" Waffenstillstand und eine "internationale Untersuchung der israelischen Massaker im Libanon" gefordert. Da Rice diesen Forderungen offenbar nicht zustimmen mag, verzichtete sie auf die geplante Reise in den Libanon.

Die Wut der Menschen im Libanon über den israelischen Angriff und unzählige weitere und die letztlich durch die USA erzwungene Tatenlosigkeit der Vereinten Nationen führte am Sonntag dazu, daß tausende Menschen ein Gebäude der UN in Beirut stürmten und verwüsteten. Die Stimmung in anderen arabischen Ländern ist zweifellos nicht besser, so daß es nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, bis sich der Krieg ausweitet.



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