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Angst vor dem Ungewissen

Wieder Terrorpanik in Großbritannien

10.08.2006  






Wie die Medien am Donnerstag berichteten, hat die britische Polizei bisher 21 Menschen wegen des Verdachts der Vorbereitung von Terroranschlägen auf mehrere Flugzeuge verhaftet.

Die britischen Behörden geben sich in Stellungnahmen bisher bemüht, den Eindruck einer äußerst ernsten und unmittelbaren Bedrohung zu erwecken und werden hierbei auch von einigen deutschen Medien - hier sei nur an die "Spiegel"-Schlagzeile "Terrorfahnder verhindern Massenmord über den Wolken" erinnert - tatkräftig unterstützt.

Vorgeblich hätten "bis zu 50" Personen geplant, sechs - andere Quellen, beispielsweise die britische BBC sprechen von zehn - Passagierflugzeuge der US-Fluggesellschaften United, American und Continental auf dem Flug von Großbritannien in die USA über dem Atlantik durch im Handgepäck an Bord geschmuggelten Sprengstoff zum Absturz zu bringen. Der britische Sender Sky berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte "Sicherheits-Quellen", daß der flüssige Sprengstoff erst an Bord aus mehreren Komponenten hätte zusammengemischt werden sollen.

Tatsächlich scheinen die britischen Behörden kaum mehr als Mutmaßungen in der Hand zu haben, betrachtet man beispielsweise die Aussagen des Leiters der Antiterror-Abteilung der Londoner Polizei, Peter Clarke, genauer.

"Die Untersuchung hat sich auf Informationen konzentriert, die darauf hindeuteten, daß eine Verschwörung existierte, um transatlantische Passagierflugzeuge im Flug in die Luft zu jagen", so Clarke. Wieder einmal gab es also tatsächlich nur "Informationen", die "hindeuteten". Dies erinnert nur zu genau an die Durchsuchung eines Hauses im Londoner Stadtteil Forest Gate am 2. Juni dieses Jahres. Damals hatte es "Informationen" gegeben, zwei Brüder würden in dem Haus eine Bombe - andere Berichte sprachen gar von Chemiewaffen - bauen. Über 250 Polizisten waren an dem Einsatz, bei dem einer der Brüder von einem Polizisten angeschossen wurde, beteiligt und beide Männer wurden eine Woche lang gefangengehalten und verhört. Zwei Wochen später entschuldigte sich Andy Hayman, Stellvertreter des Leiters der London Metropolitan Police, bei den beiden Brüdern.

"Die Informationen deuteten darauf hin, daß dies durch im Handgepäck an Bord der Flugzeuge geschmuggelte Sprengvorrichtungen erreicht werden sollte", so Clarke weiter. "Die Informationen deuteten darauf hin, daß diese Vorrichtungen in Großbritannien gebaut und durch britische Flughäfen gebracht werden sollten; die Anzahl, die Ziele und der Zeitpunkt der Flüge, die vielleicht angegriffen worden wären, müssen in einer Untersuchung ermittelt werden."

Man befinde sich in einer "sehr frühen Stufe" der Ermittlungen, die „uns, wo auch immer die Beweise hinführen werden, bringen werden“, sagte er.

"Während der Untersuchung wurde ein beispielloser Grad der Überwachung unternommen und diese Überwachung hatte zum Ziel, Informationen und Beweise zu Unterstützung der Untersuchung zu sammeln", so Clarke. "Wir haben Treffen, Bewegungen, Reisen, Ausgaben und Bestrebungen einer großen Gruppe von Menschen beobachtet. Dies erforderte nicht nur enge Zusammenarbeit zwischen den Behörden in Großbritannien sondern auch international. Wie so oft in solchen Fällen hat die Verschwörung weltweite Ausmaße. Die Untersuchung kam in der vergangenen Nacht an einen kritischen Punkt, als die Entscheidung gefällt wurde, umgehend einzugreifen, um zu unterbrechen, was wir glaubten, das geplant wurde."

Obgleich als eine große Zahl von Menschen intensiv bespitzelt wurde, glaubt die britische Polizei bisher letztlich nur zu wissen, daß Flugzeuge mit Bomben gesprengt werden sollten. Auch wurden bei den Festnahmen und einhergehenden Hausdurchsuchungen offenbar keinerlei Sprengsätze oder ähnlich eindeutige Funde gemacht, da dies den Medien zweifellos unverzüglich mitgeteilt worden wäre.

Selbst der US-"Heimatschutz"-Minister Michael Chertoff wollte nur sagen, daß die - vorgeblich, immerhin haben die Behörden ja offenbar keine Erkenntnisse darüber - "raffinierte, weit fortgeschrittene und gut geplante" Verschwörung "auf eine Al-Qaida-Verschwörung hindeutet."

Tatsächlich hätte das Vorgehen der Polizei und das durch scharfe Sicherheitsbestimmungen ausgelöste Chaos auf britischen Flughäfen kaum zu einem für die britische Regierung günstigeren Zeitpunkt kommen können. Erst am Mittwoch hatte das Verteidigungskomitee des britischen Parlaments das britische Verteidigungsministerium scharf kritisiert, wie AFP berichtete. Nach Ansicht der Parlamentarier sind die britischen Soldaten im Irak bei weitem nicht ausreichend ausgerüstet und durch das große Einsatzgebiet außerdem überdehnt. Ebenfalls am Mittwoch veröffentlichte der Vater eines im Irak getöteten britischen Soldaten E-Mails, die er von seinem Sohn erhalten hatte, die einmal mehr zeigen, wie groß der Widerstand gegen die Besatzer im Irak ist. Am Sonntag hatte der britische Telegraph berichtet, daß die britischen Truppen im Süden Afghanistans aufgrund der zahlreichen Kampfeinsätze "am Rande der Erschöpfung" sind. Es ist zweifellos im Interesse der britischen Regierung, wenn derartige Meldungen durch andere Themen verdrängt werden.

Am Mittwochabend dann hatte der britische Innenminister einem Artikel des Guardian zufolge Medien, Politiker, aber auch Europäische Richter scharf wegen ihres zu schwachen Standpunkts angegriffen.

"Manchmal müssen wir vielleicht kurzfristig einige unserer Freiheiten verändern, um ihre Zweckentfremdung und ihren Mißbrauch durch jene, die unsere grundlegenden Werte ablehnen und alle unsere Freiheiten in der modernen Welt zerstören würden, zu verhindern", sagte er.

Nur wenige Stunden nach diesen Worten schaffte es die britische Polizei, dieser Forderung nach "Veränderung" - sprich Abschaffung - von Freiheiten zwecks des Schutzes von Freiheiten in den Köpfen der Menschen überdeutlich Nachdruck zu verleihen.





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