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Offener Brief an Herrn Salomon Korn

Kritik an einer Einmischung

13.08.2006  


Jürgen Cain Külbel




Sehr geehrter Herr Salomon Korn,

der jüngste Krieg des Staates Israel hat uns Nachgeborenen eine leise Idee von der Barbarei des Dritten Reichs geben können, die seinerzeit - und das macht man gern vergessen - 50 Millionen Tote, davon allein 20 Millionen Russen, und 35 Millionen Versehrte forderte. Fast 11 Millionen Menschen wurden damals in den faschistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern erschlagen, erschossen, vergast oder sie verhungerten; darunter eben auch 5 Millionen Juden - ein Zehntel aller Toten.

Den Krieg des Staates Israel mit seinen 30.000 Soldaten und der exorbitanten Militärmaschinerie gegen die Hizb Allah, die nach Einschätzung des israelischen Oberkommandos nur 2.000 Mann stark ist, kann man selbstverständlich nicht mit dem Zweiten Weltkrieg vergleichen. Wohl aber das jüngste mordbrennende Barbarentum der Israelis - ich spreche nicht von Juden, um nicht in die allerorten ausgelegten Fußangeln des Antisemitismus' zu tappen. Die Mittel und Methoden der israelischen Kriegsführung, die sich vor allem gegen die libanesischen Kinder und Frauen, die Zivilbevölkerung, die Infrastruktur richten, ähneln verblüffend der Kriegsführung der deutschen Wehrmacht und führen der Welt bilderbuchhaft vor, was nur noch in Geschichtsbüchern zu finden ist und Hitler einst unter "Taktik der verbrannten Erde" verstanden hatte.

Vor dem Hintergrund erachte ich Ihre Intervention bei ARD und ZDF im "Spiegel" wegen angeblich einseitiger Berichterstattung zugunsten der libanesischen Opfer und der Zurschaustellung Israels als "Täter" als frech und arrogant; ebenso frech und arrogant, wie der Staat Israel seinen verbrecherischen Angriffskrieg mit dem zustimmenden Kopfnicken solcherart Verbrecher und dreisten Lügner wie Bush, Bolton und Rice führt. Der aufmerksame Betrachter hat wohl mitbekommen, wie die Pfründe in der deutschen Nachrichtenerstattung verteilt wurden; selbst der bürgerliche Sender ARTE mokierte vor wenigen Tagen, daß sich die deutschen Medien im Unterschied zu den französischen einseitig für Israel engagierten. Sie, Herr Korn, hätten wohl offenbar gern die Bilder und Nachrichten aus dem Libanon vollends ausgeblendet gesehen, um die massiven Verbrechen der Israelis im Dunkeln zu lassen? Nur so verstehe ich Ihre Kritik.

Herr Korn, was beschweren Sie sich? Zu Wochenmitte hat das deutsche Fernsehen (3sat) zum Beispiel etwas fabriziert, das medienmäßig und von der unmoralischen Ebene her nicht zu toppen ist: Der Vorbestrafte Michel Friedman alias Paolo Pinkas, dereinst kriminell auf niedrigstem Niveau, nämlich im Drogen- und Prostituierten-Milieu, durfte in Kulturzeit die israelische Barbarei verteidigen. Wo gibt es so etwas schon?

Seit Joostein Gaarder, der in seiner prosaischen Sprache diese Woche die Wahrheit schrieb, werden sich fortan immer weniger Menschen den Mund verbieten lassen. Zudem hat Israels neuer Schlächter Olmert den Holocaust-Bonus verspielt, weil er der Welt vor Augen geführt hat, zu welcher Brutalität Israel in der Lage ist. Ich spreche von den 1.000 toten Libanesen, darunter eben ein Drittel Kinder. Ich spreche nicht von den 2.000 Hizb Allah-Anhängern, die er angeblich bekämpft. Ich spreche auch nicht von den international geächteten Streubomben, Phosphorgranaten, der Uranmunition und den anderen teuflischen Waffen, die Ihre Freunde zum Einsatz bringen. Wo hat Israel all die Waffen denn her und all das Kriegsgerät? Aus den Vereinigten Staaten und Deutschland zum Beispiel.

Zudem frage ich, was den Zentralrat der Juden in Deutschland bewegt, immer wieder Einfluß auf deutsche Politik - unabhängig von deren Wert oder Güte - und Medien zu nehmen; damit meine ich Rücktrittsforderungen, die an Politiker formuliert werden und eben der Anlaß, der mich zum Schreiben dieses kurzen Briefes bewegte. Normalerweise dürften Sie und Ihre Organisation nicht mehr und weniger Einfluß auf deutsche Politik und Medien haben als Hausmeister Krauses Dackelverein. Oder? Wieso spielen Sie sich als oberster Sittenwächter in Deutschland auf, obwohl Ihre israelischen Freunde zum gleichen Zeitpunkt massiv töten?

Da fällt mir gerade ein - nicht wegen des Gentests, den Israel zur Gleichwertigkeit der "Auserwählten Gottes" auf Eignung überprüfte - ob vielleicht jener Status des "Auserwähltseins" eine von wem auch immer auferlegte Prüfung sein könnte, die stets aufs Neue anmahnen soll: Freunde erkennt, alle Menschen sind gleich und es gibt keine Auserwählten! Möglicherweise war die Versuchung, den Status anzunehmen, stärker, als ihn - so wie es jeder vernunftbegabte Mensch tun müßte - abzulehnen. Offenbar wurde die Prüfung als solche nicht erkannt und daher nicht bestanden. Nur so erklärt sich, warum Israel gegenwärtig einen so menschenverachtenden Krieg führt, der auch von den jüdischen Geistlichen getragen wird. Nach dem israelischen Massaker in Qana, dem zahlreiche Kinder zum Opfer fielen, tönte der "Rat der Rabbis von Yesha": "Entsprechend der jüdischen Gesetzgebung gibt es in Kriegs- und Schlachtzeiten keine solche Bezeichnungen wie 'Unschuldige' unter den Feinden. Sämtliche Diskussionen über christliche Moral schwächen den Geist der Armee und der Nation und kosten uns das Blut unserer Soldaten und Zivilisten." Ihre israelischen Kollegen hatten bereits am 12. Juli, zu Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Libanon, öffentlich "die Ausrottung des Feindes im Norden und im Süden" gefordert. Vokabular, das dem Munde eines Eichmann entsprungen sein könnte.

Sehr geehrter Herr Korn, ich verurteile Ihre Einmischung. Sie ist unangemessen und anmaßend.



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