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Aufkündigung der Zusammenarbeit

Offener Brief an Salomon Korn

15.08.2006  


Ruth Asfour




Sehr geehrter Herr Korn,

Sicher erinnern Sie sich nicht mehr an mich, als ich vor Jahren nach einer Veranstaltung im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses, mit Ihnen ins Gespräch kam und Sie mir anboten, Mitglied der "Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit" zu werden. Ich sagte sofort zu, denn mir sind als Christin unsere jüdischen Wurzeln wohl bewußt und ich habe viele jüdische Freunde und ich finde Zusammenarbeit immer bereichernd für beide Seiten.

Ich lernte dann Frau Kunik kennen und ich freute mich, als sie meinte, die christlich-jüdische Zusammenarbeit sollte auf die Muslime ausgedehnt werden also ein Trialog. Als ich mich dann zunehmend für die Politik Israels interessierte, hätte ich gerne auch politische Gespräche geführt, leider wurde das meistens vermieden. Leider beschränkte sich das Programm meistens auf Besuche von Stätten jüdischer Vergangenheit, die ich schon mit meinen Kindern besucht hatte, um sie so zu weltoffenen und toleranten Menschen zu erziehen.

So engagierte ich mich dann im Arbeitskreis Palästina/Israel, dem Mitglieder aller drei monotheistischen Religionen und auch Freidenker angehören, für den Frieden.

Als im Januar 2006 ein Vortrag von Rupert Neudeck zu seinem Buch "ich kann nicht mehr schweigen" (über das Leben der Palästinenser in den besetzten Gebieten) angesagt wurde, der dann wegen Einspruchs der jüdischen Gemeinde Frankfurt nicht stattfinden konnte, trug ich mich das erste Mal mit dem Gedanken, meine Mitgliedschaft zu kündigen. Bei dieser Gelegenheit lernte ich Herrn Hajo Meyer und sein Buch "Das Ende des Judentums" kennen. Ich erfuhr auch von den Angriffen auf Herrn Meyer, der doch mit seinem Buch nur alle Juden an die hohe Ethik des Judentums erinnern will, der sich der Staat Israel gleichermaßen verpflichtet fühlen sollte. Leider ist dies nicht der Fall. Als Vorwort zu seinem Buch wählte Herr Meyer das Wort des Rabbi Hillel, der im 1. Jahrhundert vor Christi lebte. "Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht das ist die ganze Thora"

Meine jüdischen Freunde und ich teilen die Sorge um den Staat Israel und sparen nicht mit Kritik an diesem Staat, der über die viertgrößte Militärmacht der Erde verfügt, aber eben nur über diese Waffengewalt, die der Diplomatie gar keinen Raum einräumt und jedem Staatsbesucher ob er will oder nicht zuerst Yad Vashem zeigt. Wie kann man allein mit diesem entsetzlichen Leid der Vorväter Politik machen wollen? Die Palästinenser und die an Israel angrenzenden Länder tragen keinerlei Schuld am Holocaust! Die Palästinenser mußten 1948 ihr Land entschädigungslos verlassen 1967 wurden manche das zweite oder dritte Mal Flüchtlinge. Alle UN-Resolutionen wurden von Israel mißachtet sowie das Urteil von Den Haag über die 8 Meter hohe Betonmauer, die sich weit in palästinensisches Land hineinfrißt und fruchtbares Land und Quellen den Israelis zuschlägt. Immer mehr palästinensisches Land wird enteignet, auch für Straßen zu den völkerrechtswidrigen Siedlungen, Apartheids-Straßen, auf denen die ursprünglichen Besitzer des Landes nicht fahren dürfen.

39 Jahre dauert die Besatzung palästinensischen Landes nun schon. Bald 40 Jahre Ausgangssperren, Häuser, Obstplantagen, Olivenhaine werden von der israelischen Besatzungsarmee plattgemacht, nächtliche Razzien und Verschleppung. So wächst der Haß schon bei den Kindern.

10.000 Gefangene manche ohne Gerichtsverhandlung sind in den israelischen Gefängnissen. Durch die insgesamt drei gefangenen israelischen Soldaten sollten wenigstens die 600 Kinder und die 150 Frauen freigepreßt werden. Wieviel Blutvergiessen hätte vermieden werden können die Zerstörung der Infrastruktur von Gaza und Libanon! Nein, Israel verhandelt nicht mit Terroristen als seien keine jüdischen Terroristen an der Staatsgründung Israels beteiligt gewesen!

Und das, sehr geehrter Herr Korn, kann ich Ihnen nicht verzeihen, daß sie solch einen machtversessenen Staat auch noch in Schutz nehmen, wenn Bilder seiner Zerstörungswut gezeigt werden. Zu allem befinden Sie sich mit Ihrer Kritik auch noch in der Gesellschaft des sehr zwielichtigen Herrn Friedman.

Deshalb möchte ich meine Mitgliedschaft bei der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit ab sofort kündigen, denn an Ihnen hatte ich mich orientiert, Sie hatten mich damals zum Eintritt bewogen.

Übrigens: Bei einer der vielen Kundgebungen, zu denen unter anderem auch die "Jüdische Stimme", die "European Jews for a Just Peace" aufgerufen hatten, habe ich meiner Sorge Ausdruck gegeben, als der Zentralrat in Berlin sich hinter die Politik Israels stellte. Besteht da nicht die Möglichkeit, daß der einfache Bürger alle unter uns lebenden Juden für diese menschenverachtende Politik Israels verantwortlich macht ?

Meine Hochachtung all den Friedenskräften und Verweigerern in Israel, die dort sehr oft als "Verräter" oder "Staatsfeinde" bezeichnet werden. Bei der jetzigen Regierung Israels ist das ein Kompliment.

Mit freundlichen Grüßen



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