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Show-Staffel

Das BKA und die Medien

26.08.2006  






Ein Bericht der "tageszeitung" (taz) vom Samstag enthüllt einen Skandal. Unter dem Titel "BKA spielt sich auf" berichtet Boris R. Rosenkranz darin, daß Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) bei der Durchsuchung der Wohnung des vorgeblichen "zweiten Zugattentäters" Jihad al-Hamad den Abtransport von "Beweismaterial" allein für Photographen der Presse gestellt hatten.

"Vor dem Haus ringen Kamerateams und Photographen um das perfekte Motiv. Bis Polizisten, teilweise vermummt, Kartons aus dem Haus tragen. Die Kameras der Photographen schnattern wie wild. Allerdings: Anschließend werden die Kisten wieder zurück ins Haus getragen", so der Bericht.

Die Beamten taten hier also nicht weniger, als den Medien Bilder zu liefern, die für eine weitere Vorverurteilung des "Verdächtigen" genutzt werden könnten - was wäre überzeugender, als Photos von zahlreichen, von Polizisten aus einem Haus getragenen Kisten mit „Beweismitteln“?

Daher greift die Kritik des Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, Frank Richter, auch zu kurz. Auf die Frage, ob "Polizisten Theater spielen dürfen, damit die Presse abzieht", sagte er: "Nein, wir sind doch keine Soap." Was denn als nächstes käme, fragte er sich. "Daß man einen Kollegen verkleidet und als Verbrecher abführt?"

Zwar wurden die so entstandenen Bilder in diesem Fall kaum genutzt, dies lag aber offensichtlich nur daran, daß die Kisten von den Polizisten - so denn zumindest dieser Teil der Inszenierung dem Anschein entsprach - direkt wieder in das Haus getragen wurden. Wären sie wie üblich in ein Auto verladen und abtransportiert worden, so hätten sie ohne Zweifel reißenden Absatz gefunden. Die Frage, ob dieser Vorfall so außergewöhnlich ist, weil Polizisten für die Medien Bilder stellten oder weil sie es in diesem Fall offensichtlich machten, muß gestellt werden. Zu häufig schon gingen die Photos von ebensolchen nach Hausdurchsuchungen Kisten schleppenden Polizisten durch die Medien.

Wollten die Polizisten wirklich nur "ihre Ruhe" vor den drängelnden Journalisten, wie sowohl Rosenkranz in seinem Artikel als auch Richter andeuten? Oder ist dergleichen schon so oft geschehen, daß die Beamten sich so sicher fühlten, daß sie einfach nur nachlässig wurden? Oder wollten sie durch dieses Vorgehen sogar auf derartige Mißstände hinweisen?

Es sind Fragen, die so nicht zu beantworten sind. Bemerkenswert ist aber in jedem Fall, daß dieser Vorfall von den Medien stillschweigend unter den Teppich gekehrt wird. Das Schaffen solcher Bilder wirft grundlegendste Fragen an der Glaubwürdigkeit von Polizei als auch Medien auf. Daß eben diese Medien nicht offensiv mit einem solchen Skandal umgehen, kann den Verdacht einer entsprechenden Komplizenschaft nur erhärten. Zu verlockend hätte die Veröffentlichung von Photos sein müssen, die Polizisten zeigen, wie sie die Kisten erst aus und dann wieder in das Haus trugen.





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