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"...und immer weniger gehen hin."

Militärische Nachwuchssorgen

28.08.2006  






Wiederholt wurde hier bereits über die Nachwuchssorgen des US-Militärs berichtet. Dies ist allerdings offenbar keineswegs ein auf die USA beschränktes Phänomen.

So berichtete Reuters am Sonntag, daß Australien die gesundheitlichen Voraussetzungen für einen Eintritt in das Militär des Landes deutlich absenken will, um so eine größere Zahl von Rekruten anwerben zu können. Zukünftig wären dann weder Übergewicht noch eine Asthma-Erkrankung ein Hinderungsgrund für einen Eintritt in das australische Militär.

"Sicherlich könnten einige Leute etwas übergewichtig sein, aber wir sind gut darin, Leute fit zu machen und sie Gewicht verlieren zu lassen", sagte Generalleutnant Peter Leahy, Oberkommandierender des australischen Heeres. "Natürlich werden wir niemanden nehmen können, der sehr schwer unter Asthma leidet, aber bei jenen, die es als Kind hatten oder vielleicht nur am Rande darunter leiden, können ebenfalls Zugeständnisse gemacht werden und wir stellen sicher, daß sie fit und gesund sind."

In der vergangenen Woche hatte der australische Premierminister John Howard ein Programm im Gesamtumfang von 10 Milliarden australischer Dollar (6 Milliarden Euro) angekündigt, um zwei neue Bataillone mit insgesamt 2.600 Soldaten aufzustellen.

Einer Studie des "Australian Strategic Policy Institute" (ASPI) zufolge ist es dem australischen Militär in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die selbstgesteckten Ziele für die Anwerbung neuer Rekruten zu erreichen, außerdem verlassen aber immer mehr Soldaten das Militär.

Das gleiche Problem besteht offenbar auch in Kanada.

Am Montag berichtete die Toronto Sun, daß die Sicherheitsüberprüfungen neuer Rekruten vor einigen Monaten deutlich gelockert worden sind. Wurden bei einem Rekruten für den Zugang zu "vertraulichen" Information - diese Sicherheitsfreigabe erhält die Mehrheit der Soldaten - zuvor die letzten 10 Jahre überprüft, so wurde diese Spanne nun halbiert. Dies sei "angesichts der Zahl der Freigaben ein akzeptables Risiko", sagte Oberstleutnant David Shuster. Auch Personen, die sich vor ihrem Eintritt in das kanadische Militär in einem der 16 ursprünglichen NATO-Mitgliedsländern aufgehalten haben, sollen nach Ansicht von General Rick Hillier weniger genau überprüft werden müssen.

Der Toronto Star meldete seinerseits am 19. August, daß auch die Gesundheitsüberprüfung von Rekruten des kanadischen Militärs zukünftig abgeschafft werden könnte. Vielmehr sollten die Hausärzte der Rekruten ein Attest anfertigen, in dem sie die Tauglichkeit der Rekruten bestätigen. Auf diese Art soll die Zeit der Anwerbung von Soldaten von bisher durchschnittlich 90 Tagen bei mindestens 30 Prozent der Rekruten auf eine Woche verkürzt werden.

Außerdem wird derzeit darüber nachgedacht, als Anreiz für Ausländer Rekruten die kanadische Staatsbürgerschaft schneller zu verleihen.

Auch wenn all dies kaum zur Erfüllung des utopischen Ausspruchs "Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin" führen wird - sicherlich nicht zufällig mehren sich in den USA die Stimmen, die eine Wiedereinführung der Wehrpflicht befürchten - so zeigt dies doch zumindest, daß es offenbar zunehmend schwerer fällt, ausreichend Menschen für das berufsmäßige Töten anderer Menschen für fragwürdige Ziele zu begeistern. Insbesondere angesichts der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich und der Verarmung immer größerer Bevölkerungsteile einerseits und immer größeren Boni für den Eintritt ins Militär andererseits ist dies höchst bemerkenswert.





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