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Schuld an "Beslan"

Experte beschuldigt russisches Militär

30.08.2006  






Einem Bericht der britischen BBC vom Dienstag zufolge hat ein russischer Sprengstoffexperte in einem Radiointerview das russische Militär für die hohe Zahl der Opfer bei der Geiselnahme in einer Schule in Beslan vor fast genau zwei Jahren verantwortlich gemacht. Damals waren 331 Menschen, die meisten von ihnen Kinder, durch mehrere Explosionen und anschließende Kämpfe zwischen den Geiselnehmern und russischen Einheiten getötet worden.

Yuri Savelyev ist Mitglied der parlamentarischen Untersuchungskommission der Ereignisse in Beslan. Am Montag sprach er in dem Sender "Ekho Moskvy" ("Moskauer Echo") über seine Erkenntnisse.

Demnach entdeckte er bei seinen Untersuchungen, daß "die Folgen dieser Detonationen absolut nicht durch die Explosionen dieser selbstgebauten Vorrichtungen, die von den Rebellen installiert wurden, zu erklären sind", so Savelyev.

"Die meisten Geiseln sprachen von Explosionen in einem völlig anderen Teil der Sporthalle als jenem, auf den sich die offizielle Untersuchung bezog. Infolgedessen kam ich zu dem Schluß, daß diese von den Rebellen installierten selbstgebauten Sprengvorrichtungen überhaupt nicht explodiert sind. Dies waren Sprengkörper, die von außen kamen", sagte er und fügte hinzu, daß es sich um "Schüsse aus Granatwerfern" gehandelt haben könnte. Die Erkenntnisse Savelyevs wurden auch auf der Website "Pravda Beslana" veröffentlicht. Es fällt schwer, es nur für einen Zufall zu halten, daß die Website nicht mehr erreichbar ist.

Während Arkady Baskayev, ein weiteres Mitglied der Untersuchungskommission Savelyevs Ergebnisse zurückwies und diese als dessen "private Meinung" bezeichnete, stellte sich der Leiter der Untersuchungskommission, Stanislav Kesayev, hinter Savelyev. "Er hatte mehr Mittel als unsere Kommission. Er verließ sich auf sein eigenes Wissen als Waffenexperte und Mathematiker", sagte Kesayev gegenüber dem Sender.

Eine vorangegangene nord-ossetische Untersuchung war bereits zu dem Ergebnis gekommen, daß das russische Militär bei dem Kampf gegen die Geiselnehmer Granatwerfer, Panzer und Flammenwerfer eingesetzt worden waren. Der russische Generalstaatsanwalt gab daraufhin zu, daß diese Waffen eingesetzt wurden, betonte aber, daß dies erst geschehen sei, nachdem alle Kinder die Schule verlassen hätten. Russische Stellen hatten anfangs wochenlang Berichten widersprochen, daß auch Flammenwerfer eingesetzt wurden. Dies kann kaum verwundern, ist ihr Einsatz doch eine klare Verletzung der "Konvention über bestimmte konventionelle Waffen" ("Convention on Certain Conventional Weapons", CCW), die auch von Rußland - beziehungsweise zum damaligen Zeitpunkt der Sowjet-Union - bereits 1982 ratifiziert worden ist und die den Einsatz von Flammenwerfern ausdrücklich verbietet.

Savelyevs Erkenntnisse können als Bestätigung der hier bereits vor zwei Jahren aufgestellten Vermutung, daß es sich in Wahrheit um einen Angriff der russischen Streitkräfte gehandelt hat, bezeichnet werden. Dementsprechend läge die Verantwortung für die Toten aber auch in den Händen Moskaus, da der Befehl zum Angriff zweifellos von dort erteilt wurde.





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