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Nachrichten, die man nicht überall findet.





Terror in Deutschland - The Stray After

Ein Tagebuch des Schreckens

01.09.2006  


Jürgen Lindemeyer




Das wichtigste Gut unserer Gesellschaft ist die Freiheit, welche der Einzelne genießt. Diese Freiheit muß gegen alle Feinde von außen oder innen verteidigt werden.
Soweit die Theorie in der Praxis kann ein kleiner Koffer schon mal dafür sorgen, dass wir unsere guten Vorsätze vergessen.



11.09.2006 Das Unfassbare passiert doch

11:09 Uhr und 10 Sekunden In einem Regionalzug von Bochum West nach Bodolz explodiert in der Nähe des bis dato beschaulichen Ortes Klein-Umhausen ein Koffer der Marke Simsonate. Die Explosion reißt ein Loch von ca. zwei mal vier Meter Größe in die Seitenwand des Waggons. Im Waggon sitzen zu diesem Zeitpunkt zehn Personen. Zwei Personen werden sofort getötet. Ein Mann erleidet so schwere Verletzungen, daß er diesen nur wenige Sekunden später erliegt. Vier weitere Personen werden schwer verletzt, die anderen drei nur leicht.

Von den schwer verletzten Personen versterben zwei später im Krankenhaus.

12.09.2006 Die Nation in der Schockstarre

Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler rufen unisono zur Besonnenheit auf.

Der Terror hat Deutschland also eingeholt. Sofort beginnt fieberhaft die Fahndung nach den "Terroristen von Klein-Umhausen". Scharen von Politikern besuchen die fünf Überlebenden des Terrors im Krankenhaus.

Die "Bild" druckt ihre Überschriften in noch größeren Lettern. Auf der Titelseite sind diesmal nur noch die Worte zu lesen: "WIR TERROR!!" Das "WIR" ist dabei in Scharz-Rot-Gold gedruckt und das Wort Terror mit der Schriftart "Horror" in blutrot. Außen herum um diese bewegenden Worte sind Bilder vom zerstörten Regionalzugwaggon und von den Terroranschlägen in den USA drappiert.

Kanzlerin Merkel ruft zu einer nationalen Schweige- und Gedenkminute auf, der praktisch die ganze Bevölkerung nachkommt.

Die Züge bleiben leer und auch viele Arbeitsplätze werden nicht besetzt. Auf den Straßen herrscht Chaos, weil viele die sonst mit Bahn, Straßenbahn oder Bus fahren würden, dies mit ihren privaten PKW tun. An diesem Tag gibt es 30 Prozent mehr Auffahrunfälle wie sonst üblich und die Anzahl der Verkehrstoten an diesem Tag liegt mit 25 weit über dem Durchschnitt.

Politiker aller Couleur rufen jetzt nach schnellen Maßnahmen. Urlaube von Polizei und Bundesgrenzschutz werden gestrichen, damit Kräfte zur Überwachung von Bahnhöfen zur Verfügung stehen. Es kursieren Maßnahmenkataloge in allen Parteien außer der Linkspartei. Die Bundeskanzlerin ruft dazu auf, daß man jetzt erst einmal partei-intern diskutieren müsse, bevor alles in der Presse breitgetreten wird.

Edmund Stoiber hat ein Interview mit der "Welt", in welchem er die geschichtsträchtigen Worte spricht: "Diese Bedrohung können wir nur mit der Bundeswehr aehm Herr werden."

Ansonsten ist die Lage ruhig...

13.09.2006

Die "Bild" titelt: "Bundeswehr, jetzt!"

Die polizeilichen Ermittlungen zeigen bisher keine Erfolge. Niemand weiß, wer den Koffer abgestellt hat. Der einzige Zeuge, der lange genug im Zug gesessen hatte, war der eine welcher direkt nach dem Anschlag verstorben ist.

Es zeigt sich, daß eine Überwachung aller Flughäfen, Bahnhöfe, U-Bahn- und Straßenbahn-Haltestellen mit den vorhandenen Polizeikräften nicht durchführbar ist, zumal die Verkehrspolizei durch das entstandene Verkehrschaos auch überlastet ist. Der Einsatz privater Sicherheitsunternehmen soll kurzfristige Besserung bringen.

Die inoffiziellen Maßnahmenkataloge von Parteien und einzelnen Politikern kursieren durch die Presse.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage und da man weitere Anschläge befürchtet, entschließt sich Kanzlerin Merkel, den nationalen Notstand auszurufen, um auch den zeitlich befristeten Einsatz der Bundeswehr nur für den Fall aller Fälle zu ermöglichen.

14.09.2006

Die "Bild" meint: "Sicherheit, JETZT!"

Die Bundeswehr wird zur Überwachung von Flughäfen, Bahnhöfen, U-Bahn-, Straßenbahn- und Bushaltestellen eingesetzt. Außerdem werden einzelne "Einsatzgruppen" für den Schutz "sensibler Orte und Veranstaltungen" abgestellt. So gibt es Sonderkontrollen in Fußballstadien, bei Rockkonzerten und vor Opernhäusern.

Am ersten Tag dieser Einsätze gibt es nur Leichtverletzte, da Bahnhöfe ohnehin fast ausgestorben sind und der blanke Terror stattdessen auf den Straßen herrscht.

Innenminister Schäuble gibt ein Interview mit der Welt, in welchem er die bewegenden Worte sagt: "Sicherheit ist der wichtigste Garant für Freiheit Sicherheit über alles!"

Die "Allgemeine Deutsche Sicherheitspartei (ADS)" wird gegründet.

Der Börsenkurs von Sicherheitsunternehmen, Kamera- und Festplattenherstellern erreicht seit vier Tagen in Folge einen weiteren Höchststand, während der Kurs der Deutschen Bahn AG praktisch in der Bedeutungslosigkeit angekommen ist.

16.09.2006

Die "Bild" druckt: "Unsere Angsträume"

Die Bundesregierung stellt fest, daß die Lage ruhig und völlig unter Kontrolle sei.

Es gibt an diesem Tag nur wenige falsche Attentatsmeldungen: Drei angebliche Bomben in Kirchen, fünf in Zügen und zehn Mal wird der Bundestag wegen Bombenallarm komplett evakuiert.

Ein zeitlich begrenztes Flugverbot für "terroristisch aussehende Personen" wird verhängt und die Bundeswehrsoldaten werden angewiesen, nur in begründeten Verdachtsfällen zur Waffe zu greifen. Außerdem wird erwogen, die im Einsatz befindlichen Maschinenpistolen durch Gewehre zu ersetzen, um die Zahl der verletzten Passanten zu reduzieren. Wehrpflichtige in der Grundausbildung werden wieder in die Kassernen geschickt.

Auf allen öffentlichen Plätzen werden Videokameras aufgestellt. Meistens werden die Bilder aber nur aufgezeichnet, weil Personal zur Überwachung fehlt.

Die neue "Volltext-Datei zur Terrorüberwachung" nimmt ungeahnte Größen an und der Geheimdienst und das BKA reklamieren, dass sie mehr Personal zur Aufarbeitung dieser Datei benötigen. Daraufhin werden auf der neu geschaffenen Bundes-Website "www.bundesterrordatei.de" Freiwillige zur Hilfe bei der Auswertung dieser Datei gesucht. Außerdem werden drei der leistungsfähigsten Computeranlagen der Welt in Pullach aufgestellt.

25.09.2006

Die "Bild" grübelt: "Brauchen Guantanamo?"

Kanzlerin Merkel schlägt vor, den 11.09. zum nationalen Gedenktag zu machen. Dieser Vorschlag endet in heftigen Diskussionen mit Opposition und Linkspartei und wird von Wirtschaftsverbänden dahingehend kommentiert, daß das nur bei gleichzeitiger Abschaffung des Tages der Deutschen Einheit in Frage käme.

Menschen fremdartigen Aussehens trauen sich kaum noch auf die Straßen. Tausende von Türken haben sich bereits ihre Bärte abrasiert.

Koffer vor allem der Marke Simsonate und Flaschen werden in Reisezügen allgemein verboten und in U-Bahn-Stationen werden Kontrollschleusen mit Durchleuchtungsgeräten eingerichtet.

Der Bundestag tagt nur noch an geheim gehaltenen, wechselnden Orten.

Die FDP fordert die Einführung der Todesstrafe für Selbstmordattentäter.

01.10.2006

Die "Bild" weiß: "Das die Täter?"

Das Bundesverfassungsgericht stellt in einem Schnellverfahren fest, daß die Anwendung der Notstandsgesetze von 1968 und der Einsatz der Bundeswehr für die innere Sicherheit und die neu geschaffene "Anti-Terror-Datei" mit allen Informationen über alle Bundesbürger nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Die Bundesregierung wird aufgefordert, die getroffenen Maßnahmen innerhalb von zwei Monaten zurückzunehmen.

Inzwischen erscheint auch schon das erste Buch eines der "Helden von Klein-Umhausen", wie die fünf Überlebenden allgemein genannt werden. Das Buch hat den Titel "Helden im Fadenkreuz". Eine der überlebenden Frauen soll eine eigene Fernsehshow ab Dezember in der ARD starten, in welcher Terroropfer und Angehörige zu Wort kommen werden.

15.10.2006

Die "Bild" veröffentlicht: "al-Qaida von Bochum"

Von Bundestag und Bundesrat wird ein Paket von Grundgesetz-Änderungen mit über 80%iger Zustimmung verabschiedet. Das Paket trägt den Namen "Patriotische AnTi-Terror EXekutive". Das Paket sieht unter anderem den Einsatz der Bundeswehr im Inneren vor, wenn durch "terrorähnliche Gefährdung bedingt". Außerdem wird der Datenschutz bei Verdacht auf schwere Straftaten eingeschränkt. Die Befugnisse des Bundesverfassungsgerichtes werden auf Bereiche reduziert, die nicht im Zusammenhang mit der inneren Sicherheit stehen.

In den ersten Kaufhäusern der Bundeshauptstadt werden Sicherheitskameras der neu gestalteten "Behörde für Terrorabwehr" (kurz BefTAb) aufgestellt. Besonders scharf werden dabei die Kofferabteilungen der Kaufhäuser überwacht. Die EU berät unterdessen ein Gesetz, nach dem Koffer in Zukunft nur noch mit eindeutigen und nicht entfernbaren RFID-Implantaten verkauft werden dürfen.

20.10.2006 Angemessene Reaktionen

Die "Bild" bringt: "Terror unter uns!"

Einige Seiten der Anti-Terror-Datei sind der Redaktion der "Bild" in die Hände gefallen und prompt veröffentlicht worden. Dabei waren auch ca. zehn Namen ausländischer Mitbürger.

In Folge gibt es ein paar wenige Fälle von Lynchjustiz, bei denen insgesamt dreiundreißig ausländische Mitbürger und ein Deutscher in verschiedenen Landesteilen ums Leben kommen. Der Deutsche hatte den Fehler gemacht, seinen Vollbart nicht abrasiert zu haben und mit seinem Nachbarn verwechselt zu werden.

Ein bisher unbekannter Politiker, Bruno Brechheimer, fordert die öffentliche Kennzeichnung von Menschen, die potentiell zu terroristischen Vereinigungen zählen könnten also Besucher von Moscheen oder Mitglieder von muslimischen, türkischen oder sonstig verdächtigen Organisationen, sowie Bartträger.

Die Verschlüsselung von Informationen wird allgemein eingeschränkt. Sie darf nur noch (ausnahmsweise) für Internet-Transaktionen von Firmen im Rahmen des https-Protokolls genutzt werden. Wer privat verschlüsselt, kommt automatisch als potentieller Terrorist in die Anti-Terror-Datei und muß mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Einer der neu eingesetzten Rail-Marshalls hat in einem praktisch leeren Zug nicht mit Reisenden gerechnet und deshalb einen Mitfahrer versehentlich erschossen. Der Kurs der Deutsche Bahn AG sinkt daraufhin auf ein neues Tiefstniveau und der Bund lehnt es ab, Aktien der Bahn zum aktuellen Kurs zurückzukaufen.

01.11.2006

Die "Bild" sagt: "Kein Herz für Terroristen"

In der CSU denkt man laut über einen "Anti-Terroristischen Schutzwall" nach, welcher die Freiheit der Deutschen wirkungsvoll schützen soll. Dieser Schutzwall soll laut einem Sprecher zweierlei leisten: Die Zuwanderung andersvölkischer Terrorverdächtiger vermeiden und die Republikflucht von bereits im Land befindlichen "terrornahen Individuen" wirkungsvoll abwehren.

Währenddessen wird auf der Insel Pellworm ein Lager für sogenannte "rechtlose Kämpfer" eingerichtet und die Änderung des Grundgesetzes vorbereitet, welche Teile der Insel zu außerstaatlichem Gebiet machen soll.

In Klein-Umhausen wird ein großes Mahnmal gegen den Terror veröffentlicht, genau an der Stelle, an dem die Bombe explodierte. Hunderttausende pilgern an diesem Tag zu der Stätte, um gegen Terror und die "Bedrohung unseres Rechtsstaates" zu demonstrieren. Auf den Plakaten sind Slogans wie "Mehr Kameras" oder "Weg mit dem Datenschutz für Bombenleger" zu lesen. Einige der Demonstranten tragen Stangen, an denen Puppen hängen, die leicht als typische Terroristen zu identifizieren sind.

Im Bundestag wird über die Aufhebung der allgemeinen Unschuldsvermutung diskutiert. Ein Mitbürger soll ersten Entwürfen zufolge zunächst als verdächtig gelten, solange seine Unschuld nicht erwiesen sei. Dies würde prinzipiell auch die großflächige Überwachung von Privatwohnungen ermöglichen.

09.11.2006 Ende guat alles guat

Die "Bild" philosophiert: "Boahh, eyy!!"

Der nun weithin bekannte Politiker Bruno Brechheimer fordert das Verbot von Koffern, da es (so im Originalton) "unverantwortwortlich wäre, wenn in ganz normalen Kaufhäusern Gegenstände verkauft würden, die von Terroristen und Kinderschändern genutzt" würden.

Ein Kritiker der harten Regierungslinie wird in Köln in Berufung auf die neue Terrorgesetzgebung verhaftet und sein Aufenthaltsort ist seitdem nicht mehr bekannt.

In einer israelischen Tageszeitung kommt eine Glosse über die "Meshuggene Daytshe", in welcher lapidar festgestellt wird, daß an einem typischen Tag in dem kleinen Israel mehr Menschen durch Terror ums Leben kommen, wie bei dem einen Anschlag in Deutschland. Es gibt wütende Reaktionen aller vier Parteien, wobei einige Stimmen den Abbruch diplomatischer Beziehungen zu Israel fordern.

Am Abend kommt es zu einer überraschenden Meldung des BKA: Es wurde festgestellt, daß der Koffer von Klein-Umhausen nicht aus terroristischem Umfeld stammte, sondern daß es sich um einen Mordanschlag der Mafia handelte. Einer der Toten aus dem Zug ist offensichtlich ehemaliger Mafia-Mörder gewesen, der ausgestiegen und untergetaucht war.

11.11.2006

Die Bundeskanzlerin zeigt sich in einer Fernsehansprache zufrieden über das besonnene und couragierte Verhalten der Deutschen im Angesicht des möglichen Terrors. Sie hebt vor allem hervor, daß "die Freiheit und das Recht in Deutschland die Oberhand behalten haben."



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