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Was will der Mittlere Westen?

Der andere Blickwinkel

05.09.2006  


Yavuz Özoguz




Es ist erst wenige Wochen her, da haben sich der Ferne und der Mittlere Westen zu einem Waffenstillstand zwischen Israel und Libanon durchgerungen, nachdem es kein lohnenswertes, noch nicht zerstörtes Ziel im Libanon mehr gab, aber was will der Mittlere Westen wirklich?

Der Ferne Westen will den totalen Krieg, das hat das Bush-Regime schon oft genug verdeutlicht und daran gibt es in der muslimischen Welt keinen Zweifel. Auch sind Israels Pläne mehr als offenkundig. Ohne jegliche Kritik zu fürchten, kündigen gleich mehrere israelische Minister den nächsten Militärschlag gegen den Iran an und drohen Syrien mit noch größerer Vernichtung als es der Libanon erlebt hat, was faktisch nur noch durch den Einsatz der Atomwaffen möglich sein dürfte.

Wie aber ist die Position des Mittleren Westens dazu? Was sagt Deutschland, was sagen die anderen Länder? Nun, zu Israels mörderischen Drohgebärden sagen sie zunächst einmal gar nichts. Sie geben sie unkommentiert weiter. Jeder eigene Politiker, der es gewagt hat, Israels Einsatz von Streubomben gegen Zivilisten anzuprangern, wurde mit der Antisemitismuskeule verbal erschlagen und seine Karriere faktisch beendet (beziehungsweise sie wird langsam ausklingen).

Seit dem Waffenstillstandsabkommen mit dem Libanon fliegt Israel wieder ungestört Bombenangriffe gegen Palästinenser, schießt tagtäglich auf Palästinenser und hat seither rund 50 palästinensische Zivilisten getötet. Gleichzeitig werden die Besatzungs-Siedlungen im Westjordanland ausgebaut und die Palästinenser unterdrückt. Die entführten palästinensischen Minister schmoren in israelischen Gefängnissen. Und was sagt der Mittlere Westen dazu? Nichts!

Der Libanon wird nach wie vor von Israel blockiert und jegliche Versorgung der Zivilbevölkerung stark behindert. Westliche Soldaten drängen sich danach, Israel zur Hilfe eilen zu dürfen. Hochinteressant ist dabei die Rolle Deutschlands. Obwohl der Libanon nie nach deutschen Soldaten gerufen hat und bis heute nicht klar ist, was die deutsche Marine da eigentlich soll, nötigen deutsche Politiker ihre eigenen Soldaten geradezu auf und bezeichnen das als "nationales Interesse", fragt sich nur welche Nation damit gemeint ist.

Der Iran hat klar gemacht, daß er auf sein Recht nicht verzichten wird, den Urankreislauf zu schließen. Und obwohl die Länder des Mittleren und Fernen Westens mehrfach selbst den Atomwaffensperrvertrag massiv gebrochen haben und derartiges dem Iran noch nicht nachweisen konnten, drängen sie darauf, daß der Iran auf eigene Rechte verzichtet und drohen mit Sanktionen. Neuerdings allen voran Deutschland. Was will der Mittlere Westen?

In Afghanistan blüht der von den USA "geduldete" Opiumanbau und weil die muslimischen Widerstandskämpfer die Besatzungs-Entwicklung nicht weiter akzeptieren, wird jeder Widerstand gegen die USA pauschal als "Taliban" diffamiert. Und jetzt sollen endlich auch Deutsche Soldaten mitschießen. Und Deutschland zeigt sich nicht unbedingt abgeneigt. Was will der Mittlere Westen?

Im Irak ist die Besatzung gescheitert. Daher wollen der Mittlere und der Ferne Westen das Land aufteilen - nach dem Motto: teile und herrsche. Die Kurden erhielten das Signal, ihre eigene Flagge hissen zu dürfen. Die Türken werden dazu gedrängt, endlich in den Irak einzufallen und den nördlichen Teil abzuspalten. Da die türkische Politik das noch nicht einsehen will, explodiert jeden Tag irgendwo in türkischen Papierkörben eine Bombe. Und weil die Türkei das immer noch nicht einsehen will, fällt jetzt der EU ein, daß die Türkei als Naher Westen doch nicht zum Mittleren und Fernen Westen gehört und erkennt plötzlich, daß die "Reformen" in der Türkei doch nicht so schnell vorankommen. Was aber will der Mittlere Westen?

Wer es ein einziges Mal schafft, seine Brille des westlich-kapitalistisch-freiheitlich-demokratischen-an-unserem-Wesen-soll-die-Welt-genesen-Imperialismus abzulegen und sich zutraut, die Welt einmal aus der Sicht eines Palästinensers, Irakers, Afghanen, oder sonstigen besetzten Bürgers zu betrachten, der wird zu dem Schluß kommen, daß zumindest aus der Sicht jener der Mittlere Westen sehr mörderische Absichten pflegt.

Es muß sich etwas grundlegendes ändern in dieser Welt. Das Maß an Ungerechtigkeit ist derart eklatant angestiegen, daß nur noch das Recht des Stärkeren gilt. Aber solch eine Welt wird niemanden nützen, auch den Starken und Unterdrückern nicht. Es gehört schon eine gehörige Portion Ignoranz, Arroganz und Verblendung dazu, wenn man glaubt, mit solch einer Politik Frieden bewirken zu können. Genau das Gegenteil wird bewirkt und der nächste Krieg steht vor der Tür und er wird noch schlimmer sein als der vorhergehende.

Wer wirklich Frieden will, der muß umdenken und viel Mut aufbringen; auch den Mut alle Schläge aller Antisemitismuskeulen zu ertragen. Nur so kann ein Frieden für Juden, Christen und Muslime, wie auch alle anderen, bewirkt werden. Nicht Gewalt, Herrschaft, Recht des Stärkeren sind nachhaltige Friedensbringer, sondern der Dienst am eigenen Volk und der aufrichtige Einsatz für Frieden. Das aber will der Mittlere Westen derzeit offenbar nicht, und wenn doch, dann verstecken sie ihre Absichten sehr gut. Es wäre aber angebracht, sie etwas offenerzulegen.



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