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Stochern im Dunkeln

Unwissende Journalisten im Irak

18.09.2006  






Am Freitag berichtete das Magazin "Editor and Publisher" von einer Rede des New York Times-Journalisten Dexter Filkins im Büro der Organisation "Committee to Protect Journalists" (CPJ), in der er ein dunkles Bild der Sicherheitslage, aber auch der Arbeit der Medien im Irak zeichnete.

Mittlerweile sind Journalisten Filkens zufolge nirgendwo im Irak mehr sicher und 98 Prozent des gesamten Iraks, selbst der überwiegende Teil der Hauptstadt Baghdad, seien jetzt für "westliche" Journalisten "tabu". Selbst für irakische Journalisten werde die Lage immer gefährlicher. Das derzeitige Klima im Irak bezeichnete er als "Anarchie" und antwortete auf die Frage, ob sich das Land bereits in einem Bürgerkrieg befinde, mit einem eindeutigen "Ja, sicher."

Er schätzt, daß es täglich allein in Baghdad zu 50 Morden und 20 bis 30 Entführungen kommt. Mittlerweile kämpfe praktisch jeder gegen jeden. "Niemand traut mehr irgendjemand", so Filkens. "Es gibt kein Gesetz und die schlimmsten Leute mit Waffen haben die Macht."

Journalisten der New York Times (NYT) in Baghdad können höchstens noch "sehr vorsichtig ein Treffen mit jemandem vereinbaren" und sich unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen mit der Person treffen. "Wir können nicht mehr zu Autobombenexplosionen gehen", sagte er. Allein schon das Aussteigen aus einem der drei von der Zeitung den Journalisten zur Verfügung gestellten gepanzerten Fahrzeuge würde sie der Gefahr von Angriffen und Entführungen aussetzen, so Filkens.

Dementsprechend beschränkt sich die Arbeit der Journalisten in Baghdad größtenteils darauf, zu versuchen, aus den Informationen der 70 für sie arbeitenden irakischen Journalisten ein Bild des Iraks zu zeichnen, das sie selbst nicht sehen können. Die Anwesenheit der Journalisten der NYT dient also offenbar letztlich nur noch dazu, um den Eindruck einer Berichterstattung vor Ort aufrechtzuerhalten, obwohl dies fernab der Realität ist.

Neben den 70 irakischen Journalisten beschäftigt die NYT im Baghdad 45 mit Kalashnikovs bewaffnete Wachen, die die beiden mit einer Betonmauer abgeriegelten Gebäude der Zeitung patrouillieren und auf den Dächern der beiden Gebäude installierte Maschinengewehre bedienen.

Gefragt, was Filkins einem Journalisten einer kleineren Zeitung, die derartige Maßnahmen nicht finanzieren könne, der nun in den Irak gehen wolle, sagte er nur: "Geh nicht."



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