www.freace.de
Impressum und Datenschutz

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Kollektivstrafen

Kriegsverbrechen im Irak

19.09.2006  






Ein Bericht des Journalisten Dahr Jamail für IPS vom Montag bestätigte ein weiteres Mal die schon häufiger erhobenen Vorwürfe, das US-Militär setze im Irak Kollektivstrafen gegen die Bevölkerung ein, was ein eindeutiges Kriegsverbrechen darstellt.

"Ramadi, die Hauptstadt der Provinz al-Anbar, lebt noch immer mit dem täglichen Terror, daß die Menschen von Scharfschützen getötet werden und die Infrastruktur zerstört wird", sagte der örtliche Arzt Ahmad, der aus Sicherheitsgründen seinen vollständigen Namen nicht nennen wollte. "Diese Stadt ist jetzt seit über zwei Jahren mit dem schlimmsten amerikanischen Terror und Zerstörung konfrontiert und die Welt schweigt."

Die Zerstörung von Infrastruktur und die Abschaltung der Wasser- und Stromversorgung "für Tage und sogar Wochen ist eine Routine-Reaktion auf den Widerstand", so Ahmad weiter. "Die Typen vom Widerstand brauchen kein Wasser und Strom, es sind die Familien, die geschädigt werden und ihre Leben, die in Gefahr sind."

Studenten und Professoren der al-Anbar-Universität in Ramadi sagten, daß auch die Universität regelmäßig Ziel von Angriffen werde. "Fast jede Woche sehen wir uns einer Razzia der Amerikaner oder ihrer irakischen Kollegen gegenüber", sagte ein Professor, der es ebenfalls vorzog, seinen Namen nicht zu nennen. "Wir stehen seit den ersten Tagen der Besatzung des Iraks unter starkem Druck der Amerikaner", sagte ein Student.

"Die Zerstörung der Infrastruktur ist um das Regierungsgebäude in der Innenstadt von Ramadi groß", sagte Ali al-Ani, ein weiterer Student. "Und sie zerstören auch den Marktplatz." Bereits vor zwei Wochen hatte Jamail berichtet, daß das US-Militär damit begonnen hat, in einem etwa 500 Meter breiten Streifen um die Verwaltungsgebäude alle Häuser zu zerstören.

Die rund 80 Kilometer westlich von Ramadi gelegene Stadt Hit ist kürzlich mehrere Tage lang durch das US-Militär eingekesselt worden. Mehrere Zivilisten wurden von US-Soldaten getötet und mindestens 5 gefangengenommen. Jetzt sind rund um die Stadt Kontrollpunkte aufgestellt worden, die die Menschen in ihrer freien Bewegung stark einschränken.

"Es gab einen Angriff auf einen US-Konvoi und drei Fahrzeuge wurden zerstört", sagte ein örtliches Stammesoberhaupt, der seinen Namen mit Nawaf angab. "Es waren nicht die Zivilisten, die es taten, aber sie sind diejenigen, die bestraft werden. Diese Amerikaner haben die schlechte Angewohnheit, nach jedem Angriff die ganze Grundversorgung abzuschneiden. Sie sagten, sie seien gekommen, um uns zu befreien, aber sehen Sie sich den langsamen Tod an, den sie uns jeden Tag bereiten."

Der "Bericht des irakischen Widerstands" hatte bereits am 11. September von der Einkesselung der Stadt Hit berichtet. An den beiden Vortagen war es demnach zu schweren Mörserangriffen auf Stellungen der US-Besatzer in und nahe der Stadt gekommen.

Auch aus der Stadt Haditha berichten Anwohner von anhaltenden Fällen von Kollektivstrafen.

"Die Amerikaner stürmen weiterhin unsere Häuser und drohen uns mit mehr Gewalt", sagte ein örtlicher Stammesführer, der sich Abu Juma nannte. "Aber wenn sie glauben, daß sie uns mit diesen kriminellen Taten auf die Knie zwingen, irren sie sich. Wenn sie den Druck erhöhen, wird der Widerstand die Reaktion erhöhen. Wir sehen dieses Muster jetzt so oft."

"Ich bete, daß die Amerikaner wieder bei Sinnen kommen, bevor sie alles im irakischen Feuer verlieren", fügte er hinzu.

Auch die kleineren Orte in der Provinz al-Anbar werden regelmäßig Ziel von Kollektivstrafen der US-Besatzer.

"Khaldiyah und die Gegend darum herum leiden seit zwei Jahren unter schlimmsten Kollektivstrafen", sagte ein Regierungsbeamter in Ramadi. "Aber natürlich werden die meisten Städte in al-Anbar ständig von den Amerikanern bestraft."

Dies wurde auch von Anwohnern der Städte Samarra und Dhululiyah bestätigt.

"Ausgangssperren und Betonmauern sind in beiden Städten dauerhaft, was das Leben unmöglich macht", sagte der Anwalt Ali al-Bazi, der in Dhululiyah lebt und in Samarra arbeitet. "Es gibt so viele Tötungen durch amerikanische Scharfschützen. So viele Familien haben Freunde oder Familienmitglieder verloren, die Verwandte besuchen wollten oder nur vor ihre Haustür gegangen waren."

Die Genfer Konventionen könnten zu all dem keine deutlichere Sprache sprechen. In Artikel 33 des IV. Genfer Abkommens von 1949 heißt es:

"Keine geschützte Person darf für eine Übertretung bestraft werden, die sie nicht persönlich begangen hat. Kollektivstrafen wie auch jede Maßnahme zur Einschüchterung oder Terrorisierung sind verboten."





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: E-Mail