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"Sie werden von dort fliehen"

Die russische Afghanistan-Prophezeiung

24.09.2006  






Mehrere, für einen am Sonntag im britischen Telegraph veröffentlichten Artikel befragte ehemalige hochrangige sowjetische Offiziere unterstützten das durch einen britischen Offizier gezeichnete dunkle Bild der Besatzung Afghanistans und zeigten sich überzeugt, daß die heutigen Besatzer das gleiche Schicksal ereilen würde, wie es die sowjetischen erlitten hatten.

General Ruslan Aushev, der selbst in Afghanistan bei Kämpfen mit Mujaheddin verwundet wurde, fast den Ausblick für die Besatzer in einem ebenso kurzen wie eindeutigen Satz zusammen:

"Sie werden von dort fliehen."

"Viele haben in Afghanistan gekämpft, zuallererst kämpften die Briten dort im 19. Jahrhundert. Das erstaunliche heute ist, daß NATO und Koalition anscheinend nichts gelernt haben, weder aus ihrer eigenen Erfahrung noch aus unserer Erfahrung", so Aushev weiter.

Das sowjetische Militär war 1989 nach zehn Jahren aus Afghanistan abgezogen, nachdem bis dahin mindestens 15.000 sowjetische Soldaten getötet worden waren. Dies geschah zwar einerseits nur durch die massive sowohl finanzielle als auch militärische und logistische geheime Unterstützung der Mujaheddin, aus denen später die Taliban hervorgingen, durch die USA, andererseits war die in Afghanistan stationierte sowjetische Truppe mit rund 100.000 Soldaten weitaus stärker als die heutigen Besatzer in Afghanistan, deren Zahl nur etwa ein Drittel hiervon beträgt. Außerdem seien die sowjetischen Soldaten von weiteren 100.000 auf ihrer Seite kämpfenden afghanischen Soldaten, die mit "Flugzeugen, gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie" ausgerüstet waren, unterstützt worden, so Aushev. "Ihre Offiziere wurden in Moskau ausgebildet und sie waren mehr oder weniger kampfbereit. Jetzt sehe ich einfach keine afghanische Armee."

General Boris Gromov, damals Oberkommandierender der sowjetischen Besatzungstruppen in Afghanistan, der sie auch während ihres Abzugs befehligte, unterstützte in schriftlicher Korrespondenz mit der Zeitung die Ansicht Aushevs. Es scheine, als würden die US-geführten Besatzer heute unter der gleichen Gegenreaktion der Bevölkerung leiden, wie damals die sowjetische Armee. Ungeachtet innerer Spaltungen vereinige sich das afghanische Volk gegen Besatzer im Land.

"Der afghanische Widerstand wächst meiner Meinung nach", schrieb er. "Ein solches Verhalten seitens der widerspenstigen Afghanen erscheint mir verständlich. Es wurde durch Jahrhunderte der Tradition ... Geographie, Klima und Religion geschaffen. Wir sahen über einen Zeitraum vieler Jahre, wie das Land durch einen Bürgerkrieg zerrissen wurde ... Aber im Angesicht der äußeren Aggression haben Afghanen immer ihre Differenzen beiseite gestellt und sich vereinigt. Offensichtlich wurden auch die Koalitions-Streitkräfte als eine Bedrohung für die Nation betrachtet."

Erschwerend kommt nach Ansicht von Oberst Oleg Kulakov, der als Militärübersetzer in Afghanistan gearbeitet hatte und heute Professor für Geopolitik an der Moskauer Universität der Verteidigung ist, hinzu, daß der Opiumanbau nach dem Sturz der Taliban durch den US-geführten Angriffskrieg zu neuer Blüte gelangt ist, nachdem er unter den Taliban praktisch zum Erliegen gekommen war. "Jetzt ist Opium ein bedeutendes Geschäft und niemand wird sich dessen entledigen", sagte er. "Jeder Milizenführer hat seinen eigenen Anteil daran, manchmal gründet sich seine Macht ausschließlich auf Drogen."

Aushev glaubt schließlich, daß die USA bereits nach einem Ausweg für einen Abzug aus Afghanistan suchen, indem sie mehr Soldaten aus den anderen Ländern der "Koalition" anfordern. "Die Amerikaner können sich kein weiteres Vietnam leisten, also retten sie ihr Gesicht. Sie werden sagen: 'Wir sind nicht abgezogen, es waren die Australier, die Briten, die abzogen.'"



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