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Lieber Folter als Frivolität

Prioritäten in den USA

13.10.2006  






Schon John Ashcroft, der Vorgänger des derzeitigen US-Justizministers Alberto R. Gonzales, hatte sich weltweiten Spott zugezogen, als er zwei Statuen im US-Justizministerium verhüllen ließ, weil die weibliche "Geist der Gerechtigkeit" genannte Statue eine unverhüllte Brust zeigt. Derzeit sorgt nun der Fall einer Kunstlehrerin in der Stadt Frisco im US-Bundesstaat Texas für einige Aufregung. Sie ist nach eigener Aussage von ihrer Schule entlassen worden, weil sie Fünftklässlern "nackte Tatsache" präsentiert habe.

Dabei hatte die 51-jährige Sydney McGee weder eigene Körperteile entblößt noch den Kindern die Produkte jener hiermit so erfolgreich befaßten und gerade in den USA gigantischen Industrie zugänglich gemacht. Vielmehr war sie im April mit 89 Kindern - mit ausdrücklicher Zustimmung der Eltern - zu einem Ausflug in das Kunstmuseum von Dallas aufgebrochen. Drei Wochen nach dem Ausflug erhielt sie eine Kurzmitteilung von der Rektorin der Schule, Nancy Lawson, in der diese schrieb, daß "Schüler nackten Statuen und anderen Darstellungen nackter Kunst ausgesetzt wurden". Zuvor hatte sich offenbar Eltern bei Lawson hierüber beschwert.

Noch in der vergangenen Woche hatte sich die Schulleitung der Wilma Fisher-Grundschule auf den Standpunkt gestellt, daß die "Freistellung" McGees bis zum Jahresende und die Nichtverlängerung ihres Vertrages andere Gründe hätten, die aber seitens der Schule aus datenschutz- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht genannt werden dürften. Die Schule sei "extrem benachteiligt ... angesichts von Angelegenheiten der Angestelltenprivatsphäre und ethischen Überlegungen", so die Schule in einer veröffentlichten Erklärung.

Wie der Fernsehsender CBC11 allerdings am Dienstag berichtete, wurde mittlerweile mit Erlaubnis McGees, die in den 28 Jahren ihrer Tätigkeit als Lehrerin mehrere Auszeichnungen erhalten hat, ihre Personalakte veröffentlicht. Tatsächlich wurden die meisten Eintragungen in McGees Akte erst nach April dieses Jahres vorgenommen, was den Verdacht, daß nur weitere "Gründe" - wie der "Vorwurf", sie habe während des Unterrichts "Flip-Flops" getragen - für ihre Entlassung gesucht wurden, sicherlich erhärtet.

Jennifer Chapman, eine frühere Kollegin McGees an der Schule, bestätigte gegenüber dem Sender ebenfalls McGees Selbsteinschätzung, sie sei eine gute Lehrerin.

"Was ich von meinen Schülern hörte und was ich von ihr sah, war nichts als positiv. Meine Schüler liebten es, zu ihr zu gehen", so Chapman.

Während also eine - offenbar gute und äußerst beliebte - Lehrerin ihre Arbeit und angesichts ihres Alters womöglich auch ihre Lebensgrundlage verliert, weil sie nicht "verhinderte", daß Schüler in einem Museum mit einer "nackten" Statue "konfrontiert" wurden, sind zahlreiche US-Soldaten, die an der Folterung von Gefangenen oder der "versehentlichen" Tötung von Zivilisten beteiligt waren, mit geringsten Strafen wie einem schriftlichen "Verweis" davongekommen.



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