www.freace.de
Impressum und Datenschutz

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Wenn alles andere versagt...

Düstere Stimmung im Irak

07.11.2006  


Riverbend




... richte den Diktator hin. Es ist derart einfach. Wenn amerikanische Soldaten dutzendweise getötet werden, wenn das Land, das du besetzt hälst, droht, in kleinere Länder zu zerfallen, wenn du sich herumtreibende Milizen und Todesschwadrone hast und du eine Gruppe Mullahs an die Macht gebracht hat - richte den Diktator hin.

Jeder erwartete dieses Urteil vom ersten Tage des Verfahrens an. Es gab ein kurzes Zwischenspiel als man, mit dem ersten Richter, dachte, es könnte sich tatsächlich um ein stimmiges Verfahren handeln, in dem Iraker Erklärungen erhalten und sehen würden, was passiert. Das war mit dem ersten unaufrichtigen Zeugen der Anklage schnell vorbei. Die folgenden Ereignisse waren so lächerlich, es fällt schwer, sie selbst jetzt zu glauben.

Der Ton verschwand plötzlich, wenn die Verteidigung oder einer der Angeklagten aufstanden, um zu sprechen. Wir hörten die Zeugen, aber niemand konnte sie sehen - versteckt hinter einem Vorhang, ihr Stimmen wurden verändert. Menschen, die durch den Dujail-Vorfall tot sein sollten, stellten sich als sehr lebendig heraus.

Richter um Richter wurde hineingebracht, weil jene im Gericht als zu fair angesehen wurden. Sie verurteilten die Angeklagten nicht unverzüglich (nicht einmal nur um der Medien willen). Die Krönung war der letzte von ihnen eingeführte Richter. Sein Ruf konkurriert nur mit dem von Chalabi - ein bekannter Dieb und Mörder, der in den Iran geflohen war, nicht um politischer Verurteilung zu entkommen, sondern dem Zorn seines Vaters, nachdem er aus dem von seinem Vater geführten Restaurant gestohlen hatte.

Also kannten wir alle von Anfang an das Endergebnis (Maliki war 24 Stunden vor dem Urteil im Fernsehen und sagte den Menschen, sie sollten "sich nicht zu sehr freuen"). Ich glaube, was mich jetzt am meisten erstaunt ist die grundlegende Dummheit der derzeitigen irakischen Regierung. Der Zeitablauf ist lächerlich - unmittelbar vor den Kongreßwahlen? Wie äußerst passend für Bush. Irak ist heute im schlechtesten Zustand seit der Invasion und dem Beginn der Besatzung. April 2003 sieht heute aus wie ein Flitterwochen-Monat. Ist es wirklich an der Zeit, Saddam hinzurichten?

Ich bin mehr als nur ein bißchen besorgt. Das ist Bushs letzte Karte. Die Wahlen kamen und gingen und eine Gruppe von Dieben und Extremisten wurde an die Macht gebracht (nein, nein - ich meine in Baghdad, nicht in Washington). Die Verfassung, die seit ihrer Wahl anscheinend in einem Fluß von irakischem Blut ertrunken ist, wurde vergessen. Sie wird nur wieder ausgegraben, wenn eine der Marionetten das Land aufspalten will. Wiederaufbau ist eine Hoffnung aus einem anderen Leben: ich schwöre, wir wollen nicht länger Häuser und Brücken, Sicherheit und ein ungeteilter Irak sind mehr als genug. Die Dinge müssen sich jenseits jeder Vorstellungskraft verschlimmern, wenn Bush die "Richte den Diktator hin"-Karte zieht.

Der Irak war seit Jahrzehnten nicht so schlimm. Die Besatzung ist ein Fehlschlag. Die zahlreichen pro-amerikanischen, pro-iranischen irakischen Regierungen sind Fehlschläge. Die neue irakische Armee ist ein tödlicher Witz. Ist es wirklich an der Zeit, Saddam zu einem Märtyrer zu machen? Die Dinge sind so schlimm, daß selbst die Besatzung unterstützende Iraker sich von ihrem "WIR LIEBEN AMERIKA"-Wahn zurückziehen. Laith Kubba (alias Herr Wels wegen seines großen Mundes und seinem anhaltend dümmlichen Blick) sagte kürzlich auf BBC, dies sei gerade erst der Beginn der Gerechtigkeit, daß Menschen, die heute für den Tod anderer verantwortlich sind, ebenfalls vor Gericht gestellt werden sollten. Er scheint vergessen zu haben, daß er einer der Unterstützer des Krieges und der Besatzung und ein wichtiges Mitglied einer der mörderischen pro-amerikanischen Regierungen war. Aber die Geschichte wird Hernn Kubba nicht vergessen.

Der Irak sah Demonstrationen für und gegen das Urteil. Die pro-Saddam-Demonstranten wurden von der irakischen Armee angegriffen. So frei sind unsere Medien heute: die Sender, die die pro-Saddam-Demonstrationen zeigten, wurden geschlossen. Irakische Sicherheitskräfte stürmten sie umgehend. Willkommen im neuen Irak. Hier sind einige Bilder der Sender Salahiddin und Zawra:


Zawra - Im Untertitel steht: "Baghdad: Der Satellitensender Zawra hat die Ausstrahlung auf Anordnung der Regierung eingestellt."




Auf dem plötzlich aufgetauchten gründen Bildschirm von Salahiddin steht: "Salahiddin Satellitensender"




Aktuelle Meldung bei Sharqiya: "Zwei Sender, Salahiddin und Zawra geschlossen. Sicherheitskräfte durchsuchen Büros der Sender."



Es geht nicht um den Mann - Präsidenten kommen und gehen, Regierungen kommen und gehen. Es ist die Frustration des Gefühls, daß das ganze Land und jeder einzelne Iraker innerhalb wie außerhalb der Iraks von der Gnade der amerikanischen Politik abhängt. Es ist die Wut, daß man sich wie eine bloße Schachfigur fühlt, die nach belieben vor- und zurückgezogen wird. Es ist der Ärger, eine Regierung zu haben, die gegenüber den Bedürfnissen ihrer Menschen so blind und gefühllos ist, daß sie nicht einmal das Gefühl haben, es wäre nötig sich zu beraten oder ein Gesetz zu erlassen. Und es sind die Todesfälle. Die tausenden von Toten und Sterbenden, während Bush dort sitzt und grinst und über Fortschritt und Sieg in einem Land lügt, wo jeder einzelne Iraker außerhalb der Grünen Zone verliert.

Noch einmal... Der Zeitablauf von all dem ist makellos - zwei tage vor den Kongreßwahlen. Und wer das nicht sieht ist - Entschuldigung - dumm. Wir werden sehen, wie oft Bush dies in seinen kommenden Reden als einen "Erfolg" benutzen wird.

Ein letzter Hinweis. Ich las kürzlich irgendwo, daß einige der Familien von toten amerikanischen Soldaten den Nordirak besuchen, um zu sehen "wofür ihre Söhne und Töchter gestorben sind". Wenn das das Ziel ihres Besuches ist, dann: "Meine Damen und Herren, zu Ihrer Rechten liegt das Irakische Ölministerium, zu Ihrer Linken liegt die Dawry-Raffinerie... Jeder von Ihnen wird dies erhalten, eine Präsenttüte mit einem drei mal drei Farbposter von al-Sayyid Muqtada al-Sadr (Er lebe lange und erfolgreich), ein Ayat Allah Sistani-T-Shirt und eine Karte des Irans, maßstabgetreu, neu gezeichnet mit der Islamischen Republik des Südirak. Außerdem... He Sie! Sie - die Frau dort hinten - sehe ich dort eine Haarlocke? Bedecken Sie sie oder bleiben Sie zu Hause."

Das ist es, wofür sie gestorben sind.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: E-Mail