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Sparmaßnahmen

Britische Soldaten mußten sich Munition "schnorren"

26.11.2006  






Ein Bericht des britischen Telegraph vom Freitag läßt die Folgen der finanziellen Belastung durch die anhaltende Beteiligung Großbritanniens an der Besatzung von Afghanistan und Iraks erahnen. Demnach war die Situation durch mangelhafte Munition derart ernst, daß ein Zug des 3. Bataillons des Fallschirmjäger-Regiments sich weigerte, weiterhin auf Patrouille zu gehen.

Letztlich waren die Soldaten gezwungen, sich Munition von kanadischen und US-Einheiten zu "schnorren", um sich fortgesetzten Angriffen von "Taliban"-Kämpfern erwehren zu können.

Bei der fehlerhaften Munition handelte es sich um Patronen für ein schweres Maschinengewehr des Typs Browning mit dem Kaliber .50, die vermutlich "preisgünstig" in Pakistan oder der Tschechischen Republik eingekauft worden war. Während dort eine Patrone dieses Typs 60 US-Cent kostet, beträgt der Preis für britische, kanadische oder aus den USA stammende Munition des gleichen Typs 1,50 US-Dollar, also das Zweieinhalbfache.

Ein Beispiel der mangelhaften Qualität dieser Munition lieferte ein Mitte Oktober im Internet veröffentlichtes Video (Flash-Format, aber nach dem Herunterladen auch abspielbar beispielsweise mit VLC). Darin sind zwei Soldaten in der afghanischen Provinz Helmand - offenbar in einer Kampfsituation - zu sehen, die aus einem Bunker heraus mit einem Maschinengewehr feuern. Derjenige Soldat, der das Maschinengewehr bedient ist mehr damit beschäftigt, Ladehemmungen zu beseitigen, als die Waffe tatsächlich abzufeuern.

Ein namentlich nicht genannter Offizier des Fallschirmjäger-Regiments ließ keinen Zweifel an seiner Meinung über die "billige" Munition. "Die Mun, die wir hatten, war Müll. Es gab ständig Ladehemmungen. Einmal weigerten wir uns, rauszugehen, weil sie so schlecht war. Schließlich schafften wir es, einige kanadische Patronen zu schnorren", sagte er. "Wenn wir nicht die Mun gehabt hätten, hätten wir mit Sicherheit viele Leute verloren."

Von technischen Offizieren an fünf verschiedenen Lieferungen der Munition durchgeführte Versuche ergaben, daß sie alle fehlerhaft waren. Erst nachdem britische Spezialeinheiten eingesetzt wurden, zeigte sich die Militärführung offenbar einsichtig. "Sie weigerten sich zu glauben, daß es alles Mist war, bis Spezialeinheiten eingesetzt wurden", sagte der Fallschirmjäger. "Danach hatten wir innerhalb einer Woche neues Zeug."

Allein der Versuch, die Kosten der andauernden Kriege im Mittleren Osten durch den Einkauf billiger Munition zu senken - obgleich der Militärführung klar sein muß, wie katastrophal sich hier mangelnde Qualität auswirken kann - zeigt nur zu deutlich, wie stark das Budget des Militärs hierdurch belastet wird. Die Tatsache, daß erst nach Eintreffen von Spezialeinheiten auf entsprechende Beschwerden reagiert wurde, belegt allerdings auch einmal mehr, wie der "Wert" einfacher Soldaten innerhalb der Militärführung eingeschätzt wird. Da diese offenbar ganz bewußt "Sparmaßnahmen" geopfert werden sollten, scheint der Begriff "Kanonenfutter" hier keineswegs ausreichend. Sie waren vielmehr "Kontenfutter".



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