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Tödliche Körperverletzung

9 Monate Haft für US-Soldaten

11.01.2007  






Wie der britische Guardian am Mittwoch berichtete, ist einer von vier angeklagten US-Soldaten wegen der Erschießung von 3 Gefangenen im Irak zu einer Haftstrafe von neun Monaten verurteilt worden.

Ursprünglich war der Stabsgefreite Juston R. Graber der Verschwörung zum vorsätzlichen Mord, versuchtem vorsätzlichen Mord, vorsätzlichem Mord und schwerer Körperverletzung mit einer gefährlichen Waffe angeklagt worden. Graber bekannte sich vor dem US-Militärgericht der Mordvorwürfe - die mit der Todesstrafe hätten geahndet werden können - nicht schuldig, der Körperverletzung im Rahmen eines "Handels" allerdings schuldig. Dieser "Handel" beinhaltet, daß er gegen die drei anderen Angeklagten, denen außerdem noch Behinderung der Justiz und Bedrohung eines Zeugen vorgeworfen wird, aussagen wird. Neben der neunmonatigen Haftstrafe - die dem Urteil des Militärrichters Oberst Theodore Dixon sogar um drei Monate gekürzt werden soll, wenn Graber mit dem Gericht bei dem Verfahren gegen die anderen Soldaten "zusammenarbeitet" - wurde Graber zu einer Degradierung und zum Verlust aller Bezüge für sechs Monate verurteilt.

In dem Verfahren hatte Graber selbst zugegeben, am 9. Mai des vergangenen Jahres einen irakischen Gefangenen erschossen zu haben, der zuvor von einem der anderen Soldaten angeschossen worden war. Graber behauptete in dem Verfahren, dies sei geschehen, um den Iraker "von seinem Leiden zu erlösen", nachdem ein Sanitäter des US-Militärs ihm gesagt hatte, er habe keine Chance, seine Verletzung zu überleben. Daraufhin habe er zwei Mal auf den Gefangenen geschossen. Der erste Schuß verfehlte den Mann, der zweite traf ihn in den Kopf und tötete ihn. Die vorangegangenen Schüsse auf die zuvor gefangengenommenen Iraker habe er nur gehört und sei erst danach zu den bereits am Boden liegenden Opfern gekommen. Selbst wenn Grabers Behauptungen in diesem Punkt zutreffen sollten, so wäre dies immer noch ein eindeutiger Verstoß gegen die Genfer Konventionen und ein schweres Kriegsverbrechen.

Graber war zusammen mit den anderen Angeklagten - Hauptgefreiter Corey R. Clagett, Stabsgefreiter William B. Hunsaker und Oberfeldwebel Raymond L. Girouard - und weiteren Soldaten die Stürmung einer kleinen Insel im Tharthar-Kanal in der Nähe der Stadt Samarra befohlen worden. Nach Aussagen der Soldaten war ihnen gesagt worden, dort würden sich zahlreiche "Al-Qaida"-Kämpfer verstecken.

Tatsächlich kann die geringe Strafe für Graber kaum überraschen und es ist kaum anzunehmen, daß die anderen Angeklagten schwerere Strafen erwarten, böte dies doch das Risiko, daß sie zu ihrer Verteidigung bereits in der Vergangenheit erhobene Vorwürfe wiederholen, die letztlich nicht nur eine Ausweitung des Verfahrens erfordern würden, sondern einmal mehr auch ein unübersehbares Schlaglicht auf die alltäglichen Kriegsverbrechen des US-Militärs im Irak würfen.

So hatten nicht nur die vier Angeklagten im Juli in eidesstattlichen Versicherungen übereinstimmend erklärt, sie hätten vor dem Einsatz den Befehl erhalten, "alle Männer in wehrfähigem Alter zu töten", eine solche wurde auch von Feldwebel Leonel Lemus, der den Vorfall nur indirekt beobachtet hatte, abgegeben - und seitens des US-Militärs nicht bestritten. Selbst der Gefreite Bradley Mason, der von Girouard vor seiner Aussage einige Wochen nach dem Vorfall von Girouard mit dem Tode bedroht wurde, sollte er "irgendetwas sagen", sagte aus, daß Oberst Michael Steele diesen Befehl erteilt habe. Es kann kaum verwundern, daß Steele eine Erklärung unterzeichnet hatte, sich weigern zu wollen, in dem Verfahren auszusagen.

Mason sagte außerdem aus, daß Girouard ihm vor den tödlichen Schüssen gesagt hatte, daß Clagett und Hunsaker die Gefangenen töten würden. "Sie grinsten einfach", sagte Mason. "Ich sagte ihm [Girouard], daß ich dabei nicht mitmachen würde. Es ist Mord." Anschließend hörte er die Schüsse.

Während die Soldaten behaupten, die Gefangenen hätten versucht zu fliehen, wurden sie laut den Anklägern zuvor freigelassen. Das Szenario des "auf der Flucht" erschossenen, zuvor freigelassenen Gefangenen ist ebenso aus zahllosen Filmen bekannt wie nur als kaltblütiger Mord zu bezeichnen. Ein weiteres Indiz spricht dafür, daß es sich hier tatsächlich um befohlene Morde handelte. Ursprünglich waren Frauen und Kinder bei den Gefangenen. Diese sind weggeführt worden, bevor die Iraker erschossen wurden - genau entsprechend dem Befehl Steeles.

Dies ist allerdings keineswegs das erste Mal, daß bekannt wird, daß ein US-Offizier im Irak den Befehl erteilt hat, "keine Gefangenen" zu machen. Bereits im Jahr 2004 war ein solcher Fall bekanntgeworden. Obgleich die Genfer Konventionen hier eine überdeutliche Sprache sprechen, ist auch US-Oberst Michael Shupp, der diesen Befehl bei der Erstürmung der Stadt Fallujah erteilte, nie angeklagt, geschweige denn verurteilt, worden.



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