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Auslegungssache?

Wie neutral berichtet AP?

15.01.2007  






Eine beispielsweise von Forbes und dem britischen Guardian veröffentlichte AP-Meldung über eine Rede des US-Präsidenten George W. Bush vor US-Soldaten auf der Militärbasis Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia wirft bei genauerer Betrachtung schwerwiegende Zweifel an der Neutralität der Berichterstattung der Nachrichtenagentur auf.

Es war sicherlich kein Zufall, daß Bush ausgerechnet einen Tag, nachdem er die Entsendung weiterer 21.500 US-Soldaten in den Irak ankündigte - und wegen der er seither scharf kritisiert wird - eine Rede vor US-Soldaten hielt, hatten diese sich doch in der Vergangenheit trotz der steigenden Verluste im Irak als mit Abstand dankbarstes Publikum für ihn bewährt. Ein Vergleich einer AP-Meldung zu dieser Rede mit Meldungen mehrerer US-Zeitungen zum gleichen Ereignis legt die Vermutung nahe, daß AP entweder nicht anwesend war, oder die Reaktion der Soldaten absichtlich schönredete.

So schrieb die AP-Reporterin Deb Riechmann in der Meldung, Bush sei "am Donnerstag von jubelnden Soldaten in Tarnuniformen umringt" gewesen. Der Besuch in Fort Benning habe "Bush einen patriotischen Hintergrund und ein freundliches Publikum geboten", so die Meldung weiter.

Artikel von New York Times, Washington Post und Los Angeles Times zeichneten allerdings ein grundlegend anderes Bild des Besuchs.

Bush habe "eine zurückhaltende Reaktion von den Soldaten erhalten, die höflich applaudierten, aber wenig von dem wilden Enthusiasmus zeigten, mit dem sie den Oberkommandierenden üblicherweise überschütten", so die New York Times. Der Washington Post zufolge waren die Soldaten während der Rede "aufmerksam, aber still". Bush wurde während seiner 30-minütigen Rede nur drei Mal durch Beifall unterbrochen - "einmal, als er über einen früheren Empfänger der Medal of Honor aus Fort Benning sprach, noch einmal, als er versprach, im Irak zu siegen und schließlich, als er seine Absicht wiederholte, das Heer zu vergrößern." Und auch die Los Angeles Times schrieb, daß Bushs Rede "einen weniger enthusiastischen Empfang erhielt, als dies bei seinen vergangenen Besuchen auf Militärbasen zur Förderung seiner Irak-Politik der Fall war."

Und auch eine weitere Information unterschlug die AP-Meldung. Den anwesenden Journalisten war es aufgrund einer Anordnung des Kommandeurs von Fort Benning, Generalmajor Walter Wojdakowski, untersagt, mit den anwesenden Soldaten vor oder nach Bushs Rede zu sprechen - offenbar wollte er nicht riskieren, daß sich möglicherweise regender Widerspruch Eingang in die Berichterstattung findet.

Andererseits vergaß Riechmann nicht zu berichten, daß Bush die Eltern eines im Februar 2004 im Irak getöteten US-Soldaten traf, die "mindestens 100 E-Mails von Eltern gefallener Soldaten oder Eltern von Soldaten, die bald in den Irak aufbrechen werden, haben, die alle Bush ihre Unterstützung zusichern."

Insbesondere mit der "jubelnden Menge" von Soldaten wurde hier ganz offensichtlich der Boden einer bloßen Auslassung verlassen und ein entscheidender Teil der Meldung - immerhin diente Bushs Rede letztlich nur der Erzeugung derart propagandistisch verwertbarer Bilder - falsch dargestellt.



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