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Glück gehabt

Geheimgehaltener Unfall in US-Genlabor

22.01.2007  






Ein Bericht des Sunshine Project, einer Organisation, die sich insbesondere dem Kampf gegen biologische Waffen verschrieben hat, weckt auf erschreckende Weise die Erinnerung an einen Roman des Schriftstellers Stephen King.

In dem Roman "Das letzte Gefecht" ("The Stand") beschreibt King, wie der größte Teil der Menschheit durch ein genverändertes Grippevirus, das durch einen Unfall aus einem Labor des US-Militärs entkommen ist, ausgerottet wird. Auch wenn keineswegs sicher ist, daß die Folgen derart dramatisch gewesen wären, so wäre es doch im April des vergangenen Jahres an der Universität von Texas fast zu einem solchen Vorfall gekommen.

Ein Postdoktorand (Postdoc - ein nach seiner Dissertation auf befristete Zeit an der Universität beschäftigter Wissenschaftler) hatte am Nachmittag des 12. April 2006 im Gebäude für Molekularbiologie der Universität von Texas in der Stadt Austin ein Probenröhrchen in eine Zentrifuge eingesetzt und mit einer Kappe verschlossen. Das Röhrchen enthielt eine Nährlösung und die darin gezüchteten Grippeviren - menschliche Grippeviren der Art H3N2, die genetisch mit Viren der Art H5N1, der "Vogelgrippe" gekreuzt worden waren. Mittels der Zentrifuge sollen die Viren für ein anschließendes Experiment von der Nährlösung getrennt werden. Dem Wissenschaftler war die Gefährlichkeit dieser Kreuzung - immerhin genau jene Vermischung beider Virenarten, die immer wieder befürchtet wird und eine weltweite Pandemie auslösen würde - offenbar sehr wohl bewußt, er befand sich in einem Ganzkörpersicherheitsanzug, der durch einen Schlauch von außen mit Sauerstoff versorgt wurde und das Labor entsprach der Sicherheitsstufe L3 (BSL-3).

Tatsächlich gehörte das von dem Wissenschaftler in die Zentrifuge eingesetzte Röhrchen allerdings zu einer zweiten, ebenfalls in dem Labor stehenden Zentrifuge und paßte nicht in die von ihm genutzte. Nachdem er die Zentrifuge einschaltete, zerbrach daher die Kappe und die Zentrifuge kam aus dem Gleichgewicht. Der Wissenschaftler bemerkte dies, schaltete das Gerät ab und öffnete es anschließend. Dann bemerkte er, daß der Flüssigkeitsstand in dem Röhrchen niedriger war als zuvor und daß es von außen feucht war - eindeutige Hinweise darauf, daß Flüssigkeit ausgetreten war. Durch die schnelle Rotation der Zentrifuge war diese ausgetretene Flüssigkeit - also auch die Viren - in der Luft innerhalb der Zentrifuge verteilt worden. Durch das Öffnen des Geräts konnte diese Luft dann austreten und sich in dem Labor verteilen.

Der Wissenschaftler versprühte daraufhin Lysol, wischte alle Oberflächen in dem Arbeitsbereich ab, verließ das Labor, duschte, zog neue Kleidung an und nahm vorsorglich Tamiflu ein. Mehrere Tage wurde er argwöhnisch beobachtet, ob er Anzeichen einer Infektion zeigte. Es kann mit größter Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß auch Viren durch die Belüftungsanlage des Labors abgesaugt wurden. BSL3 erfordert für die Abluft nach draußen keine HEPA-Filter, die die Viren zurückhalten könnten, es reicht aus, wenn sie von Menschen und Lufteinlässen entfernt abgelassen wird. Die Unterlagen der Universität geben keinen Aufschluß darüber, ob HEPA-Filter installiert waren.

Es gibt zahllose Möglichkeiten, wie dieser Vorfall zu einer Katastrophe hätte führen können - von einer nur leicht geöffneten statt zerbrochenen Kappe, so daß zwar Viren austreten konnten, dies aber nicht bemerkt worden wäre, bis hin zu einem in der Nähe des Luftauslasses arbeitenden Fensterputzers.

Wirklich bemerkenswert ist hier allerdings, daß der gesamte Vorfall durch die Universität vertuscht werden sollte und nur durch die Nachforschungen des Sunshine Project ans Licht kam. Nicht nur, daß eine entsprechende Meldung an die Gesundheitsbehörde unterblieb, Berichte wurden so verfaßt, daß sie das wahre Ausmaß des Vorfalls verschleierten und die Universität versuchte mit rechtlichen Mitteln, die Freigabe der entsprechenden Dokumente im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes zu verhindern.

Nachdem sich die Universität schon derart verhielt, obwohl der Unfall keine weiteren Folgen hatte, scheint es wenig wahrscheinlich, daß sie ihre Schuld eingestanden hätte, wäre es zur Infektion von Menschen gekommen. Auch stellt sich hier einmal mehr die Frage, wie friedlich die dort durchgeführte Forschung tatsächlich ist. Da es sich allein um eine technische Kreuzung der beiden Virusstämme mit Mitteln der Genveränderung handelte, kann dies kaum zur Entwicklung eines Impfstoffs oder auch nur eines wirksamen Gegenmittels gegen eine "menschliche Vogelgrippe" genutzt werden, da niemand weiß, wie ein solches Virus, sollte es in der Natur entstehen, tatsächlich aussehen wird.



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